
Für Kyle (Georgie Farmer), Alex (Yasmin Finney), Sid (Roman Hayeck-Green) und Petey (James Scholz) ist das Internet zweites Wohnzimmer wie Abenteuerspielplatz in einem. Besonders viel Spaß haben sie daran, Sicherheitslücken in vermeintlich sicheren Systemen zu entdecken und Betrüger vorzuführen. Jetzt steht für sie aber der größte Coup in ihrer Laufbahn an: Sie wollen den Techmilliardär Don Heard (Charlie Creed-Miles) ausnehmen, indem sie ihm ein Krypto-Vermögen abluchsen. Dabei haben die vier jedoch die Rechnung ohne Lindsey (Jessica Reynolds) gemacht, die Tochter des designierten Opfers. Denn die verfolgt einen ganz eigenen Plan …
Desktop-Thriller als Heist-Variante
Ein Leben ohne Smartphone? Das ist für die meisten nicht mehr vorstellbar. Und da für viele von uns auch die Arbeitswelt stark von Computern abhängt, gibt es kein wirkliches Entkommen mehr vor den ganzen Bildschirmen. Da wundert es nicht wirklich, wenn in den letzten Jahren immer mehr Filme herauskommen, die nur noch auf irgendwelchen Bildschirmen stattfinden. Das gemeinsame Corona-Pandemie-Trauma, bei dem viele zwischenmenschliche Kontakte nur noch so stattfinden konnten, hat diesen Trend noch verstärkt. Erfolgreiche Beispiele für solche sogenannten Desktopfilme waren die Horrorfilme Unknown User (2014) und Host (2020) sowie die Thriller Open Windows (2014) und Searching (2018). Mit LifeHack kommt nun ein weiterer solcher Film zu uns, diesmal sogar auch auf die große Leinwand.
Erneut haben wir es diesmal mit einem Thriller zu tun, weshalb das eine oder andere Déjà-vu-Erlebnis nicht ausbleibt. Wobei man Regisseur und Co-Autor Ronan Corrigan zugutehalten muss, dass er nicht einfach nur das Konzept geklaut hat, sondern eine eigene Version eines solchen Desktop-Thrillers erstellt hat. So haben wir es hier prinzipiell mit einem Heist Movie zu tun, bei dem wir einer Gruppe von Menschen zusehen, wie sie jemand anderes ausnehmen wollen. Solche Filme gibt es natürlich nicht zu knapp, das Subgenre hat eine Reihe großer Klassiker hervorgebracht, von ernst bis humorvoll. Und natürlich spielt Technik dort oft eine große Rolle, wenn beispielsweise Überwachungskameras ausgetrickst werden müssen. Ungewöhnlich ist aber, dass LifeHack über weite Strecken eben wirklich nur in einem virtuellen Raum stattfindet und die Hauptfiguren vor dem eigenen Rechner sitzenbleiben.
Plötzliche Eskalation
Ob ein solcher Anblick auf Dauer einen ganzen Film tragen kann, an der Frage scheiden sich oft ein wenig die Geister. Und offen sichtlich hatte Corrigan selbst seine Zweifel daran, weshalb er sich mit der Zeit immer weiter davon verabschiedet. Parallel dazu eskaliert die Geschichte immer weiter. Zu Beginn orientiert sich LifeHack noch an realen Ereignissen, wenn etwa Betrüger und Betrügerinnen entlarvt und bloßgestellt werden. Das macht nicht nur dem Quartett Spaß, auch das Publikum darf sich daran erfreuen, wie Leute, die skrupellos andere ausnehmen und ruinieren, selbst am Pranger stehen. Später dreht der Film dann richtig auf, was zwangsläufig auch zu Lasten der Glaubwürdigkeit geht. Die britische Produktion will dann irgendwie Desktop-Film und actionreicher Genrebeitrag in einem sein, was nicht so ganz harmoniert.
Insgesamt ist das aber schon sehenswert geworden. Klar, man muss diese Art Filme schon mögen. Wenn zwischenzeitlich lauter Fenster aufploppen und irgendwo etwas geschieht, ist das schon ziemlich oberflächlich, weil es nicht unbedingt einen narrativen Zweck verfolgt. Zusammen mit der unbekümmerten Art der vier und dem Hang zur Hektik kann das anstrengend sein. Dafür ist das Quartett ganz sympathisch geworden, was in diesem Segment nun wirklich keine Selbstverständlichkeit ist. Man verbringt, anders als bei vielen Genrebeiträgen mit jüngeren Hauptfiguren, gern Zeit mit ihnen. LifeHack revolutioniert dieses Segment sicher nicht, hat diesen Anspruch aber auch nicht. Aber man darf sich zumindest über eine unterhaltsame Variation dieses neueren Filmphänomens freuen.
OT: „LifeHack“
Land: UK
Jahr: 2025
Regie: Ronan Corrigan
Drehbuch: Ronan Corrigan, Hope Elliott Kemp
Musik: Two Blinks, I Love You
Kamera: Ciaron Craig
Besetzung: Georgie Farmer, Yasmin Finney, Roman Hayeck-Green, James Scholz, Jessica Reynolds, Charlie Creed-Miles
SXSW 2025
Fantasia Film Festival 2025
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