
Eine erfolgreiche Krebsbehandlung hat die Studentin Mickey (Zelda Adams) bereits hinter sich. Doch jetzt ist die Krankheit zurückgekehrt und die Schulmedizin mit ihrem Latein am Ende. Der Tumor in Mickeys Bauch ist inoperabel und bereits auf die Größe eines Apfels angewachsen. Mit ihrem Todesurteil will sich die junge Frau aber nicht abfinden, weshalb sie mit ihrem Vater Jake (John Adams) in die Wälder fährt. Dort begibt sie sich in die Hände der Heilerin Solveig (Toby Poser), die ein drei Tage andauerndes Ritual an Mickey vollführt. Der skeptische Jake ist keine große Hilfe. Und je absonderlichere Züge Solveigs ohnehin schon unkonventionellen Methoden annehmen, desto angespannter wird die Lage zwischen Vater und Tochter.
Fulminante Familienangelegenheit
Das Subgenre des Folk-Horrors, zu dessen bekanntesten Vertretern Filme wie Der Hexenjäger (OT: Witchfinder General; 1968) und The Wicker Man (1973) zählen, ist nicht neu und viel älter als sein Name. Der wurde nämlich erst 2010 popularisiert und nahm damit die Renaissance vorweg, die besagtem Subgenre noch im selben Jahrzehnt widerfuhr. The Witch (2015) von Robert Eggers, Apostle (2018) von Gareth Evans und Midsommar (2019) von Ari Aster sorgten dafür, dass junge Filmschaffende scharenweise in die Wälder strömten, um den erfolgreichen Vorbildern nachzueifern.
Ein Blick auf das Plakat von Mother of Flies, das eine hexenartige Gestalt in einem tranceähnlichen Zustand zeigt, lässt Ähnliches befürchten; also dass hier jemand darum bemüht ist, auf der Folk-Horror-Welle zu surfen. Doch zum Glück blicken die Macher hinter dieser kleinen Filmperle auf eine lange Karriere zurück, sind von cineastischen Schnellschüssen somit weit entfernt. Neben jeder Menge Erfahrung auf dem Feld handgemachter Horrorfilme bringen John Adams und Toby Poser aber noch etwas anderes mit: die eigene Familie.
Der etwas andere Folk-Horrorfilm
John Adams und Toby Poser sind seit 1998 miteinander verheiratet und haben zwei Töchter, Zelda und Lulu Adams, die ebenfalls im Filmgeschäft tätig sind. Mehr noch: Ein Blick in die Credits von Mother of Flies offenbart, dass das Filmemachen im Hause Adams eine echte Familienangelegenheit ist. Neben den Eltern und ihren zwei Kindern sind in Nebenrollen auch John Adams Sr., John Gerald Adams, Patricia Adams und Violet Adams zu sehen. Selbstredend stammt auch die Musik, die passend zum Genre aus eingängigen Indie-Rock-Songs mit Folk-Rock-Einsprengseln besteht, von der hauseigenen Band, weshalb die Familie in eingefleischten Horrorfilmkreisen auch scherzhaft die „Adams Family“ genannt wird.
Wer angesichts so viel Do-it-yourself-Attitüde einen Amateurfilm befürchtet, ist falsch gewickelt. Zwar sieht man dem Film an, dass kein Millionenbudget zur Verfügung stand. Gemessen an den geringen finanziellen Mitteln ist das Ergebnis aber sagenhaft! Jede Einstellung ist bis ins kleinste Detail kunstvoll gestaltet. Die Montage arbeitet mit stilvollen visuellen Kongruenzen und erzeugt durch einen Wechsel von großen Einstellungsgrößen hin zu Detailaufnahmen von Flora und Fauna einen Rhythmus, der zwischen Kontemplation und Ernervierung schwankt. Und einige praktische Effekte lassen selbst das geübte Auge verwundert darüber zurück, wie die Adams Family das wohl angestellt hat. Das Beste am Film ist jedoch, wie wenig er gängige Klischees bedient.
Das sahen auch die Besucher des 13. HARD:LINE Film Festivals in Regensburg so. Dort belegte Mother of Flies beim Publikumspreis Rang 3. Eine gerechte Platzierung für einen Film, der die Themen Familie, Krankheit, Tod und Magie auf eine erfrischend andersartige Weise miteinander vermengt und dabei einzigartige Bilder schafft, die einen alsbald magisch in den Bann zieht.
OT: „Mother of Flies“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: John Adams, Zelda Adams, Toby Poser
Drehbuch: John Adams, Zelda Adams, Toby Poser
Musik: John Adams, Zelda Adams, Toby Poser
Besetzung: Zelda Adams, Toby Poser, John Adams, Sofia Macaluso, Lulu Adams
Fantasia Film Festival 2025
Sitges 2025
Fantastic Fest 2025
HARD:LINE Festival 2026
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