Servus Schwiegersohn TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
© ARD Degeto/Hendrik Heiden

Servus, Schwiegersohn!

Servus Schwiegersohn TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
„Servus, Schwiegersohn!“ // Deutschland-Start: 11. Oktober 2019 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Jahrelang hat der aus der Türkei stammende Toni Freitag (Adnan Maral) darum gekämpft, dass er in seiner neuen Wahlheimat Bayern als einer der ihren akzeptiert wird. Er hilft jedem, ist im Schützenverein aktiv, die Gemeinde schätzt ihn. Er hat sogar seinen türkischen Namen abgelegt, damit er sich besser integrieren kann. Und was passiert? Schleppt ihm seine Tochter Franzi (Lena Meckel) doch ausgerechnet einen Türken an. Mehr noch, Osman Göker (Aram Arami), den sie während ihres Urlaubs kennengelernt hat, will sie heiraten. Und das, obwohl sie sich erst seit drei Wochen kennen! Während seine Frau Anne (Jule Ronstedt) sich für das junge Paar freut und dieses nach Kräften unterstützt, steht für Toni fest, dass er die Ehe um jeden Preis verhindern muss. Das dürfen dann auch unlautere Mittel sein …

Unerwünschter Familienzuwachs

In Komödien ist es ein immer wieder gern genutztes Szenario: Die Hauptfigur bringt einen neuen Partner oder eine neue Partnerin mit nach Hause und bringt damit die Eltern gegen sich auf. Vor allem Väter reagieren sehr argwöhnisch, wenn da ein fremder Mann neben dem Töchterchen auftaucht. Ob Meine Braut, ihr Vater und ich oder Why Him?, sie basieren alle auf demselben Prinzip. Ein Prinzip, das so universell ist, dass auch hierzulande Filme mit einem solchen Szenario gedreht werden. Servus, Schwiegersohn! aus dem Jahr 2019 ist ein solcher Fall, wenn der Papa so überhaupt nicht amüsiert darüber ist, wer da um die Hand von Franzi anhält. Seine Pläne sahen zumindest ganz anders aus. Und eben die drohen nun ins Wasser zu fallen.

Interessant ist dabei der Grund für die Ablehnung. Während in Man kann nicht alles haben der Altersunterschied zwischen der Tochter und dem künftigen Schwiegersohn als störend empfunden wird, da ist in Servus, Schwiegersohn! die Nationalität der Knackpunkt. Oder zumindest die vermeintliche Nationalität: Eigentlich ist Osman Deutscher, in Berlin geboren und aufgewachsen. Für Toni ist er trotzdem zu türkisch. Schließlich hat er Jahre darum gekämpft, jede Spur seiner eigenen türkischen Herkunft zu verleugnen und zu entfernen. Seine Heimat hat er seit vielen Jahren nicht gesehen, seinen Geburtsnamen Tolga Büyüktürk kennt praktisch niemand. Er empfindet sich selbst als Bayer und will von allen als solcher angenommen werden. Wenn er seinen designierten Schwiegersohn ablehnt, dann hat das weniger mit ihm als Mensch zu tun. Vielmehr fühlt er sich an sich selbst erinnert.

Gutes Szenario, schwacher Humor

Der Stoff hätte sich eigentlich für ein Drama rund um die Themen Integration und Identität angeboten. Die Sehnsucht nach Anerkennung und Zugehörigkeit führt bei Toni zu einer gewissen Selbstauslöschung. Wie bei Chihiros Reise ins Zauberland wird der Verlust des eigenen Namens zu einem Symbol für den Verlust des eigenen Ichs, was den Protagonisten zu einer eigentlich tragischen Gestalt macht. Stattdessen ist Servus, Schwiegersohn! aber als Komödie konzipiert. Komödie heißt in dem Fall aber Freitagabend-Komödie in der ARD. Das bedeutet: Tatsächlich komisch ist hier kaum etwas. Über weite Zeit muss man sich selbst daran erinnern, dass das alles witzig gemeint war. Der Film selbst gibt dafür schließlich nur wenig Hinweise darauf. Wenn so altbackene Situationen wie die, dass sich jemand unterm Bett versteckt, schon der Höhepunkt der humoristischen Kreativität sind, kann man sich das Ganze auch sparen.

Das ist insgesamt noch besser als die zwei Jahre später ausgestrahlte Fortsetzung Servus, Schwiegermutter!. Denn bei der wurden die schwachen Witze und langweiligen Figuren innerhalb einer nichtssagenden Geschichte untergebracht. Da sind die Überlegungen zur kulturellen Identität, so oberflächlich die hier auch sein mögen, dann doch noch eine bedeutende Aufwertung. Tatsächlich gut ist Servus, Schwiegersohn! aber nicht. Vielmehr wird das vielversprechende Szenario an einen 08/15-Film vergeudet, der innerhalb der beliebig-belanglosen Freitagabend-Unterhaltung nicht weiter auffällt. Weh tut das niemandem. Richtig Spaß macht es aber auch nicht.

Credits

OT: „Servus, Schwiegersohn!“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Mike Marzuk
Drehbuch: Mike Viebrock, Enno Reese
Musik: Markus Lehmann-Horn
Kamera: Diethard Prengel
Besetzung: Adnan Maral, Jule Ronstedt, Lena Mecke, Aram Arami, Orhan Güner, Siir Eloglu

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Servus, Schwiegersohn!
Fazit
In „Servus, Schwiegersohn!“ will ein Türke, der Bayer sein will, verhindern, dass seine Tochter einen türkischstämmigen Deutschen heiratet. Das Szenario ist ganz interessant, wenn es um die Themen Integration und Identität geht. Statt Tiefgang gibt es aber altbackenen Humor, bei dem man sich selbst daran erinnern muss, dass er witzig sein soll.
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