Wo bist Du, Joao Gilberto

„Wo bist du, João Gilberto?“ // Deutschland-Start: 22. November 2018 (Kino)

Bossa Nova, das ist der Klang Brasiliens. Girl from Ipanema oder Chega de Saudade sind zwei der bekanntesten Beispiele dieser einzigartigen Musikrichtung und zählen nach wie vor zu den größten Hits Lateinamerikas, die noch heute über ein halbes Jahrhundert nach ihrer Veröffentlichung nicht nur in ihrer tropischen Heimat, sondern rund um die Erdkugel gespielt werden. Als Erfinder der Bossa Nova gilt ein Mann, dessen Gitarre und Gesang so beliebt und bekannt sind, dass man ihn zweifelsohne zum Grundwissen der globalen Musikgeschichte zählen kann: João Gilberto. Gesehen oder gesprochen hat den Schöpfer der Bewegung, die zu deutsch ganz einfach „Neue Welle“ bedeutet, allerdings seit Jahren niemand mehr.

Zwei Männer, eine Sehnsucht
Der französische Filmemacher Georges Gachot hat es sich zur Aufgabe gemacht, den verschollenen Musiker ausfindig zu machen. Darin ist er nicht alleine. Sein steter Begleiter ist der deutsche Autor und Musikjournalist Marc Fischer. Er schrieb das Buch Hobalala: Auf der Suche nach João Gilberto, in welchem er seine unersättliche Sehnsucht nach dem Künstler dokumentiert hat. Doch die Suche blieb erfolglos. Fischer konnte seinem Idol nie begegnen. Kurz vor der Veröffentlichung seines Buches nahm er sich das Leben. Fünf Jahre später nimmt sich Gachot eben dieses Buch, das nach einem von Gilbertos Liebesliedern benannt ist, zur Hand und macht sich auf nach Rio de Janeiro.

Der Film zeigt Gachots Reise, auf welcher er in die Fußstapfen Marc Fischers tritt, um den Weg zu beenden und der Legende endlich auf die Spur zukommen. Mithilfe von Fischers Tagebucheinträgen, Fotos und Videos macht Gachot einige von Gilbertos Bekanntschaften und temporären Wegbegleitern ausfindig. So kommt er nicht nur seinem Vorgänger, sondern vor allem dem großen Musiker João Gilberto so nahe, wie niemand sonst in den letzten 30 Jahren.

Begleitet, vielleicht sogar geführt wird die Suche von den zeitlosen Klängen der Stücke, die Gilberto zur Ikone machten. Chega de Saudade, Corcovado und immer wieder Ho Ba La La. Die Musik ist so ruhig, der Gesang so leise, manchmal fast ein Flüstern. Einmal wird sie als „geschmeidig wie Eiscreme“ beschrieben. Das trifft es ziemlich gut. Und dann versteht man als Zuschauer plötzlich die Sehnsucht Gachots und Fischers. Im Laufe des Films scheinen die beiden Männer, der Franzose und der Deutsche, immer mehr ineinander zu verschwimmen. Sie beide sind getrieben vom selben Wunsch, den Mann zu finden, der sie in seiner Musik angesteckt hat mit dem Virus der Sehnsucht.

„Chega de saudade …“
… bedeutet auf Deutsch: “Genug der Sehnsucht.” Warum João Gilberto verschwunden ist, weiß niemand. Viele der Befragten im Film versuchen sich an Erklärungen. Doch schlussendlich bleibt Frage unbeantwortet und untermalt so das Mysterium des Musikers in seiner herrlichen Poesie. An einer Stelle kommen Gachot ernsthafte Zweifel und er fragt sich: „Warum einen Mann finden, der ganz offensichtlich nicht gefunden werden will?“. Obwohl er seine (mehr oder weniger schwammigen) Gründe im nächsten Atemzug nennt, könnte man hier den Sinn und Zweck der Mission hinterfragen. Was erhoffen sich Gachot und Fischer von der Begegnung mit Gilberto? Antworten? Inneren Frieden? Erleuchtung? Doch bald wird klar: die tatsächliche Begegnung muss nicht stattfinden, um den Durst zu stillen. Wie so oft, ist der Weg das Ziel. Und genau darin liegt die Schönheit dieses Dokumentarfilms.

Wo bist du, João Gilberto?
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Wo bist du, João Gilberto?
"Wo bist du João Gilberto?" zeigt eine verträumte Reise, eine sehnsüchtige Suche nach João Gilberto, einer Legende der lateinamerikanischen Musikgeschichte. Beflügelt und getragen wird der melancholische Film von den unvergänglichen Klängen, die nicht nur den Filmemacher Georges Gachot, sondern die ganze Welt mit dem Virus der Sehnsucht ansteckten.
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