Dobermann
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Dobermann

Inhalt / Kritik

Dobermann
„Dobermann“ // Deutschland-Start: 7. Mai 1998 (Kino) // 17. Dezember 2021 (Mediabook)

In Frankreich gilt Yann Le Pentrec (Vincent Cassel), besser bekannt unter seinem Spitznamen Dobermann, als einer der berüchtigtsten Verbrecher. Viele Polizisten haben bereits versucht ihn zu stellen, doch bislang konnte der schießwütige Bankräuber noch jeder Polizeistreife entkommen und jeden Ermittler an der Nase herumführen. An seiner Seite sind neben seiner geliebten Magnum und einem schnellen Auto die taubstumme Nathalie (Monica Bellucci), mit der er seit vielen Jahren zusammen ist und bereits viele Banken sowie Geldtransporter überfallen hat. Gemeinsam mit seinem Team will er nun seinen bisher größten Coup durchziehen, nämlich den Überfall auf zwei Banken gleichzeitig. Der Plan ist relativ simpel, aber am Tage des Überfalls lauert ein Großaufgebot der Pariser Polizei vor den beiden Banken und es kommt zu einer Schießerei zwischen den Polizisten und den Bankräubern. Während Dobermanns Bande nach einem Unterschlupf sucht, sieht der skrupellose Inspektor Christini (Tchéky Karyo) seine Stunde gekommen, nachdem sein prinzipientreuer Kollege erfolglos gewesen ist. Aufgrund seiner brutalen Methoden, besonders bei den Verhören von Verdächtigen, kam der Ermittler bislang nicht in Betracht, doch jetzt, da Dobermann und seine Bande zu Polizistenmörder geworden sind, sieht Christine seine Gelegenheit gekommen.

Etwas Neues wagen

Wie das Kino der europäischen Nachbarn war auch das französische Kino der späten 1990er Jahre einer Art Dornröschenschlaf gefangen und brachte außer einigen Arthouse-Dramen wenig zustande. So zumindest sah es Regisseur Jan Kounen (39,90), der in erster Linie durch seine Mitarbeit an Musikvideos und Kurzfilmen aufgefallen war, und bei seinem ersten Spielfilm nicht nur eigene Wege gehen wollte, sondern zugleich einen Genrefilm nach US-amerikanischem Vorbild vorlegen wollte. In den Dobermann-Romanen von Autor Joël Houssin, der auch das Drehbuch für den Film schrieb, wurde Kounen letztlich fündig und fand eine Welt vor, die zum einen bekannten Vorbilder zitierte und zum anderen die von ihm geschätzte Comic-Ästhetik mit sich brachte.

Aus heutiger Sicht wirkt ein Film wie Dobermann als ein Vorreiter jener neuen Welle französischer Filme, die Anfang der 2000er Jahre auf den Markt kamen und Regisseure wie Alexandre Aja, Xavier Gems und Pascal Laughier hervorbrachte. In erster Linie wirkt Kounens Erstling aber vor allem wie das filmische Pendant zu einem Punk-Song, der seine Anti-Establishment-Mentalität in jeder Szene dem Zuschauer bewusst macht. Schon die erste Szene, in der Yann und seine geliebte Nat einen Geldtransporter überfallen ist so gänzlich untypisch für das Kino zu der damaligen Zeit, so laut, überdreht und gespickt mit allerlei Momenten, die auch aus einem Comic oder Zeichentrickfilm stammen können, beispielsweise, wenn Yann mittels einer Mini-Rakete, die er mit seiner Magnum abfeuert, den Transporter schließlich zum Stillstand bringt. Von der Szene, die seine Taufe zeigt und seine innige Beziehung zu einer Schusswaffe deutlich macht, muss man dann schon gar nicht mehr anfangen. Kounen und sein Team gehen mit großer Lust und Furchtlosigkeit an Werk, was durchaus unterhaltsam ist, bisweilen aber auch etwas zu viel des Guten.

Viel Action, viel Blei

Wie für einen Punk-Song üblich, ist Dobermann laut, politisch unkorrekt und natürlich brutal, was dem Film im Jahre 1999 eine Indizierung in Deutschland einbrachte, die dann 2011 aufgehoben wurde. Vincent Cassel, der zuvor in Mathieu Kassovitz’ Hass eine ganz andere Darstellung ablegte, zeigt als Dobermann ein Gespür für die Überzeichnung seiner Figur, was man bei den anderen Darstellern ebenso merkt. Die Posen wirken einstudiert, genauso wie der omnipräsente Waffen-Fetisch, die lockeren Sprüche und die Neckereien zwischen ihm und seinen Männern. Ihm gegenüber steht Tchéky Karyo als brutaler Polizist ihm in nichts nach und legt eine ausgeprägte Spielfreude an den Tag, die besonders in den brutalen oder schwarzhumorigen Szenen sehr zum Tragen kommt.

Letztlich ist Dobermann aber vor allem eine Art Bonbontüte für alle Genrefans, die weniger Wert auf Handlung und Charakterentwicklung legen, dafür aber auf Action, kernige Typen und schnelle Verfolgungsjagden. Davon gibt Kounen seinem Publikum eine ganze Menge, auch wenn sich nach einer Weile bei dem ein oder anderen Zuschauer wohl ein Zustand der Übersättigung einstellen wird.

Credits

OT: „Dobermann“
Land: Frankreich
Jahr: 1997
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Joël Houssin
Musik: Brune, Jean-Jacques Hertz, Philippe Maillier, François Roy
Kamera: Michel Amathieu
Besetzung: Vincent Cassel, Monica Bellucci, Tchéky Karyo, Antoine Basler, Dominique Bettenfeld, Pascal Demolon, Marc Duret, Romain Duris

Trailer

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„Dobermann“ ist eine Mischung aus Action und Thriller. Neben Cassel und Karyo, die in ihren Rollen zu überzeugen wissen, bietet Jan Kounens Film brutale, kurzweilige Unterhaltung ohne viel Tiefgang, aber dafür mit einer trotzigen Anti-Establishment-Mentalität, die zumindest zeitweise Spaß macht.
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