
Thomas (Bastien Bouillon), Nora (Hafsia Herzi) und ihre Tochter Ida (Tawba El Gharchi) leben zurückgezogen in einem Farmhaus, welches Thomas von seiner Familie geerbt hat. Von der Nachbarin Cristina (Monica Bellucci) abgesehen, einer gefragten Künstlerin, haben sie nur wenig Kontakt mit anderen Menschen. Das soll sich an diesem Abend ändern, denn Thomas hat zum Geburtstag von Nora eine Überraschungsparty vorbereitet. Doch noch bevor die Feier richtig losgehen kann, stehen drei Männer vor der Tür, die auf keiner Gästeliste standen. Die Brüder Franck (Benoît Magimel), Flo (Paul Hamy) und Bègue (Alane Delhaye) verschaffen sich schnell Zugang zu dem Haus und machen klar, dass sie so schnell nicht wieder gehen werden. Aber was wollen sie?
Romanadaption mit ungewissem Ausgang
Léa Mysius gehört sicherlich zu den spannendsten Filmemacherinnen Frankreichs der letzten Jahre. Während sie als Autorin gefragt ist und dabei mit einigen sehr bekannten Kollegen und Kolleginnen zusammengearbeitet hat, ist ihre eigene Liste als Regisseurin überschaubar. Die hat es dafür in sich. So erzählte sie in ihrem Debüt Ava – Plötzlich erwachsen 2017 von einer 13-Jährigen, die unweigerlich erblindet und dabei versucht, durch die Welt zu kommen. 2022 folgte The Five Devils über ein Mädchen, das Düfte erkennen und rekreieren kann – und damit eine Reise in die Vergangenheit provoziert. Vier Jahre dauerte es im Anschluss, bis sich die Französin mit The Birthday Party zurückmeldete. Die Resonanz war diesmal aber verhaltener, so ganz warm wurde das Publikum mit dem neuesten Werk nicht.
Das mag auch damit zusammenhängen, dass sie dieses Mal keine eigene Geschichte erzählt. Stattdessen adaptierte sie hier den 2020 veröffentlichten Roman Histoires de la nuit von Laurent Mauvignier (Home Front). Auch in diesem spielt ein Mädchen eine zentrale Rolle, wenn Ida mit der Zeit immer wichtiger wird. Es dauert allerdings. Vorher spielt der Film lange mit der Ungewissheit, worum es eigentlich gehen soll. Was wollen die Männer? Sind sie zufällig vorbeigekommen oder haben sie es gezielt auf die Familie abgesehen? Und wenn ja, aus welchem Grund? The Birthday Party legt dabei die eine oder andere falsche Fährte. Manche führen auch zu nichts, wenn Geschichten angedeutet und dann wieder fallen gelassen werden. Denn während die Haupthandlung klar umfasst ist und ein sauberes Ende erhält, bleiben an anderen Stellen Fragen offen – was bei manchen für Frust Sorgen könnte.
Zwischen abgründig und austauschbar
Die besagte Handlung ist dafür umso geradliniger. Im Grunde haben wir es mit einem recht herkömmlichen Home-Invasion-Thriller zu tun, bei dem die Hauptfiguren einen ebenso unerwarteten wie unerwünschten Besuch erhalten. Die drei Männer sind gefährlich, machen schon früh klar, dass sie nicht vor Gewalt zurückschrecken. The Birthday Party will auf diese Weise gleich doppelt für Spannung sorgen. Auf der einen Seite ist da die besagte Ungewissheit, was eigentlich gespielt wird und welches Ziel das Trio verfolgt. Auf der anderen Seite darf darum gezittert werden, ob die plötzlich in dem Haus gefangene Familie und die ältere Nachbarin mit dem Leben davonkommen werden.
Das ist alles nicht sonderlich originell, zwischenzeitlich ist der Thriller, der 2026 in Cannes Weltpremiere hatte, sogar austauschbar. Nach den so originellen Geschichten ihrer ersten beiden Filme ist der dritte Streich von Léa Mysius daher tatsächlich ein Rückschritt. An manchen Stellen muss man zudem großzügig sein, der Inhalt ergibt nicht so wahnsinnig viel Sinn. Dennoch, The Birthday Party hält einen gut bei Laune, sofern man sich nicht an dem eher geringen Tempo stört. Und zumindest zwischendurch setzt der Film auch das eine oder andere Ausrufzeichen, wenn die Figuren noch andere Seiten von sich zeigen und sich unerwartete Abgründe auftun oder à la Funny Games mit Erwartungen gespielt wird. Sehenswert ist die kammerspielartige und düstere Romanadaption daher schon. Dennoch, beim nächsten Mal wird Mysius hoffentlich wieder etwas Eigenes ausdenken. Hier hat sie ihr Talent ein wenig vergeudet.
OT: „Histoires de la nuit“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Léa Mysius
Drehbuch: Léa Mysius
Vorlage: Laurent Mauvignier
Musik: Florencia Di Concilio
Kamera: Paul Guilhaume
Besetzung: Hafsia Herzi, Benoît Magimel, Bastien Bouillon, Monica Bellucci, Tawba El Gharchi, Paul Hamy, Alane Delhaye, Servane Ducorps, Tatia Tsuladze
Cannes 2026
Fantasy Filmfest 2026
Sitges 2026
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