We Die Tonight
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We Die Tonight

We Die Tonight
„We Die Tonight“ // Deutschland-Start: 24. September 2026 (DVD/Blu-Ray)

Inhalt / Kritik

Irgendwo im schwedischen Nirgendwo beginnt für die junge Verkäuferin Ellie (Amanda Lindh) der Tag alles andere als normal. Durch Zufall rettet sie eine lebendig begrabene Frau (Emilia Roosmann), die ihr jedoch klarmacht, dass es besser sei, keine Hilfe zu holen. An ihrer Arbeitsstelle, einem einsam gelegenen Supermarkt, sorgt unterdessen der neue Kollege Francki (Christian Magdu) für Stirnrunzeln. Er ist ein langjähriger Stammkunde, der den Job offenkundig nur angenommen hat, um Ellie näherzukommen – allerdings auf eine Art, die eher unangenehm wirkt. Kurze Zeit später taucht die von Ellie gerettete Frau im Laden auf. Sie ist nicht allein: Isa, wie sie heißt, und ihr Begleiter (Kamjar Rezaei) sind schwer verletzt und werden von einer maskierten Gruppe bewaffneter Männer verfolgt. Die wollen die beiden Flüchtenden in ihre Gewalt bekommen und gehen dafür buchstäblich über Leichen. Die neun Insassen des Supermarkts – neben den vier bereits Genannten sind es die beiden weiteren Mitarbeiter Leo (Clara C. Drake) und Kim (Jonathan Fredriksson) sowie die Kunden Conny (Kristoffer Joner), Elsa (Ia Langhammer) und Bengt (Kardo Razzazi) – verbarrikadieren sich, sitzen damit allerdings auch in einer Falle. Es beginnt eine Nacht der Belagerung.

Thriller mit realer Inspiration

Dass ausgerechnet ein Supermarkt in der Provinz zum Schauplatz eines blutigen Häuserkampfs wird, hat einen erstaunlich realen Ursprung: Regisseur Richard Holms Sohn Robin Sherlock Holm erlebte einst, wie zwei niedergestochene Männer in das Geschäft flüchteten, in dem er arbeitete. Den Schock verarbeitete die Familie gemeinsam mit Christin Magdu und Christian Magdu schließlich zu einem Drehbuch. Ein True-Crime-Drama ist daraus mit We Die Tonight allerdings nicht geworden, sondern unverhohlenes Genrekino nach dem Muster von John Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht: eine kleine, eingeschworene Gruppe, ein anonymer Gegner in der Überzahl, ein Gebäude als taktisches Schlachtfeld. Nach dem Netflix-Katastrophenspektakel Der Abgrund, das mit Millionenbudget und großen Schauplätzen aufwartete, kehrt Holm hier mit einem einzigen Drehort, chronologischer Drehweise und sichtlich schmalerem Budget zu seinen B-Movie-Wurzeln zurück. Eine sympathische Idee – nur merkt man dem Ergebnis die Ambition am Ende stärker an als die Souveränität.

Zwischen Hommage und Eigenständigkeit

Denn so gut die Hommage im Kern funktioniert, so wenig traut sich der Film, eigene Wege einzuschlagen. Die Grundkonstellation ist bekannt, und wo Carpenter lakonisch-kühl blieb, verlässt sich Holm zu oft auf die Schrulligkeit seines Personals, um die fehlende Originalität zu kaschieren. Hinzu kommen Logiklöcher, die sich beim Zusehen kaum verdrängen lassen: Warum ruft Ellie nicht doch die Polizei? Warum schlagen die schwer bewaffneten Belagerer nicht sofort die Scheiben ein, wenn ein späterer, halbherziger Versuch zeigt, dass das durchaus möglich wäre? Warum verhält sich Leo nach ihrer Flucht auf dem Parkplatz gegenüber Unbeteiligten derart aggressiv? Und warum wird ausgerechnet Isas Verhalten von den anderen nie ernsthaft hinterfragt? Auch die Auflösung des Verhältnisses zwischen Ellie und Francki bleibt unbefriedigend. Francki oszilliert den gesamten Film über zwischen tollpatschigem Sympathieträger und Psycho-Stalker von nebenan, ohne dass der Film sich je entscheidet, wie diese Ambivalenz zu lesen ist – bis zum unsäglichen Ende.

Kristoffer Joner hält den Laden zusammen

Und doch ist der Film nicht annähernd so schwach, wie diese Einwände vermuten lassen. Kristoffer Joner, deutschen Zuschauern unter anderem aus The Wave – Die Todeswelle, The Quake – Das große Beben und Mission: Impossible – Fallout bekannt, ist als versoffener Ex-Soldat Conny der heimliche Star des Ensembles: ruhig, lakonisch und mit einer physischen Präsenz, die dem Film in seinen besten Momenten fast im Alleingang Spannung verleiht. Auch Christian Magdu und Clara C. Drake tragen dazu bei, dass die knapp 90 Minuten trotz aller Schwächen kurzweilig bleiben – und mitunter, ob gewollt oder ungewollt, richtig komisch sind. Die von Amanda Lindh dargestellte Ellie dagegen bleibt als Identifikationsfigur seltsam blass, das Potenzial der Figur Isa wird vollkommen verschenkt. Die maskierten Angreifer, deren Beweggründe lange bewusst im Dunkeln bleiben, wirken streckenweise eher wie anonyme Zielscheiben aus einem Videospiel als wie eine ernstzunehmende Bedrohung.

Am Ende bleibt We Die Tonight ein Film, der ziemlich genau weiß, was er sein will und handwerklich durchaus etwas kann. Das gilt vor allem für die praktischen Splattereffekte, für die eigens Kunstblut aus England importiert wurde. Nur die Balance zwischen bewusster Konstruktion und angestrebter Rohheit gelingt nicht immer. Wer unkompliziertes, blutiges Belagerungskino mit Ecken und Kanten sucht, wird trotzdem gut unterhalten.

Credits

OT: „Vi dör i natt“
Land: Schweden
Jahr: 2025
Regie: Richard Holm
Buch: Christin Magdu, Robin Sherlock Holm
Musik: Jennie Löfgren, Anders Herrlin
Kamera:
Andreas Wessberg
Besetzung:
Amanda Lindh, Christian Magdu, Kristoffer Joner. Emilia Roosmann, Clara C. Drake, Jonathan Fredriksson, Ia Langhammer, Kardo Razzazi, Emil Almén, Kamjar Rezaei, Matteus Slivo, Otto Fahlgren

Bilder

Trailer

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We Die Tonight
fazit
„We Die Tonight“ liefert ambitioniertes, aber ungleichmäßiges Belagerungskino, das seine Vorbilder nie verleugnet und an Logik spart, wo es Tempo gewinnt. Kristoffer Joner rettet als lakonischer Ex-Soldat vieles, was Drehbuch und Auflösung schuldig bleiben. Kurzweiliger Genrespaß mit Schwächen.
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