Skjelvet The Quake – Das große Beben

The Quake – Das große Beben

Inhalt / Kritik

The Quake
„The Quake – Das große Beben“ // Deutschland-Start: 22. November 2021 (DVD/Blu-ray)

Nur knapp hat der Geologe Kristian Eikjord (Kristoffer Joner) vor einiger Zeit die Tsunami-Welle im Geirangerfjord überlebt. Doch glücklich ist er seither nicht wieder geworden. Während seine Frau Idun (Ane Dahl Torp) und die beiden Kinder Sondre (Jonas Hoff Oftebro) und Julia (Edith Haagenrud-Sande) in Oslo mit ihrem Leben weitermachen, hat sich Kristian in die Einöde am Fjord zurückgezogen, verfolgt von den Schuldgefühlen und Vorwürfen, damals nicht mehr Menschen gerettet zu haben. Auch ein Besuch von Julia kann ihn nicht aus seinem tiefen Loch herausholen. Doch dann hört er von einem eingestürzten Tunnel, bei dem ein Kollege ums Leben gekommen ist. Dieser hatte von einem nahenden großen Erdbeben gewarnt, welches Norwegen bedroht. Für Kristian ist klar, dass er der Sache nachgehen muss, um die nächste Katastrophe zu verhindern …

Die überraschende Katastrophe

Bei norwegischen Filmen dürften den meisten zuerst Dramen einfallen. Große Katastrophenfilme hingegen eher weniger. Und doch erschien 2015 mit The Wave – Die Todeswelle ein eben solcher. Er entpuppte sich sogar als echter Kassenschlager daheim. Tatsächlich war er so erfolgreich, dass drei Jahre später mit The Quake – Das große Beben eine Fortsetzung veröffentlicht wurde. Das ist auch deshalb überraschend, da dieses Genre eigentlich nicht für solche bekannt sind. Aus verständlichen Gründen: Einige der Katastrophen wie etwa der Untergang von Schiffen bei Titanic sind keine wiederkehrenden Ereignisse. Und selbst solche, die theoretisch ein zweites Mal auftreten können, sind wenig geeignet, da die Filme von dem Gefühl leben, dass etwas Einzigartiges geschieht.

The Quake – Das große Beben geht deshalb zunächst auch einen anderen Weg. Nicht die Katastrophe an sich steht im Mittelpunkt, sondern Kristian und dessen Versuch, die Erlebnisse rund um den Tsunami zu verarbeiten. So wurde aus ihm zwar ein Held gemacht, der im Fernsehen gefeiert ist. Er selbst sieht das aber ganz anders. Er kommt nicht darüber hinweg, dass so viele Menschen gestorben sind, gibt sich selbst die Schuld dafür. Das ist durchaus interessant: Es geht dem Film das Heroische ab, was wir gerade bei US-amerikanischen Katastrophenfilmen immer wieder zu sehen bekommen. Vielmehr ist das hier ein Drama um einen gebrochenen Mann, der seit dem ersten Teil starke psychische Probleme entwickelt hat und selbst seine Familie von sich stößt.

Hübsch anzusehende Konvention

Während das emotional und auch plausibel vorgetragen wird, ist ein anderer Punkt eher weniger glaubwürdig: So oft Kristian auch davor warnt, dass ein großes Erdbeben bevorsteht, irgendwie will ihm niemand glauben. Vor allem nicht seine Kollegen. Dass ein einsamer Warner in Katastrophenfilmen ignoriert wird, ist zwar nicht selten. Eigentlich gibt es immer jemanden, der frühzeitig die Zeichen erkennt, aber nicht ernst genommen wird. Da The Quake – Das große Beben aber nun einmal eine Fortsetzung ist und Kristian einige Jahre zuvor bei einem anderen Erdbeben recht hatte, entsteht hier doch schnell der Eindruck, dass man es sich beim Drehbuch schon sehr einfach machen wollte. Man übernahm einfach die üblichen dramaturgischen Mittel, ohne sich Gedanken zu machen, inwiefern diese passen.

Überhaupt, so richtig viele Überraschungen gibt es hier nicht. Ein Ereignis später schockiert tatsächlich. Ansonsten macht The Quake – Das große Beben brav das, was Katastrophenfilme immer so tun. Zumindest an der Stelle orientiert sich die norwegische Produktion an den Vorbildern aus den USA. Dafür sieht das Ganze recht passabel aus. Größere Massenszenen gibt es nicht. Tatsächlich ist die Zahl der ums Leben kämpfenden Personen für dieses Genre schon auffallend klein, zumal die Geschichte in Oslo spielt. Die Spezialeffekte passen aber, wenn später das Unglück erwartungsgemäß doch eintritt und die Metropole in die Knie zwingt. Die Symbole der Zivilisation und menschlichen Herrschaft sind dann doch eher schmächtig, wenn erst einmal Mutter Natur ihre Muskeln spielen lässt und man sich plötzlich ganz klein und unbedeutend fühlt.

Credits

OT: „Skjelvet“
Land: Norwegen
Jahr: 2018
Regie: John Andreas Andersen
Drehbuch: John Kåre Raake, Harald Rosenløw-Eeg
Musik: Johannes Ringen, Johan Söderqvist
Kamera: John Christian Rosenlund
Besetzung: Ane Dahl Torp, Kristoffer Joner, Edith Haagenrud-Sande, Kathrine Thorborg Johansen, Jonas Hoff Oftebro

Bilder

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„The Quake – Das große Beben“ beginnt ungewöhnlich, wenn der Held des Vorgängers zu einem psychischen Wrack degradiert wird, welches einsam vor sich hin vegetiert. Erst relativ spät verwandelt sich das Charakterdrama doch noch in einen Katastrophenfilm. Da wird dann zwar weitestgehend nur streng nach Genrevorschrift vorgegangen. Die norwegische Variante kann sich aber durchaus sehen lassen.
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