Kritik

Zimmer 1408 Stephen King

„Zimmer 1408“ // Deutschland-Start: 13. September 2007 (Kino) // 25. Februar 2008 (DVD/Blu-ray)

Mike Enslin (John Cusack) hält nicht viel von dem Hokuspokus, mit dem andere ihm ankommen, was ihn aber nicht davon abhält, darüber zu schreiben. Genauer sind seine Themen angebliche übernatürliche Orte, zwei Bücher hat er dazu bereits verfasst. Als er eines Tages eine anonyme Nachricht erhält, die von einem weiteren solchen Ort erzählt, genauer dem Zimmer 1408 in einem Hotel in New York, ist er wild entschlossen, sich das Ganze einmal aus der Nähe anzusehen. Zwar versucht ihn Hotelmanager (Samuel L. Jackson) davon abzubringen, mit dem Verweis auf die verschiedenen seltsamen Todesfälle, die sich dort zugetragen haben. Mike lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken, hält es für einen reinen Marketinggag, den er aufzudecken gedenkt – bis er selbst einige unerklärliche Beobachtungen darin macht …

Die Geschichte hinter dem Horror
Bei mehreren Dutzend Büchern, von den unzähligen Kurzgeschichten einmal abgesehen, ist es klar, dass selbst ein dem Fantastischen zugeneigter Autor wie Stephen King des Öfteren mal etwas wiederholt. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die sich in vielen seiner Werke finden lassen, allen voran das Motiv, dass eine amerikanische Kleinstadt von einem mysteriösen Bösen heimgesucht wird. Im Fall von Zimmer 1408 geht es ausnahmsweise mal in die Großstadt, genauer nach New York City, so ziemlich das Gegenteil von Kings liebsten Schauplätzen. Dafür greift er auf ein anderes Motiv zurück, das sich ebenfalls durch sein Gesamtwerk zieht, indem er einen Autor zur Hauptfigur der Geschichte machte – siehe zum Beispiel Stark – The Dark Half oder Es.

Wobei der naheliegendste Vergleich natürlich der zu Shining ist. Beide Filme sind grob dem Haunted-House-Horror-Subgenre genommen. In beiden Fällen ist es sogar ein Hotel, das nach außen hin ganz vorzeigbar wirkt, dann aber zu einem Ort des Schreckens mutiert. Vor allem aber steht im Mittelpunkt ein Mann, der zunehmend den Verstand verliert, während er zeitgleich eigentlich an einer Geschichte arbeitet. Ob das nun als Kommentar zum kreativen Prozess des Schreibens verstanden wurde, darüber lässt sich streiten. So oder so sind wir live dabei, wie nach und nach der Protagonist wahnsinnig wird, unter dem Einfluss eines Ortes, der zu einem Gefängnis für ihn geworden ist, mal im übertragenen, mal im wörtlichen Sinn.

Im Vergleich zu Jack Nicholson seinerzeit zieht John Cusack natürlich schon den Kürzeren, hat aber auch die weniger dankbare Rolle. Während 1980 der Amok laufende Autor zum Gegenspieler wurde, der seine eigene Familie terrorisiert, also Quelle der Furcht wurde, da ist bei dem 2007 veröffentlichten Horrorstreifen der Hauptdarsteller auf sich allein gestellt. Dabei erhält er zwar schon Besuch von menschlichen Visionen. Die sind aber kurz. Ansonsten sehen wir dem Schauspieler zu, wie er einem dämonischen, willkürlichen und bösartigen Zimmer gegenübersteht und abwechselnd gegen dieses und seine aufkommenden Psychosen ankämpft – was Cusack mit einem Hang zum Overacting, wirren Blick und ebenso wirrer Frisur zum Ausdruck bringt.

Viel Schrecken um nichts
Das ist jetzt nicht so wahnsinnig viel Material für einen ganzen Film. Tatsächlich tat man sich etwas schwer damit, die von King verfasste Kurzgeschichte auf 100 Minuten aufzublasen. Zu diesem Zweck wurde die Hintergrundgeschichte des Autors noch einmal erweitert und eine tragische Komponente hinzugefügt, welche dem Ganzen mehr Tiefe verleihen sollte. Richtig viel draus gemacht wurde aber nicht, Zimmer 1408 zeigt zwar immer mal wieder Ansätze, was da thematisch möglich gewesen wäre, indem der Film das Psychologische betont. Eine ganze Weile geht es dann doch mehr um Enslin als um das Zimmer. Man kann sich nicht einmal sicher sein, ob denn tatsächlich was mit den Ort nicht stimmt oder da einfach nur jemand seine Traumata verarbeitet.

Aber auch wenn da inhaltlich doch noch mehr möglich gewesen wäre und der Film sich zwischenzeitlich auf der Stelle dreht, so hat der schwedische Regisseur Mikael Håfström doch rein atmosphärisch vieles richtig gemacht. Zimmer 1408 wechselt konstant zwischen einem surrealen Horror und direktem Terror, vermischt Panik und tiefe Trauer zu einem Wirbelwind der Gefühle, das einen vergessen lässt, dass man eigentlich die ganze Zeit nur in einem einzigen Raum verbringt. Die damit einhergehenden Spezialeffekte können sich dabei noch immer sehen lassen, machen aus dem eingeschränkten Ort eine turbulente Geisterbahn, die einen fast selbst schon in den Wahnsinn treibt. Wer damit leben kann, dass der Film fast zwangsläufig wenig Abwechslung zulässt und der Mystery-Aspekt nie so recht aufgelöst wird, der findet hier eine der besseren Adaptionen der King-Geschichten.

Credits

OT: „1408“
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Matt Greenberg, Scott Alexander, Larry Karaszewski
Vorlage: Stephen King
Musik: Gabriel Yared
Kamera: Benoît Delhomme
Besetzung: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Tony Shalhoub, Len Cariou, Jasmine Jessica Anthony

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Zimmer 1408
In „Zimmer 1408“ will ein Sachbuchautor, der vermeintliche Spukorte auseinandernimmt, in einem Hotelzimmer einchecken, das viele Todesopfer forderte. Die Abwechslung des Mystery-Horror-Films ist eher gering, wenn wir den ganzen Film nur in diesem Raum verbringen. Aber es ist doch atmosphärisch umgesetzt, wie der Protagonist nach und nach wahnsinnig wird, Trauma und Terror eine unheilvolle Allianz eingehen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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