DOCTOR STANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS
© Marvel Studios 2022

Doctor Strange in the Multiverse of Madness

„Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ // Deutschland-Start: 4. Mai 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Eigentlich wollte Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) nur seiner Ex-Freundin Christine Palmer (Rachel McAdams) zur Hochzeit gratulieren. Zum Feiern ist aber keine Zeit: Ein riesiges Monster taucht auf und droht, die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Ziel des Wesens ist die Teenagerin America Chavez (Xochitl Gomez), die Strange zuvor in einem seltsamen Traum gesehen hatte. Wie sich herausstellt, handelte es sich dabei jedoch um keinen Traum. Stattdessen besitzt die Jugendliche die außergewöhnliche Gabe, von einem Paralleluniversum ins nächste zu wechseln. Nachdem Strange mit dem Obersten Zauberer Wong (Benedict Wong) das Wesen unschädlich gemacht hat, begibt er sich zu Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen), die selbst in der Hexerei bewandert ist und von der er erhofft, mehr über die Geschichte zu erfahren. Doch die Antwort stellt nicht nur für ihn alles auf den Kopf …

Alle Welten in einer

Was tun, wenn man das Gefühl hat, bereits alle kreativen Vorräte dieses Universums erschöpft zu haben? Ganz einfach: Man nimmt ein anderes. Genauer ist es das Konzept von Parallelwelten, welche zu einem Multiversum zusammengeführt werden, das zuletzt auf gesteigertes Interesse stieß. Insbesondere im Bereich der Comic-Adaptionen scheint die nächsten Jahre nichts mehr ohne zu gehen. Zu groß sind die Möglichkeiten, alle Figuren aus den Vorlagen zusammenwerfen, ohne sich um Sinn und Zusammenhänge scheren zu müssen. Zu groß auch die Verlockung, mittels billigem Fanservice Kasse zu machen. Bei Spider-Man: No Way Home ging der Plan auf, der Multi-Auftritt des Spinnenmanns wurde auch dank eines kräftigen Nostalgiefaktors zu einem Kinoereignis. Der Marvel-Kollege Doctor Strange in the Multiverse of Madness versucht nun, an dieser Stelle anzuknüpfen.

Dabei sieht es anfangs noch danach aus, als würde man hier vielleicht etwas Neues starten wollen. Mit America Chavez wird schon in der Einleitungssequenz eine Figur eingeführt, welche Fans zwar bereits aus den Comic kennen, aber doch einen frischen Wind im angestaubten Superheldenkomplex verspricht. Zwei Stunden später muss man jedoch festhalten: Daraus wurde nichts. So ist die Teenagerin mit den außergewöhnlichen Sprungfertigkeiten kein besonders interessanter Charakter. Eigentlich ist sie überhaupt kein Charakter. Doctor Strange in the Multiverse of Madness stellt sie zwar in den Mittelpunkt, weil sich alle ihres Talents bedienen wollen. Sie bekommt aber recht wenig zu tun und noch weniger zu sagen. Man hätte aus ihr auch einfach einen Zauberstein machen können, ohne dass es viel geändert hätte.

Eine Tragödie gewaltigen Ausmaßes

Stattdessen sind die Titelfigur und die auch als Scarlet Witch bekannte Wanda Maximoff Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Die Schwäche besteht auch darin, dass der Film ohne Vorkenntnisse nicht so wirklich funktioniert. Das kennt man aus dem Marvel Cinematic Universe natürlich, das von Anfang an auf ineinandergreifende Geschichten setzte und zahlreiche Anspielungen und Querverbindungen einbaute. Doctor Strange in the Multiverse of Madness setzt nun aber auch Kenntnisse der Disney+ Serie WandaVision voraus. Ohne versteht man zwar schon, was genau da geschieht. Doch nur wer sie gesehen hat, wird sich in die Emotionalität des Films hineinversetzen können. Und von der gibt es jede Menge: Kaum ein Teil der Endlosreihe ist im Herzen derart tragisch wie dieser hier.

Aber auch in Richtung Brutalität wurde einiges draufgelegt. Schon beim Vorgänger Doctor Strange ging man in eine stärker unheimliche Richtung. Doch trotz der Verpflichtung von Regisseur Scott Derrickson, der zuvor mit Sinister einen echten Alptraum inszenierte, wurde das Horrorpotenzial des Zauberers zu wenig genutzt. Dieses Mal durfte Sam Raimi sein Glück versuchen. Eine naheliegende Wahl: Nicht nur, dass der US-Amerikaner vor 20 Jahren mit Spider-Man das Comic-Superhelden-Genre filmisch wiederbelebte. Seine Anfänge selbst liegen im Horrorbereich, er genießt dank der Tanz der Teufel Filme bis heute Kultstatus. Eben diese beiden Einflüsse führt er in Doctor Strange in the Multiverse of Madness zusammen, wenn er einerseits die Konventionen solcher Geschichten bedient, aber auch dessen Grenzen austestet. Vor allem eine brillante Alternativ-Version von Strange und ein Fanservice-Gemetzel erinnern daran, wo der Filmemacher seine Anfänge hat.

Nicht wirklich der Wahnsinn

Das macht alles Spaß, ob nun Fan oder nicht. Vor allem Elizabeth Olsens Auftritt als entfesselte Scarlet Witch hinterlässt großen Eindruck und macht sie zu einer der stärksten Figuren, die das MCU bislang hervorgebracht hat. Gleichzeitig enttäuscht der Multiversum-Aspekt ein wenig. Wenn Strange und die anderen durch ein Tor nach dem anderen treten, dann ist das nicht viel anders als die bereits bekannten Teleportationen. Da wäre inhaltlich wie visuell noch deutlich mehr drin gewesen, das ist nicht so wahnsinnig, wie einen der Titel glauben machen will. Überhaupt ist das mit der Optik wieder so eine Sache. Da sind zwar schon vereinzelt stilvolle Settings dabei. Gleichzeitig hat man es sich bei Marvel inzwischen gemütlich gemacht und versucht schon gar nicht mehr, über Computerbilder hinaus etwas zu erschaffen Da kommt einfach kein Gefühl mehr auf, wirklich in einer Welt zu sein. Wen diese exzessiven Greenscreen-Aufnahmen bislang nicht gestört haben, wird auch mit Doctor Strange in the Multiverse of Madness keine Probleme haben. Der Film ist in vielen Bereich und insgesamt gut genug, auch wenn man wie beim Vorgänger letztendlich unter den Möglichkeiten bleibt.

Credits

OT: „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Michael Waldron
Musik: Danny Elfman
Kamera: John Mathieson
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Elizabeth Olsen, Xochitl Gomez, Benedict Wong, Rachel McAdams

Bilder

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Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Fazit
„Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ ist ein weiterer guter Film aus der Marvel-Reihe, auch wenn er an verschiedenen Stellen unter seinen Möglichkeiten bleibt. Während die verstärkten Horrorelemente und Elizabeth Olsen als entfesselte Scarlet Witch Höhepunkte sind, ist ausgerechnet die neu eingeführte Figur America Chavez nicht vorhanden. Inhaltlich und visuell wird es auch nie so wahnsinnig, wie es das Szenario und der Titel versprachen.
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