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Northbound

„Northbound“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Auch im hohen Alter denkt Arthur (Bruce Dern) nicht daran, seine wilde und rebellische Art abzulegen – sehr zum Unmut seiner Verwandtschaft. Als er wegen eines weiteren Verstoßes gegen die Hausordnung den Platz in seinem Pflegeheim verliert, obliegt es seinem Enkel Kevin (Hunter Parrish), seinen Großvater in ein neues Heim zu bringen. Der Zeitpunkt könnte für Kevin nicht ungünstiger sein, denn das Familienunternehmen – eine Whiskeybrennerei in Kanada – ist insolvent und soll bald verkauft werden. Arthur freut sich, endlich aus dem Heim entlassen zu werden, und denkt nicht daran, allzu bald wieder in ein neues zu gehen, nur weil seine Familie es so will. Schließlich gelingt es ihm, seinen Enkel zu überreden, mit ihm nach Ontario zu fahren, wo er hofft, endlich Frieden mit seiner entfremdeten Ex-Frau zu schließen. Zähneknirschend willigt Kevin ein.

Auf dem Weg nehmen sie die Anhalterin Adrian (Julia Fox) mit. Die junge Frau ist wortkarg und trägt ein Geheimnis mit sich, das ihre Weiterfahrt nach Kanada noch erschweren wird.

Immer wieder kommt es wegen Arthurs Sprüchen und seiner Derbheit zu Konflikten im Wagen oder mit Fremden, denen die drei auf ihrer Fahrt begegnen. Doch je mehr Zeit er mit seinem Großvater verbringt, desto mehr hinterfragt Kevin seinen bisherigen Lebensweg und wie seine Zukunft aussehen soll. So wird die Reise nach Kanada und zum Sitz des Familienunternehmens auch zu einer Reise in die Vergangenheit für ihn und Arthur – und vielleicht sogar zurück in ein verloren geglaubtes Zuhause.

Die neue, alte Heimat

In Interviews erzählt Regisseur William Scoular gerne von den Erlebnissen mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater, der als Inspiration für Bruce Derns Figur in Northbound diente. Auch er habe eine wilde und rebellische Ader gehabt und zum Schluss seinen Sohn darum gebeten, dass er ihn aus dem Altenheim holen und zurück in seine schottische Heimat bringen solle. Vielleicht auch weil er ihm diesen letzten Wunsch leider nicht erfüllen konnte, entwickelte Scoular die Idee zu Northbound, dessen Drehbuch Ashlin Halfnight verfasste und der im Programm des Filmfestivals Oldenburg 2026 zu sehen ist. Die Mischung aus Drama, Roadmovie und Komödie thematisiert dabei zum einen die komplizierten Beziehungen einer entfremdeten Familie sowie die Idee von Heimat aus verschiedenen Perspektiven und wie diese Idee mit unserer Identität verwoben ist.

Bereits in den ersten Bildern wird deutlich, dass Scoular Heimat als etwas versteht, was man selbst wählen muss. Dass Arthur alles andere als glücklich in seinem Pflegeheim ist, mag ein Grund dafür sein, warum er mit wilden Partys, politisch inkorrekten Sprüchen und seiner antiautoritären Art bewusst aneckt. Er sei nicht Teil dieses „erleuchteten Umfelds“, erklärt die Heimleitung Kevin bei Arthurs Entlassung und wirkt dabei wie ein Schulleiter, der einen Elternteil wegen des flegelhaften Benehmens seines Nachwuchses tadelt. Natürlich bleiben auch diese gesalbten, einstudierten Worte nicht ohne einen passenden Kommentar Arthurs, der damit abermals seinen Enkel in Verlegenheit bringt. Arthur ist eine Figur, die das Establishment ablehnt, vor allem aber jegliche Heuchelei und diese beim Namen nennt, was die ein oder andere komische Situation auslöst, in die er und Kevin hineingeraten werden. In Northbound ist dies zugleich Ausdruck einer Sehnsucht nach einer Heimat, einem Ankommen in einem Umfeld, das möglicherweise weniger erleuchtet ist, sich dafür aber richtig anfühlt.

Vom Süden in den Norden

Spätestens seit Rollen wie in Alexander Paynes Nebraska ist Bruce Dern geradezu prädestiniert für die Rolle des alten Haudegens. Auch Arthur ist aus der Zeit gefallen mit seinen anzüglichen Bemerkungen, seinen Witzen unter der Gürtellinie und seinen Taten, die seine Familie – besonders aber Kevin – an den Rand der Verzweiflung bringen. Dern gelingt aber auch eine schwierige Balance als Schauspieler, die eine Figur wie Arthur nicht zu einer wandelnden Pointe macht. Seine Motivation ist seine Familie und seine Heimat – beides Dinge, die er aus den Augen verloren hat oder die nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Bisweilen wirken diese Interaktionen oder Dialoge wie Fingerübungen, die ganz nett sind, aber keinen Zuschauer überraschen dürften. Generell ist Northbound ein sehr warmherziger, jedoch dramaturgisch sehr berechenbarer Film.

Erzählerisch und visuell interessant ist der Übergang von den USA nach Kanada. Die trockene Landschaft Arizonas zu Beginn wird schon bald abgelöst von der reichen, prächtigen Wildnis des US-amerikanischen Nordens sowie später dann Kanadas. Auch visuell vollzieht Scoulars Film dieses Gefühl des Ankommens, was der Geschichte gleich eine ganz andere Atmosphäre gibt. Das ein oder andere klischeehafte Bild mag man da auch gerne verzeihen, wenn die Heimat, die sich Arthur ausgesucht hat, von solch einnehmender Pracht und Schönheit ist.

Credits

OT: Northbound
Land: USA, Kanada
Jahr: 2026
Regie: William Scoular
Drehbuch: Ashlin Halfnight
Kamera: Peter Menzies Jr.
Musik: Anne Nitkin
Besetzung: Bruce Dern, Hunter Parrish, Julia Fox, Joanna Cassidy, Dylan Baker

Bilder

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Northbound
fazit
"Northbound" ist ein warmherziges und bisweilen sehr komisches Roadmovie über Familie, Heimat und die Frage, wo man am Ende seines Lebens hingehört. William Scoular erzählt diese Geschichte zwar auf dramaturgisch recht vorhersehbaren Wegen, findet aber gerade in Bruce Derns großartiger Darstellung und der Reise vom Süden in den Norden viele berührende Momente.
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