Nur ein kleines bisschen Glück la bonne etoile
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Nur ein kleines bisschen Glück

Nur ein kleines bisschen Glück la bonne etoile
„Nur ein kleines bisschen Glück“ // Deutschland-Start: 10. September 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Frankreich, 1940: Jean Chevalin (Benoît Poelvoorde) ist ein einfacher, wenig gebildeter Familienvater, der den Krieg keinen einzigen Tag aushält und desertiert. Mit seiner Frau Paulette (Audrey Lamy) und seinem Sohn Marcel (Louis Lagorce Douce-Doussière) hat er das Ziel, seine Familie in die unbesetzte „Freie Zone“ im Süden bringen. Als er hört, dass Juden von Fluchtnetzwerken und Widerstandskämpfern bevorzugt geholfen werde, verfällt er auf eine groteske Idee: Aus Jean, Paulette und Marcel werden Jacob, Sarah und Joseph Chevalowitsch – eine jüdische Familie auf der Flucht, jedenfalls der Behauptung nach. Das Täuschungsmanöver bringt die Chevalins in Kontakt mit tatsächlich verfolgten Menschen, mit Kollaborateuren und Widerständlern. Zentral ist die Begegnung mit dem jüdischen Friseur Samuel „Sam“ Goldstein (Pascal Elbé), der Chevalin in einem Kino irrtümlich für einen Schleuser hält; weil Chevalin nicht am vereinbarten Treffpunkt erscheint, wird Goldstein verhaftet und von seinem kleinen Sohn Salomon getrennt. Eine spätere Begegnung mit Goldstein – Chevalin gilt inzwischen  als Widerstandskämpfer – verändert Jean nachhaltig: Aus dem Opportunisten wird nach und nach jemand, der Verantwortung für andere übernimmt. 

Riskante Ausgangsidee

Nur ein kleines bisschen Glück ist der vierte Spielfilm des Schauspielers, Autors und Regisseurs Pascal Elbé, der  zuletzt mit der leichten Beziehungskomödie Schmetterlinge im Ohr reüssierte – einem Film über einen Mann, der lieber sein Gehör verliert, als sich seiner Umwelt wirklich zu öffnen. Von dieser eher kleinformatigen Beobachtung menschlicher Verstocktheit wagt sich Elbé nun in weitaus größeres, heikleres Terrain: eine Tragikomödie über Antisemitismus, Besatzung und die Frage, wie sehr Vorurteile mit der Realität kollidieren müssen, um zu zerbrechen. 

Der Kniff, mit dem Elbé arbeitet, ist so schlicht wie riskant: Ein Mann, der insgeheim glaubt, Juden hätten es im besetzten Frankreich leichter, wird gezwungen, genau diese Rolle zu leben – und lernt dabei, wie falsch sein Vorurteil war. Gelacht werden soll dabei nicht über das Leid der Verfolgten, sondern über die Dummheit dessen, der dieses Leid für einen Vorteil hält. Das ist auf dem Papier eine kluge, fast aufklärerische Volte, und sie funktioniert im ersten Drittel des Films auch überraschend gut, weil Elbé sie mit Tempo, Situationskomik und einem klaren moralischen Kompass erzählt. 

Große Vorbilder

Genau hier drängt sich unweigerlich der Vergleich mit Das Leben ist schön auf. Doch wo Roberto Benignis Film seine Kraft aus der bedingungslosen Liebe eines Vaters zieht, der die Wirklichkeit für sein Kind in ein Spiel verwandelt, beginnt Nur ein kleines bisschen Glück bei der Ignoranz eines Mannes, der zunächst nur sich selbst retten will. Das ist ein interessanter, unbequemer Ausgangspunkt – aber auch ein schwieriger, weil der Film seine Hauptfigur erst läutern muss, bevor man sie wirklich mag. Und in der langen Tradition der französischen Besatzungskomödie, zu der auch ein Klassiker wie Die große Sause gehört, wirkt Nur ein kleines bisschen Glück seltsam unentschlossen: mal Gaunerstück, mal historisches Drama, mal humanistische Fabel. Diese drei Register verbinden sich nicht immer organisch; besonders die zweite Hälfte wirkt episodisch und verliert an erzählerischer Spannung, wenn der Film von einer Begegnung zur nächsten hetzt, ohne dass daraus immer zwingende Konsequenzen erwachsen. 

Was ihn trotzdem trägt, ist Benoît Poelvoorde. Der Belgier, seit seinem Durchbruch in der schwarzhumorigen Mockumentary Mann beißt Hund für die Kunst bekannt, aus abstoßenden oder einfältigen Figuren noch etwas Menschliches herauszuholen, findet auch hier genau den schmalen Grat zwischen Feigheit, Dummheit und wachsender Empathie, auf dem Jean Chevalin nicht in reine Verachtung kippt. Wer Poelvoorde aus komödiantischeren Arbeiten wie Nichts zu verzollen oder Das brandneue Testament kennt, weiß, wie mühelos er zwischen Klamauk und Ernst wechseln kann – und genau diese Beweglichkeit ist es, der Nur ein kleines bisschen Glück seine besten Momente verdankt. Audrey Lamy gibt der Familie als Paulette einen nüchternen Realitätsanker, und Pascal Elbé selbst verleiht dem jüdischen Vater Samuel Goldstein als Gegenfigur zu Jean das nötige emotionale Gegengewicht. 

Am Ende bleibt ein Film, dem man seinen klugen Grundeinfall und seine guten Absichten nicht absprechen kann, der sich zwischen Volkskomödie, Fluchtdrama und moralischer Fabel aber selten entscheidet und dadurch erzählerisch unausgegoren wirkt.  Nur ein kleines bisschen Glück ist aber weder eine geschmacklose Verharmlosung einer schrecklichen historischen Realität, noch die kluge, treffsichere Satire, die er hätte sein können. Er ist, mit Verlaub, ziemlich genau das, was man mit „geht so“ umschreibt.

Credits

OT: „La bonne étoile“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Pascal Elbé
Buch: Pascal Elbé
Musik: Valentin Couineau, Romain Allender
Kamera: Gilles Henry
Besetzung: Benoît Poelvoorde, Audrey Lamy, Pascal Elbé, Zabou Breitman, Hugo Becker, Stéphan Wojtowicz, Philippe Uchan

Bilder

Trailer

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Nur ein kleines bisschen Glück
fazit
Ein kluger, riskanter Einfall – ein französischer Christ gibt sich selbst als Jude aus und lernt dabei die Wahrheit hinter seinen Vorurteilen kennen –, der tonal zwischen Komödie und Historiendrama schwankt. Getragen wird der Film vor allem von Benoît Poelvoorde. Ambitioniert, uneinheitlich, streckenweise anrührend, jedoch nicht mehr als Mittelmaß.
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