Inhalt / Kritik

Platoon

„Platoon“ // Deutschland-Start: 30. April 1987 (Kino) // 4. September 2006 (DVD)

Im Jahr 1967 kommt der junge Charles Taylor (Charlie Sheen) als Freiwilliger nach Südvietnam und wird nahe der Grenze zu Kambodscha dem 25. Infanterieregiment der US-Armee untergestellt. Als Neuling muss er sich, wie auch viele andere, in den Augen der anderen Soldaten seine Sporen erst verdienen, bevor diese ihn erst nehmen. Jedoch hadert er weniger mit der Hackordnung unter seinen Kameraden als vielmehr mit dem Terrain sowie dem Feind, dessen Kommen man nicht sehen kann. Obwohl eigentlich jemand anders das Kommando hat, unterteilen sich die Soldaten in zwei Lager, welche von den Dienstältesten, Sergeant Barnes (Tom Berenger) und Sergeant Elias (Willem Dafoe), angeführt werden. Schnell findet Taylor in Elias’ Lager Freunde, doch dies ist gefährlich, denn in Vietnam halten solche Verbindungen nie sonderlich lange und schon bei ihrem ersten großen Einsatz, an Neujahr 1968, kommt es zu einem folgenschweren Ereignis. Nachdem die Truppe im Dschungel in einen Hinterhalt geraten ist, der vielen von ihnen das Leben kostete und viele verwundet hat, gelangen sie in ein Dorf, dessen Bewohner von Barnes verdächtigt werden, mit dem Vietkong gemeinsame Sache zu machen. Auch Taylor, der einen Freund im Gefecht verloren hat, kann seinen Zorn kaum unterdrücken, reagiert aber entsetzt, als Barnes dem Frust der Männer freien Lauf lässt und ein Blutbad unter den Dorfbewohnern anrichtet.

In der Folge kommt es zum Zerwürfnis zwischen Barnes und Elias, der zu spät einschreitet und bei seinen Vorgesetzten Barnes wegen Kriegsverbrechen anklagen will. Mehr denn je sind die Lager gespalten, was auch Taylor mitbekommt, der sich zwischen den beiden Denkweisen hin- und hergerissen fühlt, denn selbst wenn ihn das Ausmaß der Gewalt erschreckt, sieht er auch ein, wie Wut einen Menschen zu einer solchen Tat führen kann. Bei einem erneuten Einsatz kommt es dann abermals zu einem Gefecht mit dem Vietkong und in der Folge zu einer Möglichkeit für Barnes und Elias, ihren Zwist ein für alle mal zu entscheiden.

Zwei Herzen in der Brust

Bereits kurz nach seiner eigenen Zeit als Soldat in Vietnam, welche 1968 endete, entschied sich Regisseur und Drehbuchautor Oliver Stone, seine Erlebnisse in Form eines Skripts zu verarbeiten, fand aber niemanden, der sich bereit erklärte, das Projekt zu inszenieren oder gar zu finanzieren. Erst mit seinem Erfolg in den 1980ern durch seine Mitarbeit an Produktionen wie Brian De Palmas Scarface oder John Milius’ Conan – Der Barbar fand er einen Produzenten für Platoon, bei dem er auch Regie führte. Oliver Stone verwirklichte mit Platoon nicht nur einen seiner bis heute erfolgreichsten Filme, sondern zudem eine zeitlose Studie über den Gewissenskonflikt eines Soldaten und über das nationale Trauma des Vietnamkrieges.

Der von Charlie Sheen gespielte Charlie Taylor schreibt während seiner Zeit als Soldat immer wieder Briefe an seine Großmutter, in denen er von seinem Alltag als Soldat, vom Dschungel und von den Kameraden erzählt, bis er schließlich das Schreiben ganz sein lässt und gegenüber einem anderen Soldaten noch nicht einmal mehr über diese Tätigkeit reden will. Über seine Perspektive wird der Zuschauer eingeführt in diesen Krieg ohne Fronten, bei dem keiner weiß, woher der Feind kommen wird und ob es sich überhaupt lohnt, mit anderen Freundschaft zu schließen. Je früher man stirbt, heißt es recht früh in einem seiner Briefe, desto besser ist es, weil man keine Beziehungen aufgebaut hat und der Verlust die anderen Männer nicht so hart trifft.

Diese Briefe sind eine Art Beichte an den Zuschauer, ein Zeugnis einer Entwicklung, die Taylor selbst mit einer Mischung aus Sorge und Faszination beobachtet. Innerhalb der vielen Gedanken, die er sich macht, bleibt das Bild der „zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen“ am deutlichsten von allen. Nicht nur mittels der Figuren Barnes und Elias zeigt Stone die zwei Einstellungen zum Krieg, sondern auch immer wieder über die anderen Charaktere, die sich durch den Dreck, die Gewalt, den Schweiß und die Angst vor dem Tod verändern und zu anderen Menschen werden. Schon bei der Ankunft in Vietnam blickt Taylor (und damit auch die Kamera) in das Gesicht eines Soldaten, der nun heimkehrt, aber scheinbar emotional noch tief im ewigen Grün des Dschungels und dem Krieg steckt.

Die Realität des Krieges

In Platoon geht es um den Verlust an Menschlichkeit sowie die spirituelle Krise einer ganzen Nation. Während Figuren wie der von Willem Dafoe gespielte Elias noch so etwas wie Anteilnahme und Empathie erhalten haben, sieht man in dem von Narben entstellten Gesicht Barnes’ wenig von diesen Emotionen, sondern nur eine Mischung aus Wut und Abscheu gegenüber allen Schwachen, doch besonders den Feinden gegenüber, wer auch immer diese sein sollen. Es sind zwei Realitäten des Krieges, zwei Entwicklungen, welche wie ein Spiegelbild des Vietnamkonfliktes wirken, der Front in Südostasien wie auch in der Heimat an sich. Mit den Verlusten auf dem Schlachtfeld, so betont Stone, geht etwas sehr Essenzielles verloren, was man vielleicht nicht genau definieren kann, aber was zum Menschen dazugehört.

Neben einer Vielzahl talentierter Darsteller, die sehr glaubhaft die Dynamik innerhalb der Truppe wie auch deren Machtverhältnisse darstellen, überzeugt auch das Bild des Dschungels, was durch Robert Richardsons Kameraarbeit sowie Georges Delerues Filmmusik hervorgehoben wird. Nicht nur wie feindliches Gelände wirkt die Natur, sondern fast schon wie ein Spiegelbild jenes Konflikts der Hauptfigur, welcher in seinem Herzen droht und der ihn seine Menschlichkeit kosten könnte.

Credits

OT: „Platoon“
Land: USA
Jahr: 1986
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Oliver Stone
Musik: Georges Delerue
Kamera: Robert Richardson
Besetzung: Charlie Sheen, Tom Berenger, Willem Dafoe, Keith David, Johnny Depp, Forest Whitaker, Francesco Quinn, Mark Moses

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1987 Bester Film Sieg
Beste Regie Oliver Stone Sieg
Bester Nebendarsteller Tom Berenger Nominierung
Bester Nebendarsteller Willem Dafoe Nominierung
Bestes Original-Drehbuch Oliver Stone Nominierung
Beste Kamera Robert Richardson Nominierung
Bester Ton John Wilkinson, Richard D. Rogers, Charles Grenzbach, Simon Kaye Sieg
Bester Schnitt Claire Simpson Sieg
BAFTA Awards 1988 Beste Regie Oliver Stone Sieg
Beste Kamera Robert Richardson Nominierung
Bester Schnitt Claire Simpson Sieg
Berlinale 1987 Goldener Bär Nominierung
Silberner Bär/Beste Regie Oliver Stone Sieg
Film Independent Spirit Awards 1987 Bester Film Sieg
Beste Regie Oliver Stone Sieg
Bester Hauptdarsteller Willem Dafoe Nominierung
Bestes Drehbuch Oliver Stone Sieg
Beste Kamera Robert Richardson Sieg
Golden Globe Awards 1987 Bester Film (Drama) Sieg
Beste Regie Oliver Stone Sieg
Bester Nebendarsteller Tom Berenger Sieg
Bestes Drehbuch Oliver Stone Nominierung

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Platoon
„Platoon“ ist eine eindrucksvolle, bewegende Darstellung des Krieges als ein Verlust von Empathie und Menschlichkeit. Oliver Stone gelingt eine zeitlose Studie über den Krieg als spirituellen Konflikt und wie er den Menschen nachhaltig verändert.
9von 10

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