
Gerade erst ist Kriminalkommissarin Paula Schäfer (Hanna Plaß) in ihre Heimat Delmenhorst zurückgekehrt, da wartet bereits ihr erster Fall auf sie. Zusammen mit ihrem Bruder und Kollegen Leon (Jakob Benkhofer) muss sie herausfinden, wer Ole Wellenkamp getötet hat. Dieser weist nicht nur die Sturzverletzungen auf, nachdem er an den Externsteinen im Teutoburger Wald in die Tiefe gestürzt und gestorben ist. Da sind auch Stichverletzungen, welche auf eine Fremdeinwirkung hinweisen. Im Auftrag der Staatsanwältin Britta Everslage (Ann-Kathrin Kramer), die mit den Schäfers befreundet ist, schauen sie sich im Umfeld des Toten um. Was weiß die Familie über den Mord? Und was hat es mit der rechtsextremen Gruppierung auf sich, zu der Wellenkamp Kontakt hatte?
Auftakt einer neuen Krimireihe
Öfter mal was Neues. Zwar gibt es eigentlich nicht gerade wenig Krimireihen und Serien made in Germany, gerade auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ist es nahezu unmöglich, einen Tag ohne solche zu erleben. Das heißt aber nicht, dass man nicht noch neue starten kann, damit auch in Zukunft fleißig gemordet werden darf. Das ZDF startete kürzlich etwa die Serie Mordufer, die am beliebten Platz am Freitagabend auf Zuschauerjagd ging. Mit Im Grunde Mord: Blutsbande strahlt der Sender einen weiteren Neuzugang aus. Diesmal handelt es sich wieder um spielfilmlange Folgen. Drei Stück wurden wohl erst einmal produziert, danach muss geschaut werden, ob die Reihe die notwendigen Einschaltquoten erreicht, um weitere zu rechtfertigen.
So richtig viel Lust macht der Einstieg da nicht. Ein Punkt, der manche vor den Fernsehern schnell nerven dürfte, sind die ständigen Streitereien der beiden Hauptfiguren. Sicher, Konflikte innerhalb eines Teams sind keine Seltenheit. Manche Reihen kommen fast gar nicht ohne aus. Und zumindest hält Im Grunde Mord: Blutsbande eine plausible Begründung bereit, warum die zwei ein so schwieriges Verhältnis haben: Paula ging weg, um bei der Polizei Karriere zu machen, während ihr Bruder Leon sich um den kranken Vater Holger (Rainer Reiners) kümmern musste. Das hat sie geschafft und ist dadurch die Vorgesetzte ihres älteren Bruders geworden, worauf er nicht viel Lust hat. Das ist alles verständlich. Dennoch darf man sich als Zuschauer bzw. Zuschauerin fragen: Warum sollte mich das interessieren?
Überfrachtet und nicht sehr spannend
Das andere Problem ist, dass der Film darüber hinaus richtig viel in die Geschichte packt. Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, wenn ein Krimi inhaltlich mehr bietet, sowohl im Hinblick auf eine gesellschaftliche Relevanz als auch die Komplexität des Falls. Das heißt aber nicht, dass deswegen das Motto „viel hilft viel“ stimmt. So gibt es in Im Grunde Mord: Blutsbande immer wieder Themen und Stränge, die den Film aufblasen, ohne ihn dadurch spannender zu machen. Beispielsweise geht es zwischendurch um Abtreibung, was sicher ein relevantes Thema ist, aber nicht wirklich viel mit dem eigentlichen Krimi zu tun hat. Zwischendurch darf man sich immer wieder fragen, wovon hier eigentlich erzählt werden soll. Von dem obligatorischen Familiengeheimnis ganz zu schweigen.
Positiv anzumerken ist sicher das Setting, das mal wieder idyllisch angelegt ist, wenn es in die Berge geht oder wir durch die nicht ganz so große Stadt streifen. Schauspielerisch kann man dem Film auch nicht wirklich viel vorwerfen, das passt schon alles irgendwie, zumal man auf nicht ganz so verbrauchte Gesichter setzt. Der Fall an sich ist ebenfalls in Ordnung. In der Summe reicht das für einen durchschnittlichen Genrebeitrag, den man sich anschauen kann. Eine wirkliche Bereicherung für das Angebot ist das aber kaum. Im Grunde Mord: Blutsbande ist ein seltsames Stückwerk, das zwar viel mit Spannungen arbeitet, selbst aber nur wenig Spannung erzeugt. Die deutsche Krimilandschaft wäre nicht unbedingt ärmer, wenn dieser hier nicht gedreht worden wäre.
OT: „Im Grunde Mord: Blutsbande“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Bruno Grass
Drehbuch: Stefan Rogall
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Nicolay Gutscher
Besetzung: Hanna Plaß, Jakob Benkhofer, Ann-Kathrin Kramer, Rainer Reiners, Robert Schupp, Kristin Alia Hunold, Julia Jenkins, Bernhard Schir, Ben Felipe, Philine Schmölzer, Helene Grass, Patrick Joswig
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