Kritik

Gremlins Kleine Monster

„Gremlins – Kleine Monster“ // 26. Oktober 1984 (Kino) // 23. Oktober 2014 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich wollte Rand Peltzer (Hoyt Axton), seines Zeichens ebenso einfallsreicher wie erfolgloser Erfinder, Mr. Wing (Keye Lukes), Besitzer eines Antiquitätenladens in Chinatown, nur eines seiner Werke andrehen. Doch dann entdeckt er versteckt in dem Laden ein so unglaublich süßes Wesen, das ideale Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn Billy (Zach Galligan). Tatsächlich gelingt es ihm, dem Enkel des Besitzers die Mogwai genannte Kreatur abzukaufen, nachdem Mr. Wing zuvor vehement abgelehnt hat. Was er und seine Familie aber nicht ahnen: In dem putzigen Pelzknäuel steckt sehr viel mehr, wenn man die Regeln nicht beachtet. Etwas sehr sehr Böses. Und nun liegt es an Billy, zusammen mit seiner Freundin Kate (Phoebe Cates) seine Heimatstadt zu retten …

Die Karriere der Gremlins war vergleichsweise kurz, zumindest wenn man sie mit diversen anderen Horrorgeschöpfen der 80er Jahre vergleicht, die in endlosen Fortsetzungen ausgeschlachtet wurden. Wo etwa Freitag der 13., Kinder des Zorns oder Chucky – Die Mörderpuppe viele weitere Teile nach sich zogen, musste man bei den kleinen Monstern im Anschluss sechs Jahre warten, bis mit Gremlins 2 ein Nachfolger kam. Auf einen dritten Teil warten wir bis heute noch. Andererseits haben sich die Kreaturen ohnehin noch nie an Erwartungen gehalten. Vielmehrt frönten sie von Anfang an einer unheimlichen Zerstörungslust – und das auf mehreren Ebenen.

Eine lustige Vorgeschichte
Ihren Ursprung hatten sie dabei in Erzählungen englischer Piloten im Zweiten Weltkrieg, die über mysteriöse Fehlfunktionen klagten. Kurze Zeit später schrieb Roald Dahl ein viel beachtetes Kinderbuch über sie, auch in einem Kurzfilm der Looney Toons haben sie einen Auftritt. Mit diesen kinderfreundlichen Streichen haben die späten Nachkommen in Gremlins – Kleine Monster nur noch den Namen und den Hang zum Schabernack gemeinsam. Im Film werden daraus furchterregende Kreaturen mit langen Zähnen, einem reptilienähnlichen Körper und langen Ohren, die an Fledermäuse erinnern. Nicht ohne Grund sind die Gremlins äußerst lichtempfindlich.

Ansonsten sind sie aber hart im Nehmen. Vor allem aber teilen sie gerne aus: Wenn die Monster erst einmal die Bühne betreten, dann bleibt von dieser nicht viel übrig. Wobei es recht lange warten bedeutete, bis wir sie wirklich zu Gesicht bekommen. Eine Stunde ist in Gremlins bereits rum, bevor die Titelfiguren in all ihrer Hässlichkeit zu sehen sind. Ähnlich zu anderen Horrorfilmen, etwa Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, begnügt sich Regisseur Joe Dante erst einmal mit Andeutungen, mit flüchtig erscheinenden Krallen oder Schatten. Kein Wunder: Chris Columbus, der das Drehbuch schrieb, wurde durch unheimliche Geräusche inspiriert, die er in seiner Wohnung hörte. Vieles von dem, was in dem Film geschieht, ist dann auch klassisches Genrematerial.

Ein mörderischer Humor
Aber so blutrünstig die Gremlins auch sind, so gewalttätig einige Szenen, es ist eben doch nur die halbe Wahrheit. Gremlins – Kleine Monster nimmt Versatzstücke des Genres und Anmutungen aus Märchen und Legenden – darunter die moralischen Aspekte und die diversen Regeln zum richtigen Verhalten – und kombiniert diese mit jeder Menge Humor. Dieser wird schnell over the top, ist ebenso überzogen wie die besagten Looney Toons oder auch Tom & Jerry, bei denen ebenfalls komisch übertriebene Gewaltszenen an der Tagesordnung waren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gremlins nun Jagd auf Menschen machen oder selbst Gejagte sind, je absurder die einzelnen Todesszenen sind, umso besser. Ursprünglich hätte der Film sogar noch deutlich düsterer sein sollen, einige der besonders brutalen Ideen wurden dann doch verworfen, schließlich wollte man aller Abscheulichkeiten zum Trotz ein größeres Publikum erreichen – auch dank des unschlagbar süßen Gizmo.

Das tat der Film auch, er war einer der erfolgreichsten des Jahres 1984, obwohl mit Ghostbusters zeitgleich eine weitere Kult-Horrorkomödie angelaufen war. Während dort Charme und Witz aber in den menschlichen Figuren und ihren Interaktionen begründet war, sind diese in Gremlins reine Nebensache. Das Gleiche könnte man über die Geschichte als solche sagen, die bald nur noch Aufhänger ist, um einen Gag nach dem anderen zu bringen. Nur sind die eben so grotesk, teilweise auch so böse und gleichzeitig so albern, dass der Unterhaltungsfaktor 35 Jahre später noch immer wahnsinnig hoch ist. Vor allem ist aus dem damaligen Sommertitel ein Film geworden, der bei vielen zu Weihnachten fest dazu gehört. Nicht weil er eine so festliche Stimmung verbreitet, Plätzchen, Tannenbaum und Weihnachtslieder zum Trotz. Vielmehr ist es die genüssliche Zerstörung und die sehr ambivalente Haltung zum Fest, die satirische Demontage US-amerikanischer Kleinstädte, von Konsumsucht und unbeschreiblichen Kitsches, welche so manch einem um diese Jahreszeit das Herz wärmt.

Credits

OT: „Gremlins“
Land: USA
Jahr: 1984
Regie: Joe Dante
Drehbuch: Chris Columbus
Musik: Jerry Goldsmith
Kamera: John Hora
Besetzung: Zach Galligan, Phoebe Cates, Hoyt Axton, Frances Lee McCain

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Gremlins – Kleine Monster
„Gremlins – Kleine Monster“ nimmt klassische Horrorelemente und verbindet diese mit absurdem bis bösartigem Humor zu einem Film, der zwar nur bedingt eine Geschichte zu erzählen hat, der aber bis heute jede Menge Spaß macht. Die brutal verspielten Titelmonster, der unschlagbar süße Gizmo, dazu jede Menge grotesker Todesmomente auf beiden Seiten ließen den satirisch angehauchten Weihnachtsalbtraum zu einem großen Klassiker werden.
9von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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