Entgleist Derailed
© Disney

Entgleist

Inhalt / Kritik

Es ist reiner Zufall, durch den sich Charles Schine (Clive Owen) und Lucinda Harris (Jennifer Aniston) eines Tages in der Bahn begegnen. Doch von Anfang an ist da eine gegenseitige Anziehungskraft. Obwohl beide verheiratet sind, beschließen sie deshalb, sich in einem kleinen heruntergekommenen Hotel zu treffen. Gerade als sie dabei sind intimer zu werden, stürmt ein Mann (Vincent Cassel) ins Zimmer, schlägt Charles nieder und vergewaltigt Lucinda. Aus Scham und aus Sorge um ihre jeweiligen Ehen einigen sie sich darauf, die Sache nicht zur Anzeige zu bringen und lieber alles vergessen zu wollen. Ausgestanden ist die Geschichte damit aber nicht: Kurze Zeit später meldet sich der Mann, der sich Philippe LaRoche nennt, wieder und erpresst Charles: Wenn er nicht 20.000 Dollar zahlt, würde er alles seiner Frau Deanna (Melissa George) verraten …

Eine Affäre mit bösen Folgen

Sie gehören zum Erbe des puritanischen Amerikas: Thriller, in denen die Hauptfigur Ehebruch begeht und dafür einen hohen Preis zu bezahlen hat. Eine verhängnisvolle Affäre zeigte in den 1980ern, dass damit richtig viel Geld zu verdienen ist. Tatsächlich war er 1987 der erfolgreichste Film weltweit und war zudem für mehrere Oscars im Rennen. Ob man bei Entgleist ähnliche Hoffnungen hegte, ist nicht bekannt. Falls ja, dann wurden sie 2005 schnell zerschlagen. Trotz eines Star-Ensembles waren die Besucherzahlen durchwachsen. Die Kritiken waren zudem vernichtend. Kein Wunder also, wenn der Film viele Jahre später ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Er ist allenfalls von historischem Interesse, da es sich um den ersten Titel der berüchtigten Weinstein Company handelte – was angesichts des Inhalts wie ein schlechter Witz wirkt.

Wobei, an unfreiwilligem Humor mangelt es in dem Film nicht. Das betrifft besonders den späteren Verlauf. Auch wenn sich der Titel Entgleist auf das Leben des Protagonisten bezieht, das plötzlich Kopf steht, passt es auf den Inhalt bezogen ebenfalls. So schlägt die Geschichte irgendwann Kapriolen, das AAA-Ensemble trifft auf einen Plot, bei dem B-Movie noch geschmeichelt wäre. Bei der Figurenzeichnung sollte man die eigenen Erwartungen sowieso auf das niedrigste Niveau hinabsenken. Hier hat praktisch niemand eine Persönlichkeit, von Charles und Philippe einmal abgesehen. Ersterer macht sogar eine Entwicklung durch, die aber mal wieder nicht erarbeitet werden soll. Stattdessen wird einfach ein Schalter umgelegt, wenn es gerade in dem Kram passt.

Ein Twist, der keiner ist

Ein weiteres Manko: Die Adaption des gleichnamigen Romans von James Siegel ist vorhersehbar. So basiert Entgleist maßgeblich auf einer Annahme, die sich später als falsch erweist. Das darf man mit viel Wohlwollen als einen Twist bezeichnen. Nur ist es einer, der sich derart offensichtlich und offensiv ankündigt, dass die entsprechende Stelle wirkungslos verpufft. Sinn ergibt das Ganze sowieso nicht. Aber nachdenken soll man dabei ohnehin nicht. Man verließ sich darauf, dass das Publikum so sehr von der wachsenden Bedrohung gefesselt ist, dass es den eigenen Kopf dabei ganz vergisst. Charles geht es ja auch nicht anders, der vor lauter Schreck geistig auf das Niveau eines kleinen Jungen zusammenschrumpft.

Immerhin: Vincent Cassel überzeugt. Der französische Schauspieler (Dobermann, Tödliche Versprechen – Eastern Promises) hinterlässt als Erpresser, der in Sekundenschnelle von charmant zu brutal wechseln kann, tatsächlichen Eindruck. Seine Figur ist zwar ebenso eindimensional und aus Klischees zusammengestückelt. Aber es macht doch Spaß dabei zuzusehen. Ansonsten hat sich der schwedische Regisseur Mikael Håfström (Outside the Wire, Zimmer 1408) an der Aufgabe verhoben, aus der Vorlage etwas Spannendes machen zu wollen. Entgleist ist nicht nur ein in vielerlei Hinsicht fragwürdiger Film. Er begeht zudem die Todsünde langweilig zu sein – nur wird dafür niemand bestraft, vom Publikum einmal abgesehen, das sich durch den filmischen Unfall kämpfen muss.

Credits

OT: „Derailed“
Land: USA
Jahr: 2005
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Stuart Beattie
Vorlage: James Siegel
Musik: Ed Shearmur
Kamera: Peter Biziou
Besetzung: Clive Owen, Jennifer Aniston, Vincent Cassel, Melissa George, Addison Timlin, Xzibit, RZA, Giancarlo Esposito

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Entgleist
Fazit
„Entgleist“ ist ein missglückter Thriller um einen Mann, der seinen geplanten Ehebruch teuer bezahlen muss. Die Geschichte ist lächerlich, die Figuren nichtssagend, einiges ist sogar sehr fragwürdig. Lediglich Vincent Cassel als brutaler Erpresser bleibt positiv in Erinnerung.
Leserwertung9 Bewertungen
5.4
4
von 10