
Boyd Grayson (Chris Coffer) ist nicht unbedingt zurückhaltend, wenn es darum geht Männer mit nach Hause zu nehmen. Dabei geht es ihm nicht allein um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse. Er liebt es auch, seine verhasste Mutter Jacqueline (Alice Krige) damit auf die Palme zu bringen, die auf ihren vornehmen Stammbaum und die imposante Familienvilla viel Wert legt – und die Homosexualität ihres Sohns verabscheut. Als es mal wieder zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden kommt, rettet Boyd seiner Mutter das Leben, verliert dabei jedoch beide Hände. Gerührt von seinem Einsatz beschließt Jacqueline, nicht nur Lee (Declan Reynolds) and Claudie (Gabriela Garcia Vargas) für seine Pflege und die medizinische Versorgung zu engagieren. Der in Ungnade gefallene Dr. Tannock (Daniel Adebgoyega) soll ihm zudem künstliche Hände schaffen, die er nur mit seinen Gedanken kontrolliert …
Brutalität trifft Humor
Abgelegene Villen sind wie gemacht für Horrorfilme. Auch wenn die Wahl eines solchen Settings sicherlich nicht sehr originell oder wagemutig ist, es funktioniert gut. Das gilt sowohl für die klassischen Spukhäuser in der Tradition von Bis das Blut gefriert wie auch moderne Genrevertreter wie Bone Lake, wo ein Paar in der Abgeschiedenheit ein albtraumhaftes Wochenende erlebt. Bei The Restoration at Grayson Manor ist der Albtraum hingegen fortwährend. Der Protagonist kann diesem auch nicht entkommen, da es sich dabei nun einmal um seine Mutter handelt. Der Film fackelt auch nicht lang und etabliert schnell das katastrophale Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren, während Boyds One Night Stand in eine äußerst unangenehme Situation gerät. Und er etabliert, worauf sich das Publikum einstellen kann: Brutalität und Humor.
Wobei der Fokus schon sehr stark auf dem zweiten Punkt liegt. So stark, dass man sich fragt, weshalb überall von einem Horrorfilm die Rede ist. Denn eigentlich ist die irische Produktion eine Komödie. Nur eben eine, bei der es sowohl am Anfang wie auch gegen Ende hin richtig böse zur Sache geht. Dazwischen lebt The Restoration at Grayson Manor von den Figuren und den Verhältnissen untereinander. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich Mutter und Sohn, die wirklich gar nicht miteinander können, einander aber brauchen. Die anderen Charaktere sind mal mehr, mal weniger wichtig. Teilweise sind sie dafür schön überzeichnet. Die altehrwürdige Villa gleicht zwischenzeitlich eher einer psychiatrischen Anstalt als einem tatsächlichen Zuhause. Eine Anstalt, in der auch so manche Leiche vergraben ist – in mehr als einer Hinsicht.
Ein Crowdpleaser mit Entwicklungsstörung
Ein bisschen hat Regisseur und Co-Autor Glenn McQuaid damit zu kämpfen, diese einzelnen Elemente auch wirklich zu nutzen und die Handlung voranzutreiben. So ist zwar schon klar, dass diese künstlichen Hände, die dem Ganzen eine starke Science-Fiction-Note geben, irgendwann eine große Rolle spielen werden. Man merkt aber, dass der Filmemacher so sehr in seine Figuren verliebt ist, dass alles andere in den Hintergrund rückt. Das ist schade, weil The Restoration at Grayson Manor immer mal wieder vielversprechende Ansätze hat, in welche Richtung das weitergehen könnte, nur um dann doch nichts daraus zu machen. Der Film tritt da im Mittelteil recht lange auf der Stelle, die Entwicklung ist überschaubar.
Dafür stimmt der Spaßfaktor. Der Genre-Mix, der 2025 auf dem Fantastic Fest Premiere feierte, schafft jede Menge unterhaltsame Auseinandersetzungen, vor allem die bissigen Dialoge, bei denen niemand ein Blatt vor den Mund nimmt, sorgen für Unterhaltung. Die besonders spielfreudige Besetzung zelebriert diese Beschimpfungen und Schlagabtausche geradezu. Allein schon für die Momente, wenn Chris Colfer und Alice Krige (Wildcat) sich gegenseitig angiften, lohnt es sich, einmal bei diesem Anwesen vorbeizuschauen. Auch wenn The Restoration at Grayson Manor inhaltlich sicher noch mehr hätte bieten können, ist das hier doch ein echter Crowdpleaser, der sich für Festivals wie auch Videoabende anbietet.
OT: „The Restoration at Grayson Manor“
Land: Irland
Jahr: 2026
Regie: Glenn McQuaid
Drehbuch: Glenn McQuaid, Clay McLeod Chapman
Musik: Glenn McQuaid, Reuben Harvey
Kamera: Narayan Van Maele
Besetzung: Chris Colfer, Alice Krige, Daniel Adegboyega, Declan Reynolds, Gabriela Garcia Vargas
Fantastic Fest 2025
Fantasy Filmfest 2026
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