Recluse
© Blue Finch Film Releasing

Recluse

„Recluse“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Joan (Sasha Frolova) das letzte Mal in ihrem alten Familienhaus war. Und es ist auch nicht ganz freiwillig, dass sie nun zurückkehrt: Ihr Vater Wyatt (Xander Berkeley), ein bekannter Maler, hat sich in einem sonderbaren Unfall so stark verbrannt, dass er nun ans Bett gefesselt ist, das Gesicht voller Bandagen. Zwar ist er dort nicht allein. Haushälterin Lydia (Toby Poser), ihr Sohn Todd (Kimball Farley) sowie die Krankenschwester Emily (Mia Vallet) sind ebenfalls vor Ort, kümmern sich um ihn und das riesige Anwesen. Dennoch ist es besser, dass Joan nun da ist. Leicht fällt ihr das aber nicht, da ihr Verhältnis nicht besonders gut ist und zudem diverse traurige Erinnerungen mit dem Haus verbunden sind. Doch zunehmend macht sie auch eigenartige Erfahrungen, die sie darüber nachgrübeln lassen, was hier sonst noch alles vorgefallen sein könnte …

Der Schrecken der Heimat

Es gehört zu den Szenarien, die man immer wieder in Horrorfilmen findet: Die Hauptfigur kehrt in ihre Heimat oder das alte Familienhaus zurück, wo sie dann unheimliche Erfahrungen macht und sich ihrer Vergangenheit stellen muss. Beispiele für eine solche Ausgangssituation findet man ohne Ende. Ob in Other – Beautiful Monster eine Frau nach dem Tod der Mutter das abgelegene Haus ihrer Kindheit aufsucht, die Protagonistin in Diabolic – Gefäß des Teufels zu einer religiösen Gemeinschaft zurückkehrt oder wir in The Dark and the Wicked zwei Geschwistern zu der Farm der Familie folgen, da kommen ständig neue Titel heraus, die auf dem alten Konzept basieren. Mit Recluse ist diese Liste nun noch einmal um einen Eintrag länger geworden.

Wie praktisch immer gibt es für diese Rückkehr einen besonderen Anlass. Hier ist es der kuriose Unfall des Vaters. Über diesen darf sich das Publikum wundern, zumal der alte Herr mit einer bizarren Maske sein Gesicht versteckt. Noch größer sind aber die Rätsel, was da sonst noch alles vorgefallen ist. Wie sich das für einen solchen Horrorfilm gehört, geht die Hauptfigur auf Spurensuche und kommt dabei einigen Geheimnissen auf die Schliche, die lang vergraben waren. Das ist als Idee nicht sonderlich einfallsreich, funktioniert aber nach wie vor gut. Zumal Recluse einige dubiose Figuren bereithält, so richtig normal scheint hier niemand zu sein. Selbst die Protagonistin, die als Tonmeisterin arbeitet und auch im Familienhaus mit Mikrofonen arbeitet, ist irgendwie seltsam. Manches davon ist fast schon komisch, anderes ist eher unheimlich.

Viel Atmosphäre, wenig Spannung

Der Film arbeitet dann auch ausgiebig mit einer unheilvollen Mystery-Atmosphäre, die auch noch von dem Anwesen unterstützt wird. Denn in diesem scheint es schon seit Längerem nicht mehr normal zuzugehen, während irgendwo da in den Schatten etwas verborgen wurde. Die Stimmung ist prinzipiell toll. Recluse gefällt gerade auch in visueller Hinsicht: Chaisson hat da schon ein sehr kunstvolles Werk vorgelegt, bei dem man sich immer wieder in wunderbaren Aufnahmen verliert. Dass der Film dabei ein bisschen sehr ominös bleibt und sich davor scheut, auch mal konkret zu werden, muss man ein wenig in Kauf nehmen. Das hier ist nichts, was man sich anschauen sollte, wenn einem der Sinn nach konstanter Hochspannung ist.

Zudem enttäuscht das Horrorwerk, das auf dem Tribeca Film Festival 2026 Weltpremiere hatte, etwas durch die Auflösung. Dass ein Film nicht in die Richtung geht, in die man gedacht hat, ist zwar nicht schlimm. Never After Dark ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie ein Horrorfilm eine späte Wendung einschlägt und dadurch anders ist, als man dachte. Recluse ist da jedoch deutlich weniger einfallsreich, setzt auf ein dramatisches, aber auch recht gewöhnliches Thema. Das ist zwar nicht per se verkehrt, aber doch etwas wenig, nachdem es vorher so schön seltsam zuging. Der Film macht aufgrund der gelungenen Inszenierung schon Lust auf weitere Werke des Regisseurs. Nächstes Mal dann aber hoffentlich mit einer spannenderen Geschichte.

Credits

OT: „Recluse“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Henry Chaisson
Drehbuch: Henry Chaisson
Musik: Henry Chaisson
Kamera: Bryce Holden
Besetzung: Sasha Frolova, Xander Berkeley, Toby Poser, Mia Vallet, Kimball Farley, Frankie Seratch

Bilder

Filmfeste

Tribeca Film Festival 2026
Fantasia Film Festival 2026
Fantasy Filmfest 2026

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Recluse
fazit
In „Recluse“ kehrt eine Frau nach dem Unfall ihres Vaters in ihr altes Familienhaus zurück, wo sie eigenartige Erfahrungen macht. Inhaltlich ist der Film nichts Besonderes, verlässt sich auf Bewährtes, enttäuscht etwas bei der Auflösung. Dafür ist das alles kunstvoll umgesetzt, gerade visuell macht dieser ruhige Mystery-Horror einiges her.
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