Kritik

The Gentlemen

„The Gentlemen“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2020 (Kino)

Irgendwann hat auch der größte Spaß mal ein Ende. Und Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hatte jede Menge Spaß dabei, sich ein kleines Marihuana-Imperium in London aufzubauen. Doch damit soll Schluss sein, er will das alles verkaufen, um mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) ein bisschen den Lebensabend zu genießen. Einen Käufer hat er schon, den ebenso vermögenden wie unbarmherzigen Matthew Berger (Jeremy Strong). Aber auch Dry Eye (Henry Golding) hätte gern ein richtig fettes Stück vom Kuchen ab. Und irgendwie verläuft dann sowieso nichts nach Plan, weshalb Mickeys rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) im Dauereinsatz ist, um die Scherben wegzukehren. Oder auch mal, um etwas richtig schön kaputt zu machen …

Kaum ein Regisseur dürfte in Hinblick auf kommerziellen Erfolg und Renommee ein vergleichbares auf und ab erlebt haben wie Guy Ritchie. Mit seinen ersten beiden Filmen Bube, Dame, König, GrAs und Snatch – Schweine und Diamanten wurde der Brite auf Anhieb zum Kult. Danach folgten eine Reihe von richtig üblen Flops, bis er mit Sherlock Holmes wieder einen riesigen Hit landete. Im Anschluss gab es wieder zwei Enttäuschungen, bis er im letzten Jahr mit Aladdin den bisher erfolgreichsten Film seiner Karriere gedreht hat. Das war sicher schön für ihn, wobei wohl die wenigsten die klingelnden Kassen des Disney-Remakes auf ihn zurückführen würden – zumal dieses kaum etwas mit seinen vorangegangenen Filmen zu tun hat.

Zurück zu den Wurzeln
Nun meldet sich der mehrfach abgeschriebene Filmemacher mit The Gentlemen zurück und lässt einen daran glauben, dass die letzten zwanzig Jahre nicht wirklich geschehen sind. Sicher, seine Figuren haben jetzt Smartphones. Und zumindest an einer Stelle werden die tatsächlich auch mal verwendet. Ansonsten ist es aber so, als wäre die Zeit stehen geblieben, der Film hätte seinerzeit im Anschluss an Snatch veröffentlicht werden können, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre. Erneut taucht Ritchie in die Welt der Gangster und Möchtegerngangster ein, bevölkert von zahlreichen kuriosen Figuren, die sich einen komischen Spruch nach dem anderen um die Ohren hauen, dabei gerne auch mal fluchen.

Es gibt aber auch noch eine zweite Eigenheit, für die Ritchie bekannt ist: einen deutlichen Hang zur Verspieltheit. Der schimmerte immer mal wieder durch, selbst dann, wenn es wie bei King Arthur: Legend of the Sword gar nicht wirklich angebracht war. Im Fall von The Gentlemen bedeutet das, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird. Stattdessen führt der erpresserische Schnüffler Fletcher (Hugh Grant) durchs Geschehen, wenn er als Rahmenhandlung die vergangenen Ereignisse für Ray – und damit das Publikum – noch einmal aufarbeitet. Wenn eine Figur zum Erzähler gemacht wird, heißt das natürlich immer: Vorsicht, nicht alles glauben! Der britische Regisseur und Drehbuchautor nutzt diesen Rahmen jedoch nicht, um mit den Zuschauern Wahrheit oder Lüge zu spielen. Auch die Meta-Einlagen sind eher gering. Vielmehr ist die Erzählstruktur der Anlass, um ein bisschen zwischen den Zeiten und Figuren hin und her springen zu können, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Viel Spaß mit komischen Figuren
Außerdem schafft Ritchie damit eine Bühne für Grant, der seine Rolle als schmierig-lüsterner Voyeur, der sich unentwegt an Ray ranmacht, sichtlich genießt. Ohnehin sind es die Figuren bzw. deren Darsteller, die maßgeblich den Spaßfaktor von The Gentlemen ausmachen. Matthew McConaughey hat als Hauptdarsteller zwar die meiste Screenzeit abbekommen, erledigt seinen Job als harter Gangster routiniert, interessant ist seine Figur aber nicht. Michelle Dockery als einzige nennenswerte Frau im Ensemble darf zum Glück mehr als nur Quotenerfüllung sein, wenn sie mit Eleganz und Härte den Männern ihre Meinung geigt. Sehr witzig ist zudem Colin Farrell, der nicht nur aufgrund seines etwas anderen Kleidungsstils aus dem Ensemble hervorsticht. Zuzusehen, wie diese vielen sehr unterschiedlichen Typen aufeinandertreffen, nichts miteinander anfangen können oder sich auch bekriegen – mal offen, mal hinter dem Rücken –, das ist schon sehr unterhaltsam.

Allerdings ist The Gentlemen zuweilen auch irgendwie anstrengend in den Bemühungen um Coolness, die ganzen Spielereien und Wendungen verkommen zu sehr zum Selbstzweck, werden irgendwann einfach zu viel. Ab der Hälfte des Films treten dadurch zunehmend Längen auf. Ärgerlich ist zudem, dass Ritchie sich des Öfteren so sehr auf Klischees und Stereotypen ausruht und damit auf billige Lacher setzt. Die Energie, die er in das Drumherum gesetzt hat, wäre dort besser aufgehoben gewesen. Dennoch, man darf hier schon von einem Comeback sprechen. Zwar wird der neueste Titel des Briten keine neuen Fans gewinnen können, es fehlt ihm zwangsläufig auch die Frische der Frühwerke. Für sich genommen ist die Rückkehr ins bekannte Metier jedoch gelungen, weil unterhaltsam.

Credits

OT: „The Gentlemen“
Land: UK, USA
Jahr: 2019
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie
Musik: Christopher Benstead
Kamera: Alan Stewart
Besetzung: Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Hugh Grant, Michelle Dockery, Henry Golding, Jeremy Strong, Colin Farrell

Bilder

Trailer



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The Gentlemen
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The Gentlemen
Mit „The Gentlemen“ kehrt Guy Ritchie zu seinen Wurzeln zurück und präsentiert uns eine Gangster-Actionkomödie, wie er sie vor zwanzig Jahren schon gedreht hat. Das ist dann zwangsläufig nicht neu, verrennt sich zum Teil in unnötigen Spielereien und Stereotypen, macht aber durchaus Spaß – vor allem des gut aufgelegten Ensembles wegen, das größtenteils kuriose Figuren spielen darf.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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