© Marketing Film / Toho Co., Ltd.

Godzilla und die Urweltraupen

„Godzilla und die Urweltraupen“ // Deutschland-Start: 5. April 1974 // 29. Juli 2004 (DVD/ Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Nach einem schweren Taifun soll der Reporter Ichiro Sakai (Akira Takarada) gemeinsam mit der Fotografin Junko Nakanishi (Yuriko Hoshi) Fotos von den Verwüstungen an der japanischen Küste machen. Während ihre Kollegen sich auf die Rede des Tokioter Bürgermeisters konzentrieren, der auf ein neues Bauprojekt an der Küste zu sprechen kommt, bemerkt Junko etwas Ungewöhnliches: eine große Schuppe, die an Land gespült wurde und eigenartig glänzt. Als wäre dies nicht schon sonderbar genug, wird in der Nähe eines Fischerdorfes ein übergroßes Ei an Land gespült. Da die Bewohner durch das Unwetter um ihr finanzielles Überleben kämpfen, verkaufen sie es an den Geschäftsmann Kumayama (Yoshifumi Tajima) und dessen Geschäftspartner Jiro Torahata (Kenji Sahara). Diese planen bereits einen Vergnügungspark und eine Hotelanlage rund um den Fund, der sicherlich viele Touristen anziehen wird.

Junko, Ichiro und der Wissenschaftler Professor Miura (Hiroshi Koizumi) ahnen jedoch, dass es weitaus mehr mit dem Ei auf sich hat, und wollen Nachforschungen anstellen. Dabei erscheinen ihnen zwei winzige Zwillingsschwestern (Emi und Yumi Ito), die um die Rückgabe des Eis bitten. Es gehört einer Kreatur namens Mothra, einer mächtigen Gottheit aus ihrer Heimat Infant Island.

Unter dem Erdreich, das der Taifun aufgewühlt hat, erhebt sich plötzlich Godzilla. Auf seinem Marsch durch Japan richtet er verheerende Zerstörungen an, und auch das Militär scheint machtlos gegen das Monster zu sein. Während die Politiker gemeinsam mit den Obersten der japanischen Armee ein neues Manöver gegen Godzilla planen, wollen Junko, Ichiro und Miura Mothra um Hilfe bitten. Doch die Bewohner von Infant Island und die beiden Zwillingsschwestern haben angesichts der Zerstörung ihrer Heimat durch Atomtests und der Weigerung der Menschen, Mothras Ei zurückzugeben, wenig Interesse daran, den Japanern zur Seite zu stehen.

Godzilla am Wendepunkt

Mothra vs. Godzilla, der in Deutschland auch unter dem Titel Godzilla und die Urweltraupen bekannt ist, ist der vierte Godzilla-Film von Regisseur Ishiro Honda. Seit dem ersten Film von 1954 hatte Honda mit Ausnahme von Godzilla kehrt zurück (1955) bei allen Filmen Regie geführt und darüber hinaus das filmische Universum der Reihe erweitert. Mit Mothra bzw. Mothra bedroht die Welt (1961) gelang ihm ein Film, der zum einen aus kommerzieller Sicht sehr erfolgreich war und zum anderen seine Bedenken bezüglich der Nutzung von Atomenergie und -waffen weiterführte. Nachdem ein erster Crossover mit King Kong bereits ein Erfolg gewesen war, lag es auch im Interesse des Produktionsstudios Toho, Mothra und Godzilla in einem Film zu vereinen. Mothra vs. Godzilla ist damit so etwas wie ein Eventfilm, der auf Effekte und spektakuläre Bilder setzt, dabei aber auch die Kernthemen der Filmreihe nicht vergisst.

Man könnte sogar sagen, dass Mothra vs. Godzilla so etwas wie einen Wendepunkt innerhalb der Filmreihe markiert. Zum einen sollte es das letzte Mal sein, dass der beliebte Kaiju als „Bösewicht“ gezeigt wird, dessen Erscheinen für Angst und Schrecken sorgt. Darüber hinaus werden sowohl Godzilla als auch Mothra als Folgen einer Politik dargestellt, die auf Expansion, Militarismus und Ausbeutung ausgelegt ist. Dies wird schon in der ersten Szene deutlich, als Ichiro und Junko auf die seltsame Schuppe stoßen, die sich bald als Hautschuppe Godzillas herausstellen wird. Auf die Ermahnungen ihres männlichen Kollegen hört die junge Fotografin indes nicht. Sie interessiert sich weniger für die Zerstörung durch den Taifun als für dieses andere Detail. Derweil hören ihre Kollegen der Rede eines Politikers zu, der die Umgestaltung der Küste anpreist – ein groß angelegtes Projekt, das nach der letzten Zerstörung des Gebiets durch Godzilla die Küste wirtschaftlich neu erschließen soll. Honda scheint anzudeuten, dass die Sünden der Vergangenheit zwar begraben, aber noch lange nicht vergessen sind. Geschickte Rhetorik und Versprechen eines wirtschaftlichen Erstarkens lassen vergessen, was war.

Kapitalismus und Atomkritik

Steht Godzilla für die Sünden der Vergangenheit, scheint Mothra wie das Versprechen einer Gemeinschaft zu sein. Schon in Hondas Film von 1961 wirkte die übergroße Motte weniger bedrohlich als die Riesenechse, sodass die Rolle des eigentlichen „Monsters“ eben jenen Menschen zugeteilt wurde, die sie für ihre Zwecke instrumentalisierten. In Mothra vs. Godzilla führt Honda diesen Gedankengang weiter: Mothras Ei soll zum Zentrum eines Themenparks werden und die Bewohner von Infant Island werden eines wichtigen Teils ihrer Kultur beraubt. Dass die Insel und ihre Bewohner zudem noch Zeugen verschiedener Atomtests geworden sind, versteht sich in der Welt der Godzilla-Filme da schon fast von selbst. Zur Kapitalismuskritik des Films passt natürlich auch, dass die Zwillinge – Repräsentantinnen der Insel – um die Übergabe des Eis bitten, Geschäftsmänner wie Kumayama und Torahata jedoch lediglich darüber nachdenken, wie sich auch die beiden vermarkten lassen.

Ganz im Sinne eines Eventfilms bietet Mothra vs. Godzilla einiges an Schauwerten. Die Miniaturarbeit ist besonders beachtlich, wie man am Marsch Godzillas durch Tokio sehen kann. Auch der Kampf der beiden Kaijus ist gelungen inszeniert, selbst wenn einige der Effekte aus heutiger Sicht eher niedlich oder gar albern wirken.

Credits

OT: „Mosura tai Gojira“
AT: „Mothra vs. Godzilla“
Land: Japan
Jahr: 1964
Regie: Ishiro Honda
Drehbuch: Shinichi Sekizawa
Kamera: Hajime Koizumi
Musik: Akira Ifukube
Besetzung: Akira Takarada, Yuriko Hoshi, Hiroshi Koizumi, Yu Fujiki, Yumi Ito, Emi Ito

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Godzilla und die Urweltraupen
fazit
"Mothra vs. Godzilla" ist der insgesamt vierte Film der populären Filmreihe. Regisseur Ishiro Honda verbindet seine Bedenken hinsichtlich der Atomenergie mit einer Kritik am Kapitalismus. Dennoch ist der auch als "Godzilla und die Urweltraupen" bekannte Film ein Blockbuster, der mit beachtlichen Miniatureffekten aufwartet, auch wenn einige seiner Effekte aus heutiger Sicht eher putzig wirken.
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10