Silvana

„Silvana“ // Deutschland-Release // Kino: 23. August 2018

Die feministische, antirassistische Rapperin Silvana Imam hat mit ihren kompromisslosen Texten, in welchen sie gegen jede Form von Unterdrückung wettert, ihr Heimatland Schweden im Sturm erobert. Scharfzüngig und furchtlos greift sie aktuelle politische und gesellschaftliche Zustände auf und wurde so über Nacht zur Stimme einer neuen Generation. Der Film begleitet Silvana über drei Jahre, von den Anfängen als Untergrundkünstlerin bis hin zu gefeierten und preisgekrönten Ikone. Doch nach nur einem Jahr im Rampenlicht wird der Druck des Ruhms und der Rolle als feministisches Leitbild zu hoch und Silvana zieht sich zurück, um Kräfte für ein intimeres und persönlicheres Comeback zu sammeln.

Feministische Revoluzzerin
Als ihre Single Imam im Jahr 2014 auf Platz 1 der schwedischen Charts katapultiert wurde, sicherte sich die Rapperin Silvana mit aggressiv-provokanten Texten ihre Position als regimekritische Künstlerin und wurde gleichzeitig zum Vorbild einer neuen Generation lesbischer Mädchen und Frauen.

Obwohl der Hype noch nicht in den Rest der Welt übergeschwappt ist, spricht ihr Erfolg in Skandinavien für sich. Silvana bohrt dort, wo es am meisten weh tut. Sie nimmt Stellung zu großen politischen, wie kulturellen Problemen und brüstet sich damit, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um die brutale Wahrheit geht. Sie kämpft gegen Homophobie, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wobei sexuelle und kulturelle Identität die Grundpfeiler ihrer Musik bilden.

Die Motivation dafür findet sich in ihrer persönlichen Geschichte. Als Tochter einer litauischen Mutter und eines syrischen Vaters zog sie Mitte der 90er als kleines Mädchen, das sein blondes Haar kurz trug und lieber ein Junge sein wollte, nach Schweden. Nie fühlte sie sich als Teil einer Kultur, einer Gesinnung.

Die Filmemacher Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis, die zuvor diverse Musikvideos produzierten, schneiden in ihrem Langfilmdebüt intime Familienvideos gegen wilde Parties und explosive Bühnenauftritte. Silvanas politischem Radikalismus, ihrem kämpferischen und unnahbaren Auftreten wird so eine weiche, verletzliche Seite gegenübergestellt. Diese empfindliche Menschlichkeit der sonst so ungehemmt aufsässigen, zur Ikone idealisierten Silvana tritt vor allem in ihrer Beziehung zum schwedischen Popstar Beatrice Eli zum Vorschein. Nach zaghaften Annäherungsversuchen entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine innige Liebesgeschichte. In gemeinsamen Auftritten und großen Werbekampagnen teilen sie ihre Harmonie mit der Öffentlichkeit und ermutigen Gleichgesinnte, Teil einer Bewegung der Akzeptanz und Gleichberechtigung zu werden.

Belebende Montagen werden künstlerisch untermalt von Silvanas renitenten Liedtexten, mal live dargeboten, mal aus dem Off nüchtern und eindringlich von ihr selbst rezitiert. Die exzentrische Musik treibt den Film voran, während die Regisseure Silvanas persönlichen Stil, der mit Konventionen bricht, in der Komposition des Films geschickt imitieren.

Textlücken
Doch im Gegensatz zu Silvanas konkreten Songs, bleibt der Film an vielen Stellen zu vage. Das liegt vor allem daran, dass es weder eine klare Struktur, noch Orientierungshilfe in Form eines Kommentars gibt, der von Vorteil gewesen wäre, um der Geschichte besser folgen zu können. Denn teilweise wirken die Szenen wahllos aneinander gereiht. Das mag an mancher Stelle poetisch interpretierbar sein, doch schlussendlich fehlt es dem Film abgesehen von eingeblendeten Jahreszahlen grundsätzlich an konsequentem Aufbau. Gleichzeitig werden wichtige Ereignisse, wie der entscheidende Moment, in dem Silvana entscheidet, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, sowie dessen Begründung oder die Zeit der Ruhepause entweder nur unscharf angedeutet oder komplett ausgelassen.

Das ist insofern schade, da der Film durch mehr Nähe deutlich tiefsinniger und glaubwürdiger hätte werden können. Vieles bleibt schlussendlich dem Zuschauer, der persönlichen Einstellung und Interpretation überlassen, was für eine biographische Doku nicht unbedingt förderlich ist. Das mag aber auch daran liegen, dass sich Silvana offensichtlich auf der Reise befindet und noch lange nicht bei sich selbst angekommen ist. Das wird vor allem gegen Ende des Films immer deutlicher. Mit ein paar Lebensjahren mehr hätte Silvana vielleicht zu einer in sich runderen Geschichte, statt einer rauschenden Momentaufnahme werden können.

Silvana
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Silvana
"Silvana" ist ein lautes, intensives und mitreißendes Porträt einer Musikerin, die in ihrem politischen Standpunkt, wie in ihren radikalen Texten keine Grenzen kennt. Ganz nach Ghandis Motto “My life is my message” kämpft Silvana politisch, wie künstlerisch gegen jede Form der Unterdrückung. Trotz einiger filmischer Mängel im Aufbau und im dokumentarischen Auftrag der Wahrheitsfindung befindet sich "Silvana" direkt am Puls der Zeit und weiß sowohl zu unterhalten, als auch zum Nachdenken anzuregen.
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