Wildwood
© LAIKA
Wildwood
„Wildwood“ // Deutschland-Start: 5. November 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Auch wenn das alles sicher gut gemeint ist: Prue McKeel nervt es unglaublich, wie übervorsichtig ihre Eltern sind. Immer wieder muss sich die Jugendliche anhören, dass sie bloß nicht in die Wälder gehen darf, weil dort eine große Gefahr lauern soll. Mehr noch: Als sie auf ihren jüngeren Bruder Mac aufpassen soll, muss sie ihren Eltern versprechen, nicht einmal das Haus zu verlassen. Doch kaum sind diese weg, schnappt sie sich ihr Geschwisterchen und radelt mit diesem davon. Unterwegs schließt sich noch ihr nerdiger Mitschüler Curtis Mehlberg an, worauf sie gern verzichtet hätte. Dabei steht das größte Übel noch bevor, als plötzlich lauter Krähen auftauchen und Mac mitnehmen. Panisch radelt Prue den Vögeln hinterher und sieht, wie diese im Wald verschwinden. Es bleibt ihr also nichts anderes übrig, als diesen zu folgen – und landet plötzlich in einer magischen Welt voll sprechender Tiere …

Wie ein klassisches Märchen

Gut Ding will Weile haben. So auch bei Laika. War das neben Aardman Animation (Shaun das Schaf: Spuk im Kürbisfeld) bekannteste Stop-Motion-Studio in den ersten Jahren durchaus produktiv, musste man zuletzt richtig lang warten. Seit dem 2019 veröffentlichten Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer, wo es um die Suche nach dem Bindeglied zwischen Mensch und Affe ging, war es um die US-Amerikaner still geworden. Zwar hatte das Studio bereits 2021 angekündigt, dass die Adaption des Fantasyromans Wildwood von Colin Meloy und Carson Ellis der nächste Film sein würde. Anschließend dauerte es aber noch fünf weitere Jahre, bis das fertige Ergebnis endlich vorliegt. Glücklicherweise hat sich die Wartezeit aber gelohnt. So ist das Animationsabenteuer ein weiterer Höhepunkt in der Filmografie von Laika – und eines der schönsten Werke, die dieses Kinojahr hervorgebracht hat.

Dabei ist das Szenario an und für sich gar nicht so originell. Animationsfilme, in denen die Hauptfigur in einer magischen Welt landen, gibt es nicht gerade wenige – Alice im Wunderland und Chihiros Reise ins Zauberland, um zwei der bekanntesten Beispiele zu nennen. Über weite Strecken ist Wildwood ein klassisches Märchen voller Magie und sprechender Tiere. Ungewöhnlich ist jedoch, dass diese Welt sich bewusst ist, dass es eine Außenwelt gibt. Schließlich tun sie alles dafür, dass die Grenze zwischen den beiden Welten geschlossen bleibt. Wenn Prue und Curtis diese Schwelle überschreiten, sorgt das für Verwunderung und Sorge. Aber auch für den einen oder anderen Lacher, wenn wir erkennen dürfen, dass Fantasy und Bürokratie sich nicht ausschließen. Auch an anderen Stellen ist immer mal wieder ein wenig Humor drin, wenn wir auf schräge Figuren treffen oder die Leute mit der Situation überfordert sind.

Detailverliebtes und emotionales Wunderwerk

Dennoch: Man sollte nicht erwarten, dass das hier eines dieser Animationsabenteuer ist, bei denen ständig irgendwelche Witze eingebaut werden, siehe das kürzlich veröffentlichte Forgotten Island. Der Film ist deutlich düsterer und ernster. So gibt es zwischendurch Szenen, die überraschend brutal sind. Zu jung sollte das Publikum daher nicht sein. Vor allem aber erzählt Wildwood eine sehr emotionale und teils tieftraurige Geschichte. So geht es zwar schon um Aussöhnung und Annäherung, was Wohliges fürs Herz also. Aber es geht auch um Trauer und Wut. Geht um einen Schmerz, der so groß ist, dass die ganze Welt dafür brennen soll und alles andere die Bedeutung verloren hat. Und im Gegensatz zu vielen Animationsfilmen um Antagonisten, die in der Finsternis verschwunden sind, wird hier tatsächlich der Mut aufgebracht, diese Finsternis als Ort ohne Wiederkehr zu zeigen.

Diese rohe Emotionalität ist der eine Grund, sich den Film anzuschauen. Der andere ist – wenig überraschend – die Optik. Schon bei den vorherigen Filmen hat Laika gezeigt, wie die altehrwürdige Stop-Motion-Technik mit Computereffekten kombiniert werden kann. Auch dank der dicken Budgets wurde geprotzt ohne Ende. Aber mit Wildwood haben sich Regisseur Travis Knight (Masters of the Universe) und sein Team selbst übertroffen. Die Reise in die Parallelwelt ist ein detailverliebtes Wunderwerk, bei dem man immer wieder vergisst, dass das eigentlich „nur“ ein Puppenfilm ist. Der immense Aufwand der betrieben wurde, von den stimmungsvoll eingerichteten Settings über die ausdrucksstarken Figuren bis zu den imposanten Massenschlachten, machen den Film zu einem Must-see auf der großen Leinwand. Zum Ende hin geht das alles ein bisschen schnell, die Aussage ist auch etwas schwammig. Doch das fällt nicht weiter ins Gewicht. Der größte Wermutstropfen ist noch, dass es im Anschluss wieder einige Jahre dauern könnte, bis Laika den nächsten Film vollendet.

Credits

OT: „Wildwood“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Travis Knight
Drehbuch: Chris Butler
Vorlage: Colin Meloy, Carson Ellis
Musik: Dario Marianelli
Animation: Laika

Bilder

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Wildwood
fazit
In „Wildwood“ reist eine Jugendliche in einen magischen Wald, um ihren von Krähen entführten Bruder zu finden. Die Romanadaption arbeitet mit vielen bekannten Elementen, sticht aber durch eine in Teilen tieftraurige Geschichte über einen unheilbaren Schmerz hervor. Außerdem haben sich die Stop-Motion-Experten von Laika visuell selbst übertroffen und ein detailverliebtes Wunderwerk geschaffen.
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