The Orbit of Minor Satellites

„The Orbit of Minor Satellites“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Jahre ist es her, dass Rosemary Hamm ihre Schwester verloren hat. All die Zeit über hat sie der Tod begleitet. Inzwischen hat sie aber gelernt, damit zu leben, ein wenig zumindest. Das hat sie auch Derwood Richards zu verdanken. Der Psychotherapeut hat sie während dieser Phase begleitet, hat ihr zugesprochen, hat ihr vor allem aber zugehört, als sie in die Tiefen ihrer Seele eintauchte. Nun soll das aber ein Ende haben, die Therapie findet ihren Abschluss. Das bedeutet nicht nur Rosemary einen Einschnitt, sondern auch für Derwood, der die Geschichten und Gedanken seiner Patientin in sich aufgesogen hat …

Grenzüberschreitende Seherfahrung

Animationsfilme werden gerade auch hierzulande gern mit anspruchsloser Kinderbespaßung gleichgesetzt: bunt, hektisch, oberflächlich. Natürlich gibt es aber auch genügend Beispiele dafür, dass sich animierte Werke an ein erwachsenes Publikum wenden und das Medium nutzen, um kräftig zu experimentieren. Wer sich für solche Titel interessiert, wird jedes Jahr in Annecy fündig, dem weltweit bedeutendsten Animationsfestival. Gerade auch die Sektion Contrechamps, eine Art Gegenwettbewerb, beinhaltet oft seht eigenwillige Filme. In den letzten Jahren waren dort unter anderem die verrückte Kollage The Great History of Western Philosophy, die minimalistisch-surreale Odyssee Reise der Schatten und das reizüberflutende Familienporträt Endless Cookie zu sehen. Und auch The Orbit of Minor Satellites feierte in dieser Sektion 2026 Premiere.

Der Film stellte sich dabei als Herausforderung heraus, selbst für ein Publikum, welches dieses Medium liebt und offen ist für andere Seherfahrungen. So manche Zuschauer und Zuschauerinnen verließen vorzeitig den Kinosaal. Das ist sehr schade, aber auch verständlich. Denn einfach macht es einem Regisseur und Drehbuchautor Chris Sullivan nicht gerade. So verzichtet der US-Amerikaner in The Orbit of Minor Satellites auf eine herkömmliche Geschichte. Das Szenario um den Therapeuten und seine Patientin sind zwar schnell erzählt. Doch wer versucht, den daraus entstandenen Film in Worte zu packen, wird schnell an seine Grenzen stoßen. Denn Sullivan hat sichtlich Freude dabei, diese aufzulösen und die Menschen vor der Leinwand mit dem Ergebnis völlig allein zu lassen.

Die Suche nach Antworten

Das betrifft einerseits die Optik. So wechselt der Film prinzipiell zwischen Realaufnahmen und gezeichneten Passagen hin und her. Das legt den Verdacht nahe, dass Erstere die wirklichen Abläufe zeigen, Letztere wiederum ins Reich der Träume und Ideen wandern. Ganz so einfach ist es aber nicht, das alles voneinander zu trennen. Zumal dann auch noch der akustische Teil hinzukommt. Beispielsweise hat Sullivan alte Radioaufnahmen von Boris Karloff gesammelt und in dem Film so integriert, als würde sie ein Büffel aussprechen. Klingt sonderbar? Ist es auch. The Orbit of Minor Satellites ist ein Sammelsurium aus Ideen, Bedeutungsfetzen und Stilen, die ineinander übergehen, mal Kontraste bilden, dann wieder miteinander verschmelzen.

Das Ergebnis ist einer dieser Filme, die eher eine Erfahrung sind, weniger ein narratives Werk. Wer für eine solche offen ist, Freude empfindet bei solchen Sinneseindrücken, die eher ein intuitives Verstehen voraussetzen, weniger ein rationales, sollten sich das hier nicht entgehen lassen. Das bedeutet aber nicht, dass man über The Orbit of Minor Satellites nicht nachdenken kann. Sullivan hat einiges zusammengetragen, was entweder al Denkanstoß dienen kann oder auch als Bilderrätsel, das es zu interpretieren gilt. Man darf nur nicht den Anspruch haben, dass am Ende verdauliche Antworten und Erklärungen warten. Man kann sich hier ja nicht einmal sicher sein, dass Antworten überhaupt möglich sind. Faszinierend ist die Reise auf dem Weg zu der (Nicht-)Erkenntnis aber auf jeden Fall.

Credits

OT: „The Orbit of Minor Satellites“
Land: USA, Japan
Jahr: 2026
Regie: Chris Sullivan
Drehbuch: Chris Sullivan
Musik: Joshua Dumas
Kamera: Leah Corbin

Trailer

Filmfeste

Annecy 2026
DOK Leipzig 2026

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The Orbit of Minor Satellites
fazit
„The Orbit of Minor Satellites“ begleitet einen Therapeuten und dessen Patientin bei ihren Gesprächen. Das klingt eindeutiger, als es ist, wenn Realaufnahmen und Animationen ebenso miteinander verschmelzen wie die erlebte und die vorgestellte Wirklichkeit. Der Film ist als Seherfahrung faszinierend, aber sicher nicht für alle geeignet.
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