
1982 ist der Showmaster Enzo Tortora (Fabrizio Gifuni) auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit seiner Sendung „Portobello“ erreicht er regelmäßig ein Millionenpublikum, ganz Italien liegt ihm zu Füßen. Zumindest dachte er das. Umso größer ist der Schock, als der inhaftierte Verbrecher Giovanni Pandico (Lino Musella) ihn beschuldigt, an Drogengeschäften beteiligt zu sein. Und er ist nicht der Einzige, nach und nach schließen sich andere diesem Vorwurf an. Tortora beteuert zwar seine Unschuld, wieder und wieder. Doch die Justiz ist fest entschlossen, ein Exempel an ihm zu statuieren. So sehr er sich auch dagegen wehrt, Tortora wird immer tiefer in die Geschichte hineingezogen, während die Nation gebannt den Prozess verfolgt …
Ein Skandal mit vorgezogenem Ende
Am späten Donnerstag stehen traditionell auf arte Serien an. Meistens handelt es sich dabei um europäische Produktionen, wobei Dramen und Krimis besonders hoch im Kurs stehen. Da war beispielsweise das spanische Familiengeheimnisse über eine Jugendliche, die von ihren Freunden vergewaltigt worden sein soll. Auch der isländische Thriller Reykjavík Fusion um einen vorbestraften Koch, der auf kriminelle Methoden zurückgreift, um sich seinen Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen, wurde auf diesem Programmplatz ausgestrahlt. Jetzt steht bei dieser regelmäßigen Weltreise jetzt Italien auf dem Programm. Mit Portobello – Unschuldig verurteilt wird mal wieder ein Drama gezeigt, wobei das thematische Umfeld natürlich auf einen Krimi schließen lässt, bei dem es um die Aufklärung eines Verbrechens geht.
Theoretisch. Praktisch weiß das Publikum von vornherein, wie es ausgeht. Selbst wer nichts von diesem Justizskandal weiß, der Mitte der 1980er Italien erschütterte und der hier wiedererzählt wird, braucht auf keine großen Überraschungen zu hoffen. Denn während der Originaltitel Portobello noch neutral war und auf die Show verwies, mit der der Protagonist bekannt geworden ist, bringt der deutsche Untertitel Unschuldig verurteilt alles auf den Punkt. So weiß man hier schon vor dem Einschalten, dass der Vorwurf in einer Verurteilung enden wird. Und auch, dass Tortora die beschuldigten Verbrechen nicht begangen hat, wird auf diese Weise vorweggenommen. Auf der einen Seite weiß man dadurch, was man bekommt. Es macht aber auch die Spannung zunichte, wenn das Ende vor dem Anfang ausgesprochen wird.
Auf Dauer zu wenig
Hinzu kommt, dass die Wahrheitsfindung und der Prozess nicht wirklich viel Entwicklung zeigen. Vor allem im Gerichtssaal kommt nicht mehr viel hinzu, man hat das Gefühl, sich im Kreis zu drehen. Die Figuren sind auch nicht spannend genug, um als Argument durchzugehen, bis zum Schluss dranzubleiben. Das ist schade, weil Regisseur und Co-Autor Marco Bellocchio einige Jahre zuvor mit Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra schon einen Film über eine solche Gerichtsverhandlung in den 1980ern gedreht hatte. Auch damals ging es darum, das organisierte Verbrechen auszuschalten, was mit einem großen öffentlichen Interesse verbunden war. Doch obwohl Portobello – Unschuldig verurteilt als sechsteilige Serie länger ist als der Film damals, hat er irgendwie weniger zu erzählen.
Das heißt aber nicht, dass das alles schlecht ist. Zwischendurch greift die Serie, die 2025 beim Festival in Venedig Weltpremiere feierte, auf Komik zurück, manche Szenen sind eine bewusste Farce – mit übertriebenen Figuren und seltsamen Wortgefechten. Die Ausstattung macht ebenfalls Laune und sorgt für 80er-Jahre-Atmosphäre. Schauspielerisch passt das auch, Fabrizio Gifuni (Und draußen die Nacht) überzeugt in der Rolle des Showmasters, der nicht weiß, wie ihm geschieht. Aber das kann nicht verhindern, dass sich Portobello – Unschuldig verurteilt mit der Zeit zieht und man sich am Ende bei dem Gedanken ertappt, vielleicht doch lieber den Wikipedia-Eintrag gelesen zu haben.
OT: „Portobello“
Land: Italien, Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Marco Bellocchio
Drehbuch: Marco Bellocchio, Stefano Bises, Giordana Mari, Peppe Fiore
Musik: Teho Teardo
Kamera: Francesco Di Giacomo
Besetzung: Fabrizio Gifuni, Barbora Bobulova, Lino Musella, Romana Maggiora Vergano, Gennaro Apicella, Luciano Giugliano, Davide Mancini, Paolo Pierobon, Massimiliano Rossi, Gianluca Gobbi, Alessandro Preziosi
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