Kritik

Assault Anschlag bei Nacht Assault on Precinct 13

„Assault – Anschlag bei Nacht“ // Deutschland-Start: 9. März 1979 (Kino) // 16. November 2012 (DVD/Blu-ray)

In Los Angeles hat in den letzten Wochen die Verbrechensrate stark zugenommen, sodass die Neuigkeit eines Diebstahls einer Waffenlieferung, die eigentlich für die Polizei gedacht war, für Unruhe unter den Beamten des LAPD sorgt. Doch von all diesen Entwicklungen meint Lieutenant Ethan Bishop (Austin Stoker) verschont zu bleiben, führt ihn sein erster Einsatz doch zur Polizeidienststelle 13 in den Vorort Anderson, die kurz vor der Schließung steht und von daher keine Gefangenen mehr beherbergt. Jedoch ändert sich die bis dato ruhige Schicht Bishops und der wenigen letzten Bediensteten der Dienststelle. Zunächst wird ein Gefangenentransport zu ihnen umgeleitet, der unter anderem aus dem gefährlichen Schwerverbrecher Napoleon Wilson (Darwin Joston) besteht. Dann sucht noch ein gehetzt wirkender Mann im Revier Zuflucht, stammelt etwas davon, verfolgt zu werden und es dauert auch nicht lange und die ersten Schüsse fallen. Da die Telefonleitungen gekappt wurden und weit und breit keine Menschenseele außer ihnen ist, sind die Beamten isoliert, den schussbereiten Gangs vor ihren Türen ausgeliefert. Ein Kampf ums Überleben und gegen die Zeit beginnt.

Auf sich allein gestellt
Nach seinem ersten Film Dark Star sah US-Regisseur John Carpenter seine Chance, einen Fuß in die Tür Hollywoods zu bekommen. Als ihm Produzent J.S. Kaplan das Angebot machte einen Film zu machen, bei dem Carpenter völlige kreative Kontrolle haben sollte, unter der Auflage nicht über das Budget von 100.000 Dollar zu gelangen, griff Carpenter ohne lange zu überlegen zu. Ganz seiner Vorliebe für den Western verschrieben, erinnert Assault in vielerlei Hinsicht an die Geschichten um John Wayne und hatte auch zunächst den vielsagenden Titel The Anderson Alamo. Daneben ließ sich Carpenter besonders von Filmen wie Die Nacht der lebenden Toten von George A. Romero inspirieren, deren Ausgangssituation der in Assault ähnelt.

Bereits in diesem zweiten Film Carpenters merkt man dessen Talent dafür, einen Ort zu inszenieren und eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen. Während der Großteil des Films in der heruntergekommenen Polizeistation spielt, blickt Assault immer wieder in die Umgebung, den Ort Anderson. Zwischen trostlosen Betonruinen, Müll und verfallenen Bruchbuden, in denen irgendwann einmal vor ferner Zeit Menschen wohnten, hat sich die Gewalt eingenistet. Neben dem Gefühl der Trostlosigkeit umgibt diesen Ort einen nicht genau zu bestimmende Aggression, die sich jederzeit entladen kann. Die knappen Szenen einer Schießerei sowie die Polizeimeldung über den gestohlenen Waffentransport sind erste Vorboten einer erneuten Eruption, eines neuerlichen Blutbads in den Straßen.

Es ist vielsagend, dass in einem Film, in welchem die Gangs zu einer übermächtigen, scheinbar gesichtslosen Masse werden, die Polizei sich die eigene Hilflosigkeit eingesteht oder selbst Opfer einer tiefgreifenden Korruption geworden ist. Bei Carpenter sind es die Minderheiten, die Unterdrückten in dieser brutalen Gesellschaft, die zurückschlagen und sich zu Wehr setzen: der wiederholt malträtierte, sprücheklopende Napoleon (ein entfernter Verwandter von Kurt Russells Snake Plissken aus Die Klapperschlange), eine Frau und ein afroamerikanischer Polizist, beauftragt mit einem sehr undankbaren Job.

Belagerungszustand
Im Zentrum des Films steht aber jene Belagerung des Polizeireviers, ein Kampf weniger Menschen gegen eine in vielen Belangen überlegene Schar von Gegnern, die in diesem Falle nicht mehr länger Gangs sind, sondern die Stadt an sich. Die Kargheit der Innenräume, das monotone Grau und die Umzugskartons spenden kaum Trost, ähnlich wie die dünnen Wände und Fenster kaum Schutz vor den Angreifern bieten. Innerhalb dieses beengten Raumes lässt Carpenter eine neue Kameradschaft entstehen, eine Begegnung auf Augenhöhe, die weder Hautfarbe noch Geschlecht kennt, sondern bei der alle durch ein Ziel vereint sind.

Credits

OT: Assault on Precinct 13
Land: USA
Jahr: 1976
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Musik: John Carpenter
Kamera: Douglas Knapp
Besetzung: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Nancy Loomis, Tony Burton

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Assault – Anschlag bei Nacht
„Assault – Anschlag bei Nacht“ ist ein früher Actionthriller John Carpenters, der bereits viele Themen seines filmischen Schaffens bedient. Atmosphärisch dicht und mit einem tollen Soundtrack unterlegt ist "Assault" ein beeindruckender zweiter Film dieses Regisseurs, der noch heute gut zu unterhalten weiß und für Spannung sorgt.
8von 10

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