
Nach dem Verlust seines Pferdes mitten in der Wüste Arizonas kommt Hondo Lane (John Wayne) zur abgelegenen Ranch Angie Lowes (Geraldine Page). Gemeinsam mit ihrem Sohn Johnny (Lee Aaker) wartet sie schon seit Monaten auf die Rückkehr ihres Mannes und ist skeptisch, als sie den Fremden auf ihrem Grundstück sieht. Obwohl Hondo ihr erklärt, die weitaus größere Gefahr gehe von den Apachen aus, bleibt Angie zunächst distanziert und lässt ihn nicht in ihr Haus. Lane, der viele Jahre unter den Ureinwohnern lebte und sogar eine Beziehung zu einer Apachin hatte, warnt sie vor der Bedrohung, besonders nun, da der Waffenstillstand zwischen den Ureinwohnern und der Kavallerie ins Wanken geraten ist.
Als Hondo die Ranch verlässt, dauert es nicht lange, bis die Apachen unter der Führung ihres Häuptlings Vittorio (Michael Pate) zu Angie und Johnny kommen. Von ihrer Erklärung, ihr Mann könne jederzeit wiederkommen, ist der Häuptling wenig beeindruckt. Weil sie und ihr Sohn jedoch unter dem Schutz der Apachen stehen, soll sie sich einen der Männer seines Stammes aussuchen, der von nun an mit ihr zusammenlebt und für sie sorgt.
Während Angie von Vittorio unter Druck gesetzt wird, beobachtet Hondo, wie sich der Konflikt zwischen den Apachen und der Kavallerie zusehends verschärft. Als eine Gruppe Siedler unter dem Schutz der Kavallerie durch die Wüste ziehen soll, beschließt Hondo zu handeln und Angie und Johnny vor der drohenden Eskalation zu schützen.
Hondo der Grenzgänger
Denkt man an die Karriere von Schauspieler John Wayne, nennt man wahrscheinlich Titel wie Rio Bravo, Der schwarze Falke oder Der Mann, der Liberty Valance erschoss. Über viele Jahre hatte sich Wayne als Symbolfigur eines ganzen Genres und bis zu einem gewissen Grade des US-amerikanischen Narrativs definiert. Mit wachsendem Ruhm begann Wayne gar selbst an diesem Image zu feilen, so zum Beispiel bei von ihm mitproduzierten Projekten wie Man nennt mich Hondo. Basierend auf einer Erzählung des Autors Louis L’Amour könnte man den Film als eine von vielen Freund-Feind-Narrativen ansehen, in denen die weißen Siedler versuchen, sich gegen die Brutalität der Ureinwohner zu verteidigen. Jedoch merkt man schon an der Auslegung der Hauptfigur, dass es sich Wayne und Regisseur John Farrow nicht so einfach machen, denn Hondo ist ein Grenzgänger – eine jener mythischen Figuren, die quasi aus dem Nichts auftauchen und ein Produkt dieses widersprüchlichen Landes sind.
Hondo ist eine Figur, die dieses Land geprägt hat. Konsequent scheint es da nur, wenn er praktisch wie eine Fata Morgana aus der Wüste in das Leben der anderen Figuren tritt und sich um seine Vergangenheit diverse Erzählungen, Gerüchte und Geheimnisse ranken. Sein Hund will nicht von Johnny gestreichelt werden und hat die Gabe, Ureinwohner am Geruch zu erkennen. Auf seinem Gewehr ist sein Name, der Angie an eine schlimme Schießerei erinnert und an jenen Schützen, der das Leben anderer auf dem Gewissen hat. Zudem ist Hondo sowohl in der Welt der Ureinwohner zu Hause als auch bei den Siedlern und der Kavallerie – keine der Fraktionen sucht direkten Streit mit ihm, er kennt ihre Sprachen und sein Wort hat Gewicht bei einem Apache-Häuptling wie auch einem Soldaten. Hondo ist ein Grenzgänger, der sich in vielen Welten bewegt, aber in keiner wirklich zu Hause ist, was ihn zu einem wirklich interessanten Charakter innerhalb der Karriere Waynes macht.
Entsprechend changiert das Schauspiel Waynes zwischen bekannten Manierismen und Sensibilität. Hondo ist keineswegs ein romantischer Liebhaber oder einer von jenen Revolverhelden, wie sie John Wayne schon viele Male gespielt hat. Eine besonders starke Szene ist jene, in der Hondo nach einem Kampf um sein Leben angewidert sein Gewehr von sich wirft. Wayne spielt einen Getriebenen, der endlich heimkehren will. Seine Figur weiß um den Mythos, der sie umgibt, doch will sie sich endlich von diesem emanzipieren – eine Idee, die Wayne in Der letzte Scharfschütze, einer seiner besten Leistungen als Schauspieler, noch einmal aufgreifen sollte.
Opfer auf beiden Seiten
Die Tatsache, dass Wayne immer mehr Interesse daran hatte, seinen eigenen Mythos weiterzuerzählen und zu kuratieren, merkt man Man nennt mich Hondo in vielen Belangen an. Da der Fokus der Geschichte vornehmlich auf seiner Figur liegt, sind die anderen Aspekte der Produktion auf sehr unterschiedlichem Niveau. Die Darstellung der Ureinwohner beispielsweise hat ein paar interessante Ansätze, zum Beispiel die Figur Vittorio, die durchaus nicht dem Stereotyp entspricht, das man mit dem Genre assoziiert. Im Laufe der Handlung verblasst dieser Ansatz jedoch mehr und mehr, besonders wenn es um den eigentlichen Konflikt der Apachen und der Siedler geht, der sich wie so oft um Land dreht.
Darüber hinaus merkt man Man nennt mich Hondo seine nicht immer konfliktfreie Produktion an. Da die Dreharbeiten den ursprünglichen Zeitplan überschritten und Farrow wegen einer anderen vertraglichen Verpflichtung das Projekt verlassen musste, übernahm John Ford auf Bitten Waynes die noch ausstehenden Szenen. Wie hoch sein Einfluss auf den fertigen Film war, ist schwierig zu sagen, doch die wechselnde Tonalität sowie das abrupte Ende sind nur zwei Beispiele dafür, wie unausgegoren das Endergebnis letztlich wirkt.
OT: „Hondo“
Land: USA
Jahr: 1953
Regie: John Farrow
Drehbuch: James Edward Grant
Kamera: Robert Burks, Archie Stout
Musik: Hugo Friedhofer, Emil Newman
Besetzung: John Wayne, Geraldine Page, Ward Bond, James Arness, Michael Pate, Lee Aaker, Leo Gordon
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