
Aiden (Tim Pocock) hat zwar die Statur und das Aussehen eines Actionstars, fristet jedoch ein Dasein als junger Polizist, der immer wieder Mist baut und obendrein noch sexsüchtig ist. Zu einer Undercovermission in Sydneys queerem Nachtleben verdonnert, kämpft er vor allem mit seiner fehlenden Impulskontrolle. Spätestens als er den verführerischen, tragischen Twink Cody (Tom Rodgers) kennenlernt, verliert Aiden zunehmend sein Ziel aus den Augen, obwohl er gar zu extremen Maßnahmen wie einem Keuschheitsgürtel greift. Die Abwärtsspirale hinein in die kriminalitätsbelastete, hedonistische Szene, die Regisseur und Drehbuchautor Dean Francis in diesem sexuell aufgeladenen Neo-Noir aus dem Jahre 2025 für Aiden einleitet, ist zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr aufzuhalten.
Neonlicht ohne viel Strahlkraft
Sex, Waffen, Drogen, pulsierende Lichter: Dean Francis möchte in Body Blow Sydneys queere Szene so dramatisch, ekstatisch und adrenalingeladen wie möglich erscheinen lassen, und zieht dafür alle Register. In den ersten Minuten wird in einer Radioshow über Sexsucht gesprochen, womit sich Aiden während einer nächtlichen Autofahrt nur allzu gut identifizieren kann, mit die ersten Shots werden direkt in die in dem Genre sehr beliebten Synthwave-Farben Blau und Magenta getaucht, irgendwann erscheint der crackrauchende Barkeeper und Sexworker Cody, der in diesem Film die Rolle des Twink-Fatal einnimmt, und drum herum spinnt sich noch die Geschichte um Aidens Polizeikolleg*innen, die sich ziemlich merkwürdig bzw. verschwörerisch benehmen.
Während die Grundbausteine der Story und das Kennenlernen mit dem Charakter Aiden, der durch seinen Hundeblick rein optisch wie eine modernisierte, etwas aufgepumptere Version eines Jean-Claude Van Dammes wirkt, noch einen ganz schön verlockenden Eindruck zusammen mit der Hoffnung auf mehr erwecken, ist leider sehr schnell festzustellen, dass hinter der bunten Fassade eine graue Betonwand auffährt. Zu platt ist das Storytelling, zu wenig immersiv die Welt und die Charaktere, mit denen Aiden und Cody sich abgeben, zu seelenlos der Look, der mehr wie ein Instagram-Filter aussieht als eine authentische Reise durch neongetränkte Nächte. Die Schauspielenden haben kaum Chemie miteinander, und während die Nachtshots noch eine gewisse Ästhetik bieten können, spiegeln die Szenen bei Tageslicht den schnöden, farblosen Inhalt von Body Blow wider.
Zu viele Inspirationen verderben den Brei
Das Problem ist hierbei nicht, dass Regisseur Dean Francis als Homosexueller selbst keine Ahnung von seinem Stoff hätte, im Gegenteil – in seinem Director’s Statement zum Film ist Leidenschaft und persönlicher Bezug absolut herauslesbar, auch seine Intention, einen Gegenentwurf zum hypermaskulinen Actionfilm oder Erotikthriller der 1990er Jahre zu erschaffen, ist wahrlich interessant und nobel. Doch leider kreiert er hier weder Spannung noch knisternde Erotik. Dass die Umsetzung der fantastischen Ideen nicht gelang, könnte viele Gründe haben; vielleicht lag es am Budget, vielleicht an den Skills, all die Inspirationen zu einem stimmigen Ganzen zusammenzupressen, vielleicht wurde hier zu sehr nach den Sternen gegriffen.
Kein Wunder: Dean Francis selbst möchte Brian De Palma, Billy Wilder, John Waters und Gregg Araki zitieren, als Filmfan erkennt man in Body Blow sogar etwas von Dressed to Kill, Cruising oder gar Infernal Affairs (was den Cop-Teil anbelangt). Das bloße Zitieren, das Verfrachten von verschiedenen Komponenten, die es bereits so oder so ähnlich gab, in die heutige Zeit, macht leider längst keinen guten Film. Das Poster und die Exposition versprechen Camp und Glamour, Dreck und Gewalt, gleichzeitig ein Fest der Queerness und einen mitreißenden Cop-Thriller; am Ende bleibt fast nur durchgehendes, zigfach gesehenes Arthouse-Geseiere mit dem ein oder anderen funky Kill, disruptive, kalte Sexszenen und ein Hauptcharakter mit viel Starappeal, der hier bedauerlicherweise in purer Langeweile versickert.
OT: „Body Blow“
Land: Australien
Jahr: 2025
Regie: Dean Francis
Drehbuch: Dean Francis
Musik: Andreas Dominguez
Kamera: Franc Biffone
Besetzung: Tim Pocock, Tom Rodgers, Paul Capsis, Sacha Horler, Chris Haywood
Fantastic Fest 2025
queerfilmfestival 2026
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