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Man kann nicht unbedingt behaupten, dass die Welt in den letzten Monaten arm an Spannung gewesen wäre. Die #MeToo-Bewegung hat der überfälligen Frage zu den Geschlechterverhältnissen einen neuen Impuls gegeben. Das Thema Datenklau und gezielte Manipulation der Massen hat schockierende Enthüllungen mit sich gebracht. Nicht minder bitter sind die politischen Entwicklungen, die im Westen wie im Osten immer mehr (Möchtegern-)Despoten an die Macht bringen. Und dann wäre da noch die Flüchtlingskrise, die zwar nicht mehr ganz so prominent in den Medien vertreten ist, aber doch noch immer die Menschen beschäftigt. Und sei es nur für die Frage: Was ist eigentlich mit unserer eigenen Identität?

Für Dokumentarfilmer gibt es also eine Menge zu tun, eine Vielzahl von Themenfeldern, bei denen es sich lohnt, etwas genauer hinzuschauen und die Menschen da draußen zu informieren. Entsprechend groß ist dieses Jahr mal wieder die Bandbreite beim Internationalen Dokumentarfilmfestivaln München (kurz DOK.fest München), das nun schon zum 33. Mal einen Einblick in das aktuelle Geschehen gibt. 154 Dokumentarfilme aus 50 Ländern sind es dieses Mal, von kurios bis bitter, von spannend bis bewegend.

Mit einer solchen bewegenden Seherfahrung geht es am 2. Mai 2018 auch gleich los: Eröffnungsfilm Over the Limit erzählt von den oft leidvollen Erfahrungen der 20-jährigen Sportgymnastin Margarita Mamun aus Russland, während sie sich für die olympischen Spiele vorbereitet. Sportthemen sind allgemein wieder gut vertreten, allen voran natürlich der Fußball – schließlich ist die WM 2018 nicht mehr weit entfernt. Reggae Boyz nimmt uns mit nach Jamaika, wo die Nationalmannschaft um die erste Qualifikation seit 2018 kämpft. In The Next Guardian begegnen wir einem Mädchen im Königreich Bhutan, das sich mehr als Junge fühlt und Fußballer werden möchte. Und dann wäre da noch Die Nummer eins – Deutschlands große Torhüter, das seine Weltpremiere beim Filmfest feiert und an vergangene glorreiche Tage erinnert.

Letzterer ist übrigens Teil einer besonderen Reihe: „Ganz großes Kino“ lautet diese und präsentiert insgesamt neun Filme an fünf Tagen im Deutschen Theater München. Zu allen Vorführungen sind die Regisseure bzw. Regiseurinnen und ihr Team zu Gast, um den Film persönlich vorzustellen. Die Themenvielfalt reicht dabei von dem gesellschaftskritischen System Error über die digitalen Abgründe in The Cleaners bis hin zu Silvana, einem Porträt der schwedischen Rapperin Silvana Imam. Auch sonst hat das DOK.fest München Musikfans einiges zu bieten: Gemeinsam mit PLANET präsentiert das Filmfest eine Auswahl der besten Musikdokumentarfilme im Innenhof der HFF München. Der Eintritt ist frei.

Ohnehin ist das Rahmenprogramm wieder vollgestopft mit Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs, mal nachdenklich, dann wieder unterhaltsam. Eine Fotoausstellung wirft einen Blick auf die Natur inmitten der Stadt, eine Konferenz diskutiert die Zukunft des Kinodokumentarfilms, die interaktive Plattform GLOBATE nimmt die Globalisierung und ihre Folgen in den Fokus. Die obligatorische Sektion DOK.education wiederum ist für die jüngeren Zuschauer gedacht und lädt mit Filmen, Workshops und Wettbewerben dazu ein, die große bunte Welt da draußen kennenzulernen.  Das vollständige Programm und weitere Infos findet ihr auf www.dokfest-muenchen.de.

Unsere Rezensionen vom DOK.fest München 2018

DOK.fest München 2018 (2. – 13. Mai 2018)
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