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Der Duft von wildem Thymian

„Der Duft von wildem Thymian“ // Deutschland-Start: 28. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

Es könnte so einfach sein! Eigentlich weiß die Farmerin Rosemary (Emily Blunt) genau, was sie will: Ihr etwas kauziger Nachbar Anthony (Jamie Dornan) hat es ihr angetan. Doch der ist nicht so wirklich aktiv, wenn es um dieses Thema geht – oder jedes andere Thema. Außerdem hat er gerade ohnehin keinen wirklichen Sinn dafür, auch weil er in Gedanken ganz woanders ist. So spricht sein schwerkranker Vater Tony (Christopher Walken) neuerdings davon, die Familienfarm nicht ihm zu vermachen, sondern dem US-amerikanischen Neffen Adam (Jon Hamm). Dabei lebt der gar nicht hier und hat auch sonst keinen Bezug zu allem. Und irgendwie ist das alles doof …

Eine Heldin auf Abwegen

In diesem zugegeben etwas schwierigen Kinojahr war Emily Blunt eine der großen Gewinnerinnen an den Kinokassen. Sowohl ihr Horrortrip A Quiet Place 2 wie auch das humorvolle Abenteuer Jungle Cruise gehörten zu den erfolgreichsten Filmen der letzten Monate. Doch nicht jedes Projekt der Britin wurde zu einem Volltreffer. Denn da ist auch noch Der Duft von wildem Thymian. In den USA nahm man von der romantischen Tragikomödie kaum Notiz. Bei uns blieb eine Kinoauswertung gleich ganz verwehrt, was angesichts des sehr prominenten Ensembles etwas überraschend war. Und alles andere als ein gutes Vorzeichen: Wenn Filme mit Stars direkt auf DVD erscheinen, dann lässt das meistens keine guten Rückschlüsse zu.

Tatsächlich waren die Kritiken für den Film zum Teil verheerend. Mal waren es die absurden Versuche, einen irischen Akzent nachzuahmen, der für Spott sorgte. Mal waren es die Figuren. Und tatsächlich hat Der Duft von wildem Thymian in der Hinsicht doch einige Mängel. Dabei sind die Charaktere keine reinen Stereotype. Vielmehr liegt hier eine etwas eigenartige Mischung aus Klischees und Schrullen vor, aus der man nie so richtig schlau wird. Das ist dann zum Teil ganz ordentlich gespielt. Blunt mimt eine kompetente Macherin, die aus unerfindlichen Gründen aber darauf wartet, dass Anthony doch mal einen ersten Schritt macht. Der sonst gerne als Macho auftretende Jamie Dornan (Fifty Shades of Grey) überrascht als komische Gestalt, die mit allem überfordert scheint.

Zwischen kurios und langweilig

Aber das ist eben nicht genug. Regisseur und Drehbuchautor John Patrick Shanley (Mondsüchtig, Überleben!), der hier zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder einen Film drehte und dafür sein eigenes Bühnenstück adaptierte, verpasst es, sowohl aus dem Farmstreit wie auch der verhinderten Liebe etwas Interessantes zu machen. Versucht hat er es, indem er auf das Pittoreske und Märchenhafte setzte und das ein wenig mit Skurrilität kreuzte. Doch das Ergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Weder animiert Der Duft von wildem Thymian dazu, mit dem Nicht-Paar mitzufühlen. Der Film gibt aber auch nicht genügend Anlässe, um einfach nur unterhalten zu werden. Dafür hätte der Komödienteil dann doch ein bisschen mehr Saft und Kraft gebraucht, anstatt nur so ein bisschen vor sich her zu schmachten.

Wem das reicht, der bekommt hier schon einiges zum Anschauen. Zwei Menschen, die so attraktiv sind, dass Liebesgeschichten sich von selbst schreiben. Landschaften, so grün, wie es die Vorstellung von Irland nur hergibt. Ein paar Tiere gibt es gratis obendrein, darunter ein prächtiges Pferd, auf dem Rosemary unterwegs ist. Drüber nachdenken sollte man jedoch lieber nicht. Der Duft von wildem Thymian ergibt an vielen Stellen nicht wirklich Sinn, ist mal seltsam nichtssagend, dann wieder recht absurd. Vor allem aber ist es eine Verschwendung von reichlich Talent, das hier auf verlorenem Posten kämpft. Immerhin: Es gibt zum Abschied eine schöne Neukomposition von Sinéad O’Connor. Aber auch ihr hätte man einen besseren Kontext gewünscht, um sich mal wieder musikalisch zu Wort zu melden als in diesem konfusen Etwas.

Credits

OT: „Wild Mountain Thyme“
Land: Irland, UK
Jahr: 2020
Regie: John Patrick Shanley
Drehbuch: John Patrick Shanley
Musik: Amelia Warner
Vorlage: John Patrick Shanley
Kamera: Stephen Goldblatt
Besetzung: Emily Blunt, Jamie Dornan, Jon Hamm, Dearbhla Molloy, Christopher Walken

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Der Duft von wildem Thymian
In „Der Duft von wildem Thymian“ wartet eine Frau darauf, dass ihre Langzeitliebe mal endlich in die Gänge kommt, während der um seine Farm fürchtet. Der Film bietet viele Stars und tolle Bilder, ist inhaltlich aber so dünn, dass die Stärken kaum ausreichen. Dabei werden Klischees mit Schrullen gekreuzt zu etwas, bei dem man bis zum Schluss nicht weiß, was das eigentlich sein soll.
5von 10
Leserwertung: (5 Votes)
4.5

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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