Inhalt / Kritik

A Quiet Place 2

„A Quiet Place 2“ // Deutschland-Start: 24. Juni 2021 (Kino)

Gerade noch so konnte Evelyn (Emily Blunt) mit ihren Kindern Regan (Millicent Simmonds) und Marcus (Noah Jupe) vor den Monstern entkommen, die ihren Mann getötet haben. Doch was nun? Weiter in dem Haus bleiben können sie nicht. Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Sachen zu packen und weiterzuziehen, in der Hoffnung ein neues Zuhause zu finden. Einfach wird das nicht. Zum einen sind da immer noch die Monster da draußen, die beim geringsten Geräusch über einen herfallen können. Außerdem wissen sie nicht so recht, wo sie denn hin sollen. Es dauert dann auch nicht lang bis zum ersten Zwischenfall, bei dem sie auch Emmett (Cillian Murphy) über den Weg laufen. Der hatte sich in einem Bunker verbarrikadiert und ist wenig begeistert, diesen jetzt mit anderen teilen zu müssen …

Fortsetzung mit Startschwierigkeiten

Wenn ein Film, der gerade mal 20 Millionen Dollar kostete, am Ende das 17-Fache wieder einspielt, dann ist die Frage nach einer Fortsetzung eigentlich nur pro forma. Und doch war das mit dem Nachfolger des Überraschungshits A Quiet Place nicht ganz einfach. Scott Beck und Bryan Woods, von denen die Idee für den Film stammte und die mit John Krasinski auch das Drehbuch schrieben, erteilten der Franchise-Idee gleich eine Abfuhr. Und auch Krasinski, der zudem die Regie übernommen hatte, wollte eigentlich nicht und regte an, es möge doch jemand anderes seinen Platz einnehmen. Später ließ er sich doch überzeugen. Dafür gab es ein anderes Problem: Kurz bevor A Quiet Place 2 in den Kinos starten sollte, eskalierte die Corona-Pandemie. Der Film wurde wie viele andere Hochkaräter verschoben, kurze Zeit später waren alle Kinos dicht.

15 Monate und diverse weitere Verschiebungen später ist A Quiet Place 2 endlich da. Kommerziell lief es bislang auch ganz ordentlich, zumindest gemessen an den nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen. Aber hat sich das Warten auch gelohnt? Antwort: Ja, hat es, wenn auch mit Einschränkungen. Die große Herausforderung bei der Fortsetzung war, das interessante Konzept des Vorgängers beizubehalten, ohne sich dabei zu wiederholen. Menschen, die in einer absoluten Stille leben müssen, weil sie sonst von blinden, aber sehr geräuschempfindlichen Monstern getötet werden, das war beim ersten Mal reizvoll. Ein zweites Mal dieselbe Geschichte zu erzählen, bei denen zwangsläufig viele Szenen wieder nach einem ähnlichen Schema ablaufen, das musste hingegen nicht unbedingt sein.

Die Suche nach neuen Wegen

Das wusste aber auch Krasinski. Der eigentlich als Schauspieler bekannte Künstler, der dieses Mal allein das Drehbuch zu verantworten hat, suchte deshalb auch nach Möglichkeiten, die Geschichte irgendwie zu erweitern. Die Idee, mittels eines längeren Flashbacks die Familie im Normalzustand zu zeigen, bevor das Unglück losging, ist dabei weniger interessant. Zwar ist der Überfall der Aliens nervenaufreibend in Szene gesetzt. Inhaltlich bringt das jedoch recht wenig. Auch an anderen Stellen ist A Quiet Place 2 schon recht konstruiert. Vor allem eine längere Szene um einen in Schwierigkeiten geratenen Marcus wurde schon etwas umständlich erzwungen. So richtig plausibel ist das alles nicht.

Interessant ist dafür, wie sich die Stimmung verschoben hat. War A Quiet Place durch das Setting immer leicht klaustrophobisch, wenn sich die Familie im Haus versteckte, sind die Schauplätze dieses Mal weitläufiger. Das macht die Situation noch einmal gefährlicher, da es jetzt kaum noch Möglichkeiten gibt zu entkommen. Die Figuren sitzen mehr oder weniger auf dem Präsentierteller. Lobenswert ist auch, wie Regan aufgewertet wurde und sie nun – mangels Vater – schon mal die Führung übernimmt. Denn auch wenn es naheliegend gewesen wäre, Emmett zum Ersatzvater zu küren: Krasinski wählt den spannenderen Pfad, den Neuzugang ambivalent wirken zu lassen. Bis zum Schluss kann man sich nie sicher sein, ob er wirklich ein Freund oder nicht doch ein Feind ist.

Starke Schauspielleistungen

Das funktioniert auch deshalb so gut, weil Cillian Murphy (Anna) seine Figur recht undurchsichtig und verschlossen anlegt. Man sieht ihm sofort an, dass er Geheimnisse mit sich herumträgt. Man weiß nur nicht welche. Überhaupt ist A Quiet Place 2 wieder überzeugend gespielt. Im Gegensatz zu vielen anderen Horrortiteln, wo die Menschen letztendlich nur ein Mittel zum Zweck sind, hat man hier tatsächlich das Gefühl, es mit realen Personen zu tun zu haben. Solche vollbringen nicht immer Heldentaten. Vielmehr scheut der Film nicht davor zurück, die hässlichen Seiten der menschlichen Natur aufzuzeigen. Insgesamt reicht das, um nahezu das Niveau des Vorgängers zu erreichen, auch wenn der spannende Grundgedanke nicht mehr dieselbe Wirkung erzielt. Dafür ist die Fortsetzung größer angelegt und etwas abwechslungsreicher. Gebraucht hätte es den zweiten Teil deswegen nicht unbedingt, sehenswert ist er aber allemal.

Credits

OT: „A Quiet Place Part II“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: John Krasinski
Drehbuch: John Krasinski
Musik: Marco Beltrami
Kamera: Polly Morgan
Besetzung: Emily Blunt, Cillian Murphy, Millicent Simmonds, Noah Jupe, Djimon Hounsou

Bilder

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A Quiet Place 2
„A Quiet Place 2“ knüpft nahtlos an den Überraschungshit an, versucht dabei aber auch neue Wege zu gehen. Die funktionieren nicht alle gleich gut. Sehenswert ist die Horrorfortsetzung aber nach wie vor, nicht zuletzt wegen der noch immer starken schauspielerischen Leistungen und einer etwas höheren Abwechslung.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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