Man kann nicht alles haben TV Fernsehen arte Mediathek
© ORF/Epo Film/Stefan Haring

Man kann nicht alles haben

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„Man kann nicht alles haben“ // Deutschland-Start: 11. März 2022 (arte)

Inhalt / Kritik

Als Scheidungsanwältin ist es Brigitte Fiedler (Aglaia Szyszkowitz) gewohnt, dass Beziehungen nicht von Dauer sind. Eigentlich kann sie in der Hinsicht dann auch nichts mehr schocken. Dachte sie. Als sie sieht, wer der neue Partner ihrer Tochter Anna (Marie-Luise Stockinger) ist, ist der Schock dennoch groß. Schließlich handelt es sich bei ihm um Richie Moosleitner (Karl Fritz), den erfolgreichen Sänger und Musiker. Der ist nicht nur deutlich älter als Anna. Schlimmer noch, Brigitte war früher selbst einmal mit ihm zusammen. Und so steht für sie fest, dass sie unbedingt die geplante Hochzeit verhindern muss. Dabei weiß sie auch schon, wer ihr helfen soll: Richies Sohn Michael (Aaron Friesz). Denn dessen Begeisterung hält sich ebenfalls in Grenzen …

Eine Reihe Beliebigkeit

Während die vom ORF produzierte Reihe Landkrimi inzwischen auch hierzulande so langsam Fuß fasst, tut sich die daran angelehnte Reihe Stadtkomödie noch recht schwer. Ein Grund dafür ist, dass der Titel der besagten Reihe hierzulande immer weggelassen wird. Aber auch die sonderbare Veröffentlichungspolitik trägt dazu bei, dass da keine wirkliche Einheit entsteht. Kebab extra scharf! lief auf arte, Die Unschuldsvermutung im Ersten, andere sind gar nicht zu sehen. Die Reihenfolge stimmt sowieso nicht. Außerdem ist von dem städtischen Konzept sowieso nichts zu merken. Wo die Krimis noch mit Lokalkolorit und Landschaftsaufnahmen arbeiten, ist der Schauplatz bei den Komödien völlig unbedeutend. Oft weiß man nicht einmal, wo man sich gerade aufhält.

Das ist bei Man kann nicht alles haben nicht anders, dem offiziell siebten Teil der Reihe. Das Setting spielt keine Rolle, wird nie thematisiert. Schlimmer als das ist aber, dass der Film an sich so austauschbar ist. Das Motiv des Elternteils, das unbedingt die neue Beziehung des Kindes verhindern will, ist gerade im Komödienbereich nicht gerade das frischeste. Da braucht es schon ein bisschen mehr, um auf sich aufmerksam machen zu können. Während die Sabotageakte in Servus, Schwiegersohn! zumindest noch mit einem potenziell interessanten Szenario verbunden wurde, wo es um Identität und Integration geht, da läuft es hier nur auf das übliche hinaus: „Er ist nicht gut genug für dich!“.

Konstruiert und unkomisch

Zugegeben, das weiß die Protagonistin aus eigener Erfahrung, da sie selbst einmal auf den Mann hereingefallen war. Das macht die Sache aber nicht unbedingt besser. Nur umständlicher und weniger glaubwürdig, das Szenario ist schon sehr konstruiert. Es wird auch nicht wirklich etwas daraus gemacht. Eigentlich sollte man meinen, dass Man kann nicht alles haben die Geschichte dazu nutzt, um viel über die Beziehung von Mutter und Tochter zu reden. Offensichtlich hatte darauf aber niemand Lust. Man erfährt lediglich, dass das Verhältnis nicht immer ganz einfach ist. Dasselbe gilt für das zwischen Vater und Sohn. Am ehesten ist es noch der Kontrast zwischen den beiden Eltern-Kind-Beziehungen, der für etwas Inhalt sorgt. Während Brigitte dominant ist und ihrer Tochter ihren Willen aufdrücken will, ärgert sich Michael gerade über die Unverbindlichkeit des Vaters. Wie Brigitte und Richie ein Paar werden konnten bei derart inkompatiblen Persönlichkeiten, bleibt ein Rätsel.

Und dann wäre da noch das Rätsel, wieso ein Film, der sich selbst als Komödie versteht, eigentlich so schrecklich unkomisch ist? Dass an den Figuren nicht viel dran ist, die Eltern aus Klischees bestehen, die Kindern nicht einmal das vorweisen können, ließe sich vielleicht verschmerzen, wenn das mit guten Witzen verbunden wäre. Oder überhaupt etwas, das man als Witz bezeichnen kann. Man kann nicht alles haben ist, wie auch so viele deutsche TV-Produktionen, aber noch nicht einmal darum bemüht, irgendwelche Gags oder lustige Szenen einzubauen. Das Ensemble versucht zwar tapfer, gegen die humoristische Tristesse anzukommen. Den Schauspielern und Schauspielerinnen kann man nicht wirklich einen Vorwurf machen. Und furchtbar schlecht ist der Film auch gar nicht. Nur eben ziemlich langweilig und einfallslos, weswegen es vermutlich nicht so schlimm ist, wenn die Stadtkomödien wenig Beachtung finden.

Credits

OT: „Man kann nicht alles haben“
Land: Österreich
Jahr: 2021
Regie: Michael Kreihsl
Drehbuch: Peter Hengl, Marc Schlegel
Musik: Andreas Radovan
Kamera: Reinhold Vorschneider
Besetzung: Aglaia Szyszkowitz, Karl Fritz, Aaron Friesz, Marie-Luise Stockinger, Gerhard Liebmann

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Man kann nicht alles haben
Fazit
Der Schock ist groß, als die Mama feststellt, dass die Tochter den eigenen Ex heiraten will. Nun soll es dessen Sohn richten. Das Problem bei „Man kann nicht alles haben“ ist weniger, dass die Geschichte so konstruiert ist. Schlimmer sind die langweiligen Figuren und ein einfallsloser Humor, der noch nicht einmal versucht, tatsächliche Witze einzubauen.
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