Der Exorzist brach 1973 alle Rekorde: Die Adaption des Romans von William Peter Blatty um eine Jugendliche, die vom Teufel besessen ist, wurde an den Kinokassen ein riesiger Hit und zudem für zahlreiche Oscars nominiert. Seither hat es mehrere Fortsetzungen gegeben, die ihrerseits von solchen dämonischen Übergriffen berichten. Am 11. März 2027 kommt mit Der Exorzist: Märtyrer ein neuer Teil in die Kinos. Dieses Mal dreht sich die Geschichte um Detective Julie Miller (Scarlett Johansson), die einem Serienmörderfall auf der Spur ist, der sie an einen zurückliegenden Fall erinnert.
Anlässlich der Trailerveröffentlichung hatten wir die Chance, uns mit Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan zu unterhalten, der mit Titeln wie Spuk in Hill House und zuletzt Carrie bewiesen hat, dass er alten Horrorklassikern neue Seiten abgewinnen kann. Im Interview zum Film spricht er über hohe Erwartungen, die Natur des Bösen und Okkultismus in einer atheistischen Welt.
Der Exorzist: Märtyrer ist der neueste Teil aus der Reihe Der Exorzist. In welcher Beziehung steht er zu den anderen Teilen?
Eine der Sachen, die für mich aufregend waren, war, dass wir eine komplett neue Geschichte erzählen konnten, mit komplett neuen Figuren, die komplett für sich alleinsteht. Ich wollte einen Film machen, den man sich auch anschauen kann, wenn man keinen der bisherigen Filme gesehen hat. Fans des Franchises werden jedoch absolut die Fäden erkennen können, die sich durch das Franchise ziehen, von William Friedkins Meisterwerk bis einschließlich und besonders dem dritten Teil.
Es hat nicht nur die Fortsetzungen von Der Exorzist gegeben, sondern auch unzählige andere Horrorfilme, bei denen es um Exorzismus geht. Du hast das Original gerade ein Meisterwerk genannt. Was macht es besser als all die anderen Filme?
Der erste Teil wurde von einem Genie gedreht und begründete für mich ein ganzes Genre. Es hat zwar schon vor Friedkins Film welche gegeben, in denen jemand besessen ist. Aber es gibt eine Welt vor Der Exorzist und eine nach Der Exorzist. Friedkin schafft es damals, Brücken zu bauen und ein Publikum anzusprechen jenseits der Horrorfans. Er berührte das Herz der Vorstellungskraft der Menschen, die ansonsten überhaupt keine Fans des Genres waren. Deswegen hat er damals beim Publikum so starke Reaktionen hervorgerufen. Wie du schon sagst, gab es unzählige andere Filme über Exorzismus. Wir haben den siebten Teil der Reihe gedreht, hinzu kommen hunderte andere Filme. Und jeder einzelne davon wird noch immer mit Friedkins Original vergleichen. Das ist der Standard, an dem sich jeder messen lassen muss. Und kein einziger hat je dasselbe Level erreicht. Es gibt nur ganz wenige Filme, bei denen das ähnlich ist. Der weiße Hai ist so ein Fall, der ebenfalls ein spezifisches Subgenre geschaffen hat. Du kannst keinen Film über Haie drehen, ohne dass die Leute dabei an Der weiße Hai denken.
Warum hast du dann überhaupt noch einen neuen Film gedreht, wenn du weißt, dass du dich vergleichen lassen musst und diesen Vergleich nicht gewinnen kannst?
Ich habe gar nicht den Anspruch, das irgendwie besser machen zu können oder das Original zu ersetzen. Das interessiert mich gar nicht und wäre auch nicht möglich. Mir reicht es völlig aus zu wissen, dass wir einen tollen Film innerhalb dieses Genres machen können. Was ich spannend fand, war, Ideen zu nehmen und fünf Jahrzehnte später sie zu erweitern und etwas Eigenes daraus zu machen. Über Sachen zu sprechen, die Friedkin damals gar nicht in Erwägung gezogen hätte, weil sich die Welt seit damals verändert hat. Im Kern ist das eine zeitlose Geschichte, die heute so relevant ist wie damals: Es geht darum, wie das Böse in die Welt der Menschen einfällt. Da gibt es immer wunderbare Möglichkeiten, um dieses Thema zu erkunden. Die Falle ist zu versuchen, das zu wiederholen, was es schon einmal gab. Das Vergangene zu imitieren, anstatt etwas auszuprobieren, zum Beispiel, indem du mehrere Subgrenres miteinander verbindest und schaust, ob sie miteinander harmonieren.
Es gäbe auch ganz andere Möglichkeiten, das Böse überhaupt in die Welt zu holen als durch Dämonen, die dich besetzen. Warum also Exorzismus?
Ich glaube, was uns besonders nahegeht ist der Gedanke, dass das Böse in etwas einfallen kann, was wir immer für sicher halten: uns selbst. Dass das Böse unseren Körper und unsere Seele übernehmen kann und wir uns selbst verlieren, das ist immer eine furchterregende Vorstellung. Was mich dabei auch interessiert hat, ist das Böse innerhalb der Gesellschaft, wenn sich Menschen gegen andere Menschen richten und töten. Das machte es für mich naheliegend, die Geschichte einer Besessenheit mit der von Serienmördern zu verbinden. Das war auch etwas, an dem William Peter Blatty, auf dessen Roman Der Exorzist basiert, Interesse hatte, als er seine Fortsetzung Legion schrieb. Daraus wurde dann der dritte Teil, der völlig unterschätzt ist und oft vergessen wird. Daran wollte ich anknüpfen.
Ist dieses Böse in den Serienmördern etwas, das vorher schon da war, oder kommt es von außen?
Das ist eine großartige Frage und so etwas wie das Herz des Films. Was interessant ist: Wir haben bei den Serienmördern nichts erfunden. Ich selbst werde nicht sagen, ob sie besessen waren oder nicht. Ich bin ja auch bekannt dafür, ein Atheist zu sein, und werde deshalb nicht behaupten, dass ein Dämon hinter allem steckt. Aber was ich so spannend finde ist, dass so viele dieser Serienmörder auf die eine oder andere Weise von dämonischer Besessenheit sprachen, als es um ihre Verbrechen ging. Als metaphorische Frage, woher dieses Böse kommt, ist das immer faszinierend. Und es ist eben eine dankbare Vorlage für einen Film.
Du hast eben erwähnt, dass du Atheist bist. In vielen Ländern verliert Religion an Bedeutung, immer weniger glauben noch an Gott. Hat dies Auswirkungen auf das Exorzismus-Subgenre bzw. okkulte Filme im Allgemeinen?
Ich glaube schon, ja. Aber während der Glaube an Gott immer weiter abnimmt, ist die Faszination fürs Okkulte geblieben. Interessanterweise scheint das eine das andere nicht unbedingt zu brauchen. Du kannst an das Böse glauben, ohne an Gott glauben zu müssen. Was ich an Friedkins Film immer erschreckend fand: Das Böse ist dort real und aktiv, unabhängig von den Menschen, Gott hingegen nicht. Gott taucht in Der Exorzist nicht auf, Satan schon. Eine Welt, in der Satan aktiv und anwesend ist, Gott aber nicht, das ist eine unheimliche Vorstellung, die mich sehr anspricht.
Vielen Dank für das Interview!
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