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© Crooked City Studios / Solis Animation
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„(S)KiDS“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

1993, das letzte Schuljahr hat für Scott und seine Clique begonnen. Doch noch immer wissen die Jungs nicht so wirklich, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Scott liebt Musik, Punk und Rock, schreibt auch immer wieder Rezensionen zu den Bands, die er entdeckt hat, und veröffentlicht diese online. Während er die Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen und seine Gedanken festzuhalten, aufregend findet, ist der schulische Alltag weniger beglückend. Es kommt auch regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit anderen, Scott und seine Freunde werden zur Zielscheibe anderer. Dabei stehen ihnen die größten Aufregungen erst noch bevor, denn die nächsten Wochen werden für alle große Enthüllungen und Veränderungen mit sich bringen …

Coming of Age trifft Punk Rock Opera

Es ist eine Phase, durch die fast alle von uns durchmüssen: die Jugend. Auf der einen Seite ist diese sehr spannend, wenn wir uns selbst und die Welt um uns herum entdecken, langsam eine Ahnung davon bekommen, wer wir sind und sein wollen. Gleichzeitig ist diese Zeit mit vielen Kämpfen und Unsicherheiten verbunden. Nicht ohne Grund ist das Thema für viele Filmschaffende sehr spannend und es werden unentwegt neue Titel produziert. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass man sich schon einiges einfallen lassen muss, um in der Menge hervorzustechen. Bei (S)KiDS geschieht das auf mehrfache Weise. Nicht ohne Grund feiert der Film seine Weltpremiere in der Sektion Midnight Specials in Annecy, wo tendenziell eher ungewöhnliche Beiträge laufen.

Verkauft wird der Film als Punk Rock Opera, was sicher nicht verkehrt ist. Punk Rock spielt tatsächlich eine große Rolle. Nicht nur, dass Scott und seine Freunde sie hören und die Lieder immer mal wieder wie in einem Musical an Stelle der Handlung treten. Da wird dann durch die Musik verdeutlicht, was in den Figuren vor sich geht. Sie wird für den Protagonisten aber auch zur Möglichkeit, sich selbst auszudrücken, in dem er über sie schreibt und dabei allgemein seine Gedanken festhält. In (S)KiDS wird Musik zu einem Lebensgefühl, das mehrere Funktionen übernimmt. Ideal ist das natürlich für ein Publikum, das vielleicht selbst Anfang der 1990er aufgewachsen ist oder den Musikgeschmack teilt. Da wird beispielsweise früh Rage Against the Machine gezeigt.

Rauer Geheimtipp

Dieses sehr spezifische Setting geht aber auch mit universellen Punkten einher, mit denen sich auch andere identifizieren können. Ob es nun eine romantische Begegnung ist, Rivalitäten mit anderen Jugendlichen oder die Szenen mit den Familien, das Regieduo Leslie und Louis Solis hat einiges eingebaut, um die Zuschauer und Zuschauerinnen an sich zu binden. Lediglich zum Ende hin schlägt (S)KiDS doch ein wenig über die Stränge, wenn dann sehr düstere Themen eingebaut werden, die glücklicherweise nicht ganz so alltäglich sind. Ob es diese unbedingt gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten. Aber es passt zumindest ganz gut zu einem Film, der zwischen Aufbruchsstimmung und Wut schwankt, zwischen Chaos und Selbstfindung.

Außerdem ist (S)KiDS ein Film über Freundschaft geworden. Zwar ist Scott die Hauptfigur und steht meistens im Fokus. Wir lernen ihn aber im Umfeld seiner Clique kennen, die Geschichte ist maßgeblich von der Dynamik zwischen den Jungs geprägt. Sie geben einander Halt, auch wenn sie zuweilen selbst mit Situationen überfordert sind. Sie sind keine Helden, die immer alles richtig machen. Sie wissen ja nicht einmal, was überhaupt richtig ist. Das Ergebnis ist mal unterhaltsam, mal spannend, mal auch emotional. Und es ist sehenswert. Dass die Optik eher schlicht gehalten ist, schmälert das Vergnügen nicht. Vielmehr ist die kanadische Indieproduktion ein rauer, energiegeladener Geheimtipp, der hoffentlich sein Publikum findet.

Credits

OT: „(S)KiDS“
Land: Kanada
Jahr: 2024
Regie: Leslie Solis, Louis Solis
Drehbuch: Leslie Solis
Musik: James Priestner, Jared Priestner, Jan Cajka, Duran Ritz, Tim Randolph
Animation: Solis Animation

Bilder

Filmfeste

Annecy 2024



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(S)KiDS
fazit
„(S)KiDS“ erzählt aus dem Leben einer Jungsclique kurz vor dem Schulabschluss Anfang der 1990er und setzt des als animierte Punk Rock Opera um. Die Mischung aus sehr spezifischem Setting und universellen Themen geht auf, auch wenn einige der sehr düsteren Punkte nicht unbedingt notwendig gewesen wären.
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