
Ein Großteil der Menschheit ist der Apokalypse zum Opfer gefallen, die wenigen Überlebenden sind über die ganze Welt verstreut. Darunter befinden sich auch Azrael (Samara Weaving) und ihr Partner Kenan (Nathan Stewart-Jarrett). Zumindest noch, denn ein religiöser Kult, der sich selbst das Sprechen verboten hat, hat beschlossen, die beiden den humanoiden Kreaturen zu opfern, die seit dem Ende der Welt ihr Unwesen treiben und die verbliebenen Menschen jagen. Azrael glückt dabei jedoch die Flucht und sie versucht, in die Wälder zu entkommen. Der Kult will aber nicht tatenlos zusehen und nimmt die Verfolgung auf. Und auch die Kreaturen sind in den Wäldern unterwegs …
Sprachloser Schrecken
Es hätte wohl seinerzeit, als der Tonfilm eingeführt wurde, niemand erwartet, dass es später zahlreiche Filmschaffende gibt, die dennoch freiwillig auf Sprache verzichten. Beispiele dafür fand man oft im Arthouse-Bereich, wo man sich durch die Stille als besonders künstlerisch zu verkaufen versuchte. In den letzten Jahren hat es aber erstaunlich viele Genrebeiträge gegeben, teils recht deftige, die ebenfalls mit sprachlosen Hauptfiguren arbeiteten. Im Thriller Silent Night – Stumme Rache begibt sich ein Mann auf einen Rachefeldzug, nachdem Gangster seinen Sohn getötet haben. Der symbolbeladene Science-Fiction-Horrorfilm No One Will Save You erzählt von einer etwas anderen Alien-Invasion. Und auch in Azrael – Angel of Death wird Sprache äußerst sparsam eingesetzt.
Ob es die Sprachlosigkeit in diesen Fällen unbedingt gebraucht hätte, darüber lässt sich natürlich immer streiten. Diese wird zwar jeweils mehr oder weniger durch die Umstände begründet. Dennoch hat man oft das Gefühl, dass das nicht mehr als ein Gimmick ist. Der Versuch, sich in dem überlaufenen Markt irgendwie hervorzuheben. Bei Azrael – Angel of Death ist das Ergebnis auch ein wenig zwiespältig. Auf der einen Seite ist es schon etwas anstrengend, wenn da zwar dauernd etwas geschieht, aber nichts verbal kontextualisiert wird. Man weiß nicht, wer diese Menschen sind, weiß nicht, was genau geschehen ist oder was es mit den Kreaturen auf sich hat. Der Film ist nicht nur bei der Sprache an sich zurückhaltend, er ist insgesamt eher nichtssagend.
Atmosphärisch, aber kein Knaller
Das bedeutet aber nicht, dass er schlecht ist. Regisseur E.L. Katz (Cheap Thrills) hat ein durchaus atmosphärisches Werk vorgelegt, wenn die Protagonistin durch einen Wald flieht, in dem überall Gefahren lauern. Dass diese Gefahren so wenig definiert sind und man etwas ausgesetzt ist, das für die Zuschauer und Zuschauerinnen nur schwer fassbar ist. Tatsächlich hat Azrael – Angel of Death sogar surreale Momente, gerade auch im weiteren Verlauf wird es ziemlich seltsam. Ein Publikum, das gern ein bisschen grübelt, bekommt da schon ein wenig was zu tun – eben weil so wenig erklärt wird. Ein Muss ist das aber nicht, wir haben es hier mit keinem Mysteryfilm zu tun.
In anderer Hinsicht wird es dafür schon explizit. Genauer ist der Horrorfilm, der auf dem South by Southwest Festival 2024 Weltpremiere hatte, ziemlich brutal geworden. Dass Azrael – Angel of Death eine FSK 18 bekommen hat und auf zahlreichen Genrefestivals zu sehen war, ist nicht grundlos geschehen. Dabei gefällt der Film durch die Atmosphäre sowie Hauptdarstellerin Samara Weaving (Ready or Not 2), die einiges an Intensität mitbringt und dafür sorgt, dass man mit der Protagonistin mitfiebert, ohne sie wirklich zu kennen. Aber auch sie kann nicht ganz verhindern, dass der Film früher oder später zur Geduldprobe wird, weil es in der gesamten Laufzeit nur wenig Entwicklung gibt. Erst ganz zum Schluss sind da einige Wendungen und Enthüllungen, die tatsächlich neue inhaltliche Elemente enthalten. Das ist ein bisschen zu wenig, weshalb die US-amerikanische Produktion zwar schon einen Blick wert ist, aber kein wirklicher Knaller.
OT: „Azrael“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: E.L. Katz
Drehbuch: Simon Barrett
Musik: Toti Gudnason
Kamera: Mart Taniel
Besetzung: Samara Weaving, Vic Carmen Sonne, Nathan Stewart-Jarrett
SXSW 2024
Fantasia Film Festival 2024
Fantasy Filmfest 2024
Sitges 2024
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