Staatsschutz
© Lotta Kilian, Jünglinge Film

Staatsschutz

Staatsschutz
„Staatsschutz“ // Deutschland-Start: 27. August 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Als Staatsanwältin fühlt sich Seyo Kim (Chen Emilie Yan) dem Gesetz verpflichtet und will allen zu Gerechtigkeit verhelfen. Doch das ist einfacher gesagt denn getan. Schon bei ihrer ersten Verhandlung muss sie feststellen, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Noch deutlicher wird dies, als sie selbst beim Fahrradfahren zur Zielscheibe eines Brandanschlags wird. Während der ermittelnde Oberstaatsanwalt Forch (Arnd Klawitter) sich zurückhaltend zeigt, ist sie davon überzeugt, dass es sich um einen rassistischen motivierten Mordversuch handelt. Bei der engagierten Anwältin Alexandra Tiedemann (Julia Jentsch) und Ayten Alican (Alev Irmak), die ebenfalls bei der Staatsanwaltschaft arbeitet, findet sie jedoch ein offenes Ohr. Und so ist sie fest entschlossen, die Schuld zu beweisen und setzt sich dafür zunehmend über Grenzen hinweg …

Auf dem rechten Auge blind?

Mit seinem Spielfilmdebüt Futur Drei landete Faraz Shariat einen echten Volltreffer. Das sensible erzählte Drama berichtete von queerer Liebe und Alltagsrassismus und erhielt dafür mehrere Preise. Anschließend arbeitete der iranisch-deutsche Regisseur an mehreren Serien, bevor er mit Staatsschutz seinen lang erwarteten zweiten Kinofilm vorlegt. Dabei lassen sich durchaus Gemeinsamkeiten finden. Zwar spielt Queerness hier nur eine sehr untergeordnete Rolle. Shariat verabschiedet sich zudem von dem Coming-of-Age-Motiv, die Figuren sind hier älter, auch wenn die Protagonistin durchaus ihren Platz in dieser Welt sucht. Das Thema Rassismus hingegen wird hier hingegen ganz groß gespielt, es ist quasi das Kernanliegen des deutschen Films.

Dieses Mal geht es aber um mehr als Diskriminierung im Alltag. In Staatsschutz werden Menschen mit Migrationshintergrund angegriffen, verletzt, teilweise sogar getötet. Es geht also um rassistisch motivierte Gewalt. Eng damit verbunden ist die Frage, wie die deutsche Justiz damit umgeht. Können Opfer darauf vertrauen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft wirklich alles dafür tun, um Taten aufzuklären? Der Film zeigt sich da von einer maximal skeptischen Seite. Von Anfang an wird gesagt, dass ein Großteil aller Fälle, unabhängig vom Thema, eingestellt werden. Rund 80 Prozent sollen es sein, was nicht sehr optimistisch stimmt. Doch wo hören die strukturellen Probleme bei der Strafverfolgung auf und beginnen die, wenn es um rechte Gewalt geht? Wird dort mehr weggeschaut? Werden Ermittlungen sogar aktiv verhindert?

Überzogen und fragwürdig

Eine Zeit lang versucht Staatsschutz, an der Stelle mit Ambivalenz zu arbeiten. Das Publikum soll an der Seite von Kim zweifeln und rätseln. Mit der Zeit wird das aber fallengelassen, die Lage eskaliert immer weiter und gibt den Blick in Abgründe frei. Prinzipiell spricht natürlich nichts dagegen, wenn ein Thriller mal richtig aufdreht. Nur wird das hier dann mit der Zeit so überzogen, dass der Bezug zum Alltag verlorengeht. Natürlich hat vieles hier einen wahren Kern und basiert auf jahrelangen Recherchen des Drehbuchteams. Dennoch, das wäre alles auch eine Nummer kleiner gegangen, anstatt überall Verschwörungen anzudeuten. In dieser überspitzten Form mögen die Spannung und der Effekt höher sein, einen Gefallen tat man sich dennoch nicht.

Und dann ist da noch das Thema der Gesetzmäßigkeit. So erzählt der Thriller, der 2026 auf der Berlinale Weltpremiere hatte, von einer Staatsanwältin, die pausenlos Grenzen überschreitet. Das ist in dem Genre zwar keine Seltenheit, immer wieder sieht man das bei der Polizei. Bei einem Film, der bemängelt, dass das Gesetz nicht eingehalten wird, ist es aber befremdlich, wenn die Staatsanwaltschaft dann ebenfalls der Ansicht ist, dass man in besonderen Fällen über all das hinwegsehen kann. Staatsschutz ist da nicht sonderlich konsequent und wird zu einem Befürworter von „Der Zweck heiligt die Mittel.“ Hätte der Film das zum Anlass genommen, um eine wirkliche Diskussion zu starten, ob man Probleme im System aus dem System heraus angehen sollte, hätte das vielleicht interessant werden können. So aber bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack und eine Staatsanwältin, die nicht den Eindruck macht, als sei sie für diese Arbeit die richtige.

Credits

OT: „Staatsschutz“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Faraz Shariat
Drehbuch: Claudia Schaefer, Sun-Ju Choi, Jee-Un Kim
Musik: Gabriel Ólafs
Kamera: Lotta Kilian
Besetzung: Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky

Bilder

Trailer

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Staatsschutz
fazit
In „Staatsschutz“ wird eine Staatsanwältin Ziel eines Brandanschlags und ermittelt daraufhin auf eigene Faust. Der Thriller thematisiert rechte Gewalt und wie diese in der Justiz missachtet wird. Das Thema ist wichtig, der Film selbst ist aber schon recht überzogen. Irritierend ist zudem, wie es letztendlich gutgeheißen wird, dass die Protagonistin die Regeln missachtet.
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