
Dass auf einem Friedhof Leichen vergraben sind, versteht sich von selbst. Denn dafür sind sie ja da. Doch bei der in Schwanitz ist die Situation anders: Offensichtlich hatte jemand den Mann lebendig begraben. Aber weshalb? Warum sollte jemand etwas derart Grausames tun? Und wer steckt hinter der Tat? Während Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) und Hannah Wagner (Jana Klinge) eben das herauszufinden versuchen, haben Friedhofsverwalter Dirk Eilers (Arnd Klawitter) und seine alte Bekannte Brigitte Grimm (Oda Thormeyer) eine böse Ahnung, worum es bei der Sache geht. Und tatsächlich wird es nicht bei dieser einen Leiche bleiben. Tierärztin Jule Christiansen (Marleen Lohse) muss sich derweilen um die Legehenne von Grimm kümmern …
Brenzlige Situationen
Auch wenn man nicht mehr ganz die Zuschauerzahlen erreicht, die noch während der Corona-Hochphase möglich waren, gehört Nord bei Nordwest nach wie vor zu den beliebteren Krimireihen im deutschen Fernsehen. Zuletzt waren es meistens sechs bis sieben Millionen Menschen, die einschalteten, um der Provinzpolizei bei der Arbeit zuzusehen. Beim letzten Mal ging es in Blindgänger um eine alte Bombe, die in Schwanitz gefunden und entschärft werden musste. Mit Das dritte Grab folgt der bereits dritte neue Film dieses Jahr, es ist der 30. Teil der 2014 gestarteten ARD-Krimireihe. Und auch wenn diesmal keine Bombe gefunden wird, brenzlige Situationen gibt es dieses Mal erneut einige – sowie eine lang zurückliegende Vergangenheit, die noch immer Auswirkungen hat.
Das beginnt alles schön rätselhaft. Nicht nur, dass wie beim klassischen Whodunit darüber gerätselt werden darf, wer den Mord begangen hat. Die Art und Weise des Mordes ist ebenfalls erklärungsbedürftig. Während bei anderen Tötungsarten, etwa per Messer oder Schusswaffe, diese nur ein Mittel zum Zweck ist, da ist hier klar, dass jemand etwas ganz Spezifisches damit beabsichtigt. Überhaupt wird bei Nord bei Nordwest: Das dritte Grab einiges recht früh klar. Wie auch bei anderen Teilen in dieser Reihe geht es am Ende gar nicht so sehr darum, das Publikum nach Antworten suchen zu lassen. Vielmehr steht im Mittelpunkt eine Bedrohung, welche urplötzlich über den kleinen Ort herfällt und die von dem Polizeiduo irgendwie aufgehalten werden muss.
Überraschend tragisch
Solche Ausflüge ins Thrillergenre, wo es mehr um das Verhindern von Verbrechen geht, weniger um das Aufklären, hat die Reihe immer mal wieder unternommen. Meistens geht es dann um irgendwelche Kriminellen, die es – rein zufällig natürlich – nach Schwanitz verschlägt. Nord bei Nordwest: Das dritte Grab geht einen etwas anderen Weg und bastelt eine deutlich persönlichere Geschichte drumherum. Damit verbunden ist auch eine etwas andere Tonalität. Bekannt sind diese Filme eigentlich eher für eine humorvolle Ausrichtung, weshalb die Gangster schon mal ziemlich überzeichnet sein dürfen. Dieses Mal setzt man auf Gefühl und Tragik. Zwischendurch wird das hier unerwartet traurig, wenn wir die letzten Details erfahren, was da genau vorgefallen ist.
Auch in anderer Hinsicht versuchte man sich an Gefühlen. Genauer wird mal wieder das Liebesdreieck bemüht, wenn der Polizist zwischen zwei Frauen steht, aber bei beiden nicht weiterkommt. Es nicht einmal versucht. Auf der einen Seite gehört das natürlich schon irgendwie zu der Reihe dazu. Man kennt es gar nicht anders. Wenn der Aspekt aber so lieblos behandelt wird wie hier, bringt das nicht viel. Das hat mehr von dem Abhaken einer To-Do-Liste. Wer sich daran nicht stört, findet mit Nord bei Nordwest: Das dritte Grab einen erneut soliden Teil der Reihe. Ein paar mehr Überraschungen wären zwar schön gewesen. Aber es geht auch so. Nächstes Mal geht es in Bei Einbruch Mord um einen Einbruch, der gleich doppelt tödlich ausfällt und dabei Fragen aufwirft.
OT: „Nord bei Nordwest: Das dritte Grab“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Greta Benkelmann
Drehbuch: Niels Holle
Musik: Stefan Hansen
Kamera: Philip Jestädt
Besetzung: Hinnerk Schönemann, Jana Klinge, Marleen Lohse, Arnd Klawitter, Oda Thormeyer, Christian Beermann, Dagmar Leesch, Jonathan Stolze, Cem Ali Gültekin
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