
Der große Tag steht für Sandra Giesinger (Klara Lange) bevor: Sie wird ihren Freund Justus Maiwald (Yannik Heckmann) heiraten. Doch kurz bevor es so weit ist, stirbt unerwartet ihr Vater. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, müssen sie und ihre Mutter Monika (Andrea Sawatzki) erfahren, dass er die beiden jahrelang betrogen hat. Tatsächlich war er die ganze Zeit auch mit Gabi Koslowski (Anita Vulesica) zusammen, die ebenso wenig wie die gemeinsame Tochter Sandy (Cosima Henman) wusste, dass sie nur eine Zweitfrau ist. Das Verhältnis der vier Frauen ist daher kompliziert, als sie sich kennenlernen, zumal sie auch sehr unterschiedlich sind. Doch während die beiden Mütter um den Nachlass kämpfen, ist Sandy fest entschlossen, Sandras Brautjungfer zu werden …
Es soll gelacht werden
Eigentlich ist der Donnerstagabend im ZDF ja den diversen Heimatdrama-Reihen vorbehalten, siehe etwa Die Bergretter. Zumindest im Sommer will der Sender aber wohl diesen Platz für Komödien nutzen. Letztes Jahr lief da beispielsweise die sympathische Coming-of-Age-Geschichte Für immer Freibad, in der ein Jugendlicher seines Schwarms wegen den Sommer über in einem Freibad arbeitet. Ein anderes Beispiel war Die Kinderschwindlerin über eine Frau, die die Kinder ihrer Schwester als die eigenen ausgibt, um an ihre Traumwohnung zu kommen – obwohl sie Kinder nicht mag. Und auch dieses Jahr hält man offensichtlich an diesem Konzept fest, den Auftakt macht Plötzlich Schwester.
Ein sommerliches Thema gibt es hier nicht, die Geschichte ist völlig zeitlos. Das Szenario selbst klingt erst einmal dramatisch. Das Konzept der zweiten Familie, die selbst nichts von dem Doppelleben ahnt, kam in den letzten Jahren immer mal wieder in Produktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vor. In Krimis tauchte das etwa auf. Plötzlich Schwester versucht aber, die Komik in diesem Szenario zu finden. Zu dem Zweck setzt der Film auf Kontraste. So sind die beiden Frauenpaare jeweils sehr unterschiedlich: Während Sandra etwa sehr strukturiert ist und alles bis ins kleinste Detail plant, da ist ihre Halbschwester sehr chaotisch und laut. Sie macht erst einmal, nachdenken kann man später. Die Mütter spielen eine kleinere Rolle, sind eher ein Nebenstrang. Aber auch da werden Unterschiede ausgearbeitet, die so groß sind, dass man sich fragt, wie der Mann denn beide lieben konnte.
Herz aus der Konserve
Daraus hätte man sicherlich eine spannende Diskussion machen können, ob man zwei Menschen lieben kann und was einen genau anzieht. Daran hatte hier aber niemand Interesse. Stattdessen gibt es überzeichnete Figuren, die sich ständig streiten oder in schwierige Situationen bringen. Das ist dann alles lustig gemeint, ist aber vielmehr anstrengend und öde. Plötzlich Schwester gibt einem keinen Grund, warum man Zeit mit diesen Menschen verbringen sollte. Die Witze selbst sind auch ziemlich schwach geworden. Da sind nur wenige Szenen dabei, die überhaupt irgendwie in Erinnerung bleiben. Das meiste ist nur eine Aneinanderreihung von Klischees, die ohne eigene Note oder wenigstens Charme abgearbeitet werden.
Natürlich darf es irgendwann dann auch besinnlich werden, wenn die Frauen erkennen, dass sie doch mehr miteinander gemeinsam haben, als sie dachten. Alternativ merkt Sandra, dass Sandy eine Bereicherung für ihr Leben ist und ihr neue Wege aufzeigen kann. Nur investiert Plötzlich Schwester keine Arbeit in diesen Aspekt. Die Erkenntnis ist irgendwann einfach da, weil man meinte, dass der Film das jetzt braucht. Auch in der Hinsicht ist die Komödie also ziemlich faul. Muss man sich darüber ärgern? Das vielleicht nicht. Wer einfach nur mal wieder eine Geschichte sehen will, bei der es erst ordentlich kracht, bevor dann auf die Tränendrüse bemüht wird, wird hier schon fündig. Aber es gibt so viele bessere Variationen dieses Konzepts, dass man diese hier getrost überspringen kann.
OT: „Plötzlich Schwester“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Christine Rogoll
Drehbuch: Svenja Ingwersen
Musik: Matthias Petsche
Kamera: Alexander Palm
Besetzung: Klara Lange, Cosima Henman, Andrea Sawatzki, Anita Vulesica, Yannik Heckmann
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