Carolina Caroline
© Plaion Pictures

Carolina Caroline

Carolina Caroline
„Carolina Caroline“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Es sieht nach einem ganz normalen Tag aus, als Caroline Daniels (Samara Weaving) zu ihrer Arbeit in einer Tankstelle in Texas fährt. Doch das ändert sich, als sie dort auf Oliver Anderson (Kyle Gallner) trifft, einen Gelegenheitsbetrüger, der gerade ihren Chef beim Wechselgeld übers Ohr haut. Caroline durchschaut ihn sofort, verrät ihn aber nicht, da sie Gefallen an ihm gefunden hat. Tatsächlich beschließt sie, sich dem Fremden anzuschließen. Gemeinsam wollen sie nach South Carolina reisen, wo ihre Mutter leben soll, die sie und ihren Vater verlassen hat, als sie noch ein Kind war. Unterwegs setzen sie die Betrügereien von Oliver fort, scheuen aber auch nicht vor kleineren Banküberfällen zurück, um sich über Wasser zu halten …

Eine verhängnisvolle Liebe

Mehr als sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Regisseur Adam Carter Rehmeier mit Dinner in America – A Punk Love Story einen Film herausbrachte, der auf diversen Festivals das Publikum begeisterte und später auch Kultstatus gewann. Die Tragikomödie war ein echter Geheimtipp für Fans schräger und warmherziger Außenseitergeschichten. An diesen Erfolg konnte er 2024 mit Snack Shack nicht anschließen, obwohl die Coming-of-Age-Komödie gute Kritiken erhielt. Nun gibt es mit Carolina Caroline endlich wieder ein neues Werk des US-amerikanischen Filmemachers. Und obwohl dieses in eine andere Richtung geht als die vorangegangenen, Rehmeier hier erstmals auch gar nicht das Drehbuch selbst verfasst hat, wäre es ihm doch zu wünschen, dass sich möglichst viele Zuschauer und Zuschauerinnen für den Film finden.

Dass hier ein anderer die Geschichte geschrieben hat, lässt sich in mehrfacher Hinsicht deutlich erkennen. Beispielsweise ist die Tonalität eine andere. Während die beiden vorangegangenen Filme doch humorvoll waren, ist hier nur wenig davon zu spüren. Und auch die Konventionalität der Handlung hätten Leute, die Rehmeier durch seine letzten Werke kennengelernt haben, nicht erwartet. Carolina Caroline ist ein im Grunde sehr klassischer Film, der Vergleiche zu anderen Geschichten um kriminelle Paare, die durchs Land reisen, fast schon erzwingen. Gerade an Bonnie und Clyde führt praktisch kein Weg vorbei, quasi die Blaupause für solche Filme. Deswegen erwartet man hier auch gar nicht erst, dass der gemeinsame Trip irgendwie gut ausgehen könnte. Von der ersten Minute an ist man darauf eingestellt, dass den zweien diese Verbrechen irgendwann um die Ohren fliegen werden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Allerdings dauert es recht lange, bis das auch wirklich geschieht. Anfangs wird zwar noch der Eindruck erweckt, dass das hier ein actionreicher Thriller werden könnte, bei dem es kontinuierlich hoch hergeht. Tatsächlich rücken diese Machenschaften aber lange in den Hintergrund, Carolina Caroline ist mehr an den Figuren interessiert. Das betrifft zum einen die familiäre Situation der Protagonistin. Die Reise zu der Mutter ist einerseits der Anlass für die Ereignisse, ohne diese direkt zu bedingen – ein klassischer MacGuffin also. Andererseits hat diese Beziehung Caroline ihr Leben lang geprägt, wenn die abwesende Mutter zu einem Symbol ihrer Träume und Hoffnungen wurde. Zum anderen ist es aber gerade die sich entwickelnde Romanze, die den Film ausmacht und dann doch ein wenig an Dinner in America erinnert.

Zwischenzeitlich sieht es so aus. Als könnte das hier vielleicht doch gut ausgehen. Und man würde es den beiden sogar wünschen, da die Annäherung irgendwie rührend ist, nicht zuletzt weil Samara Weaving und Kyle Gallner zusammen ein hinreißendes Paar sind. Doch wie das so ist, die zarte Hoffnung wird irgendwann zunichte gemacht, wenn Träume an der hässlichen Wahrheit zerplatzen. Große Lebensweisheiten lassen sich daraus kaum gewinnen, Carolina Caroline verzichtet auch darauf, nennenswerte gesellschaftliche Themen anzusprechen. Stattdessen ist der Mix aus Roadmovie, Romanze und Thriller, der 2025 auf den Toronto International Film Festival Weltpremiere hatte, ein gleichzeitig schönes und bitteres Drama um die Sehnsucht nach einem Platz in dieser Welt oder zumindest einem Ausweg.

Credits

OT: „Carolina Caroline“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Adam Carter Rehmeier
Drehbuch: William Thomas Dean IV
Musik: Chris Bear
Kamera: Jean-Philippe Bernier
Besetzung: Samara Weaving, Kyle Gallner, Jon Gries, Kyra Sedgwick

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Carolina Caroline
fazit
„Carolina Caroline“ folgt einer Tankangestellten und einem Betrüger bei ihrer Reise durchs Land auf der Suche nach einer abwesenden Mutter. Der Mix aus Romanze, Roadmovie und Thriller wechselt zwischen Genremomenten und schönen Szenen hin und her. Originell ist das weniger, zu Herzen geht der Film aber auf jeden Fall.
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