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House of the Wind

„House of the Wind“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Die alte Josette (Josette Kwanya) lebt ganz allein in Kameruns Hauptstadt. Denn ihre sechs Kinder haben das Land der Arbeit wegen verlassen. In der Hoffnung, dass sie eines Tages zurückkehren werden, baut Josette jedem ihrer Kinder mit dem Geld, das sie ihrer Mutter aus dem Ausland schicken, nacheinander ein Haus. Als sie ihren Ausweis verliert und deshalb kein Geld mehr von der Bank abheben kann, bittet Josette die junge Sarah (Moudjeu Pouadeu), eine Zufallsbekanntschaft aus der Nachbarschaft, um Hilfe. Sarahs Hilfe bleibt nicht ohne Gegenleistung. Die Frau Mitte 30, die bereits traditionell verheiratet ist, ihren gewalttätigen Mann jedoch verlassen hat, möchte den Franzosen Adrien (Adrien Jolivet) heiraten. Weil die Hochzeit Sarahs Eltern aber ein Dorn im Auge ist, gibt sie vor Adrien kurzerhand Josette als ihre Mutter aus und zieht bei ihr ein. Was die ausgesprochen traditionelle Josette vor ungeahnte Herausforderungen stellt.

Familienfundamente

Das „Haus des Windes“, das diesem Film seinen Namen gibt, steht in Jaunde und gehört der alten Josette. Die 80-Jährige führt zwar kein abgeschiedenes, aber ein abgeschottetes Leben. Mitten in Kameruns pulsierender Hauptstadt wohnhaft, in einer Frauengruppe aktiv und permanent in Bewegung, lässt die rüstige Rentnerin niemanden hinter die hohen, mit Stacheldraht abgesicherten Mauern ihres Hauses ein. Derweil errichtet sie unermüdlich weitere Häuser für ihre im Ausland lebenden Kinder, in der Hoffnung, dass diese eines Tages in ihre Heimat und an die Seite ihrer Mutter zurückkehren werden. Der Hausbau ist derweil mehr als nur der zur Schau gestellte Reichtum des eigenen Nachwuchses, der sozialen Normen und gesellschaftlichem Druck entspringt. Er dient Josette auch zur Zerstreuung und dazu, die Augen vor der Realität, dass ihre Söhne und Töchter keine Zukunft mehr in Kamerun und ihr Glück längst in Europa gefunden haben, zu verschließen.

House of the Wind bzw. La maison du vent, wie der Film im Original heißt, ist das Debüt von Auguste Bernard Kouemo Yanghu – und ein sehr persönliches. Die Hauptdarstellerin Josette Kwanya, die 2024 starb und der dieses Drama gewidmet ist, ist die Mutter des Regisseurs. Die Handlung ist von ihrem Leben inspiriert. Wie im Film hat Josette auch im wahren Leben sechs Kinder, die Kamerun den Rücken gekehrt haben. Kouemo Yanghu lebt beispielsweise seit 20 Jahren in Frankreich und ist inzwischen französischer Staatsbürger, wofür er seine kamerunische Staatsbürgerschaft abgeben musste. Sein Debüt ist eine kluge, bisweilen kontemplative und poetisch angehauchte Auseinandersetzung mit Heimat, Fremde und Familie.

Von Blut, Wasser und Mauern in den Köpfen

Ohne es explizit auszusprechen, stellt Kouemo Yanghu mit seinem Film die Frage, was Familie ausmacht. Sind es die Blutsbande, die nicht verhindern können, dass sich Josettes Kinder immer weiter von ihrer Mutter entfremden? Oder sind es Wahlverwandtschaften, die wir im Laufe unseres Lebens mit anderen Menschen eingehen? So wie die kleine Ersatzfamilie, die Josette und Sarah im Film gründen. Die von Moudjeu Pouadeu gespielte Frau Mitte 30 wird von ihrer eigenen Familie verstoßen. Sarahs und Josettes Beziehung ist anfangs eine reine Zweckgemeinschaft, aus der schließlich ein tiefes und ehrliches Gemeinschaftsgefühl erwächst, das sich ganz am Ende auf die gesamte Nachbarschaft ausweitet.

Mit House of the Wind ist Kouemo Yanghu ein Debüt geglückt, das auf eine gelungene Mischung aus beinahe dokumentarischem Realismus in den Straßen Jaundes und einer poetischen Erzählweise vermittels metaphorischer und symbolisch aufgeladener Bilder setzt. Was dem Film dramaturgisch an Geradlinigkeit mangelt, machen die zwei Hauptdarstellerinnen mit überzeugenden Leistungen wett. Dieser Mix hat dem Debütanten eine Einladung zu den 83. Internationalen Filmfestspielen von Venedig beschert, wo der Film in der Sektion Orizzonti zu sehen ist. Ob der Film einen Preis vom Lido mit nach Hause nehmen wird, bleibt abzuwarten. Die Entwicklung seiner Hauptfigur ist zumindest preisverdächtig. Denn Josette reißt erst die Mauer in ihrem eigenen Kopf und schließlich wortwörtlich Mauern ein. Einen schöneren Liebes- und Abschiedsbrief an die eigene Mutter hätte der Regisseur nicht schreiben können.

Credits

OT: „La maison du vent“
Land: Kamerun, Frankreich, Belgien, Benin, Saudi-Arabien, Katar
Jahr: 2026
Regie: Auguste Bernard Kouemo Yanghu
Drehbuch: Auguste Bernard Kouemo Yanghu
Musik: Michel Duprez, Blick Bassy
Kamera: Eva Sehet
Besetzung: Josette Kwanya, Moudjeu Pouadeu, Adrien Jolivet

Bilder

Trailer

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Venedig 2026

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House of the Wind
fazit
„House of the Wind“ ist eine kluge, bisweilen kontemplative und poetisch angehauchte Auseinandersetzung mit Heimat, Fremde und Familie. Das Debüt des französischen Regisseurs Auguste Bernard Kouemo Yanghu, dessen Wurzeln in Kamerun liegen, besticht durch seine Mischung aus Realismus und Poesie. Dramaturgisch ist allerdings noch Luft nach oben.
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