
Eigentlich wollten die Cheerleader-Trainerinnen Tessa (Scout-Taylor Compton) und Scarlet (Nicky Whelan) zusammen mit ihren Sportlerinnen Mary (Liana Ramirez) und Heather (Jade Patteri) nur möglichst schnell nach Washington, D.C, um dort an einem Wettkampf teilzunehmen. Und was könnte schneller gehen als der Hochgeschwindigkeitszug der Lumerex Corporation? Dummerweise ist Loklin (Louis Mandylor) aber gar nicht gut auf das Unternehmen zu sprechen. Und so tut er, was er tun muss: Er übernimmt die Kontrolle über die Technik des Fahrzeugs und sorgt damit für jede Menge Chaos. Dabei hat er jedoch die Rechnung ohne die Cheerleaderinnen gemacht. Und auch der Interpol-Agent Gray (Oliver Masucci), der sich zufällig an Bord des Zugs befindet, will der Geiselnahme nicht tatenlos zusehen …
Sinnsuche in einem Hochgeschwindigkeitszug
Im Laufe der Jahre hat es die unterschiedlichsten Filme und Serien gegeben, die an Bord eines fahrenden Zugs spielen. In The Commuter etwa spielte Liam Neeson einen ehemaligen Polizisten, der zu einem gefährlichen Job genötigt wird. In Hijack – Staffel 2 mit Idris Elba in der Hauptrolle kommt es zu der Geiselnahme einer U-Bahn. Und dann war da noch die starbesetzte Actionkomödie Bullet Train, in der mehrere Auftragskiller und Auftragskillerinnen in einem japanischen Schnellzug aufeinandertreffen. Mit Speed Train kommt nun ein weiterer Film zurück, der sich einen solchen fahrenden Zug als Setting ausgesucht hat. Doch dieses Mal wollte man wohl mal so richtig auftrumpfen in technologischer Sicht.
So wird mal wieder das Trendthema künstliche Intelligenz aufgegriffen. Dazu gibt es Computerchips, die in das Gehirn von Menschen eingepflanzt wird und die gehackt werden können. Das Darknet spielt wohl eine Rolle. Mit dem Zug hat das dann weniger zu tun, weshalb nicht ganz klar wird, warum das jetzt miteinander verbunden wird. Ganz schlau wird man auch nicht aus dem Gegenspieler und dessen Motivation. Dass er es irgendwie dem Unternehmen heimzahlen will, ist noch irgendwie nachvollziehbar. Danach hört es aber auch schon auf, weil sich Speed Train gar nicht erst die Mühe macht, aus dem Stoff einen eindeutig positionierbaren Film zu machen, der eine eindeutige Geschichte erzählt. Es passiert eine Menge in den nicht einmal anderthalb Stunden. Man weiß nur nicht genau was – und aus welchem Grund.
Ohne Konzept und ohne Budget
Ob Regisseur und Co-Autor Ryan Francis (The Jurassic Games: Extinction, Stay Out) das beantworten könnte, ist nicht sicher. Man hat bei seinem Film den Eindruck, dass er noch während der Brainstorming-Phase einfach mal losgedreht hat, bevor er ein Konzept hatte. Das muss einen nicht zwangsläufig stören. Filme können auch dann Spaß machen, wenn es keinen roten Faden gibt und sich die Geschichte auf unberechenbare Weise weiterentwickelt. Nur gibt es bei Speed Train oft keine Entwicklung. Stattdessen werden Szenen einfach mehrfach ohne große Variation gebracht. Verwirrung kann neugierig machen. Verwirrung gepaart mit Langeweile jedoch ist eine Kombination, die man doch besser vermeiden sollte, wenn man sein Publikum nicht verlieren möchte.
Wobei die mangelnde Abwechslung sicher auch mit dem geringen Budget zusammenhängt. Denn wer nichts zahlen kann, kann oft auch nichts zeigen. Die Szenen, in denen gekämpft wird, sind dann auch richtig scheußlich geworden. Als Komödie hätte das vielleicht geklappt, als tatsächlicher Genrebeitrag jedoch nicht. Allenfalls als Trash könnte Speed Train einen Blick wert sein, zumindest bleibt einem der Film stärker in Erinnerung als die meisten anderen Direct-to-Video-Produktionen. Etwas kurios aus deutscher Sicht ist zudem, dass sich Oliver Masucci für so etwas hergegeben hat und neben Leuten wie Louis Mandylor auftritt, die eigentlich in ganz anderen Filmen mitspielen, als er es üblicherweise tut. Das trägt ebenfalls dazu bei, dass der Sci-Fi-Actionstreifen kurios ist. Nur heißt kurios eben nicht automatisch gut.
OT: „Speed Train“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Ryan Francis
Drehbuch: Ryan Francis, Judah Ray
Musik: Daniel Figueiredo
Kamera: Niccolò de la Fère
Besetzung: Nicky Whelan, Scout Taylor-Compton, Louis Mandylor, Oliver Masucci, Liana Ramirez, Jade Patteri, Devanny Pinn, Karmel Bortoleti
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