Einfach Nina Tv Fernsehen Das Erste ARD Streamen online Video on Demand
© ARD Degeto/Repro/Stefan Erhard

Einfach Nina

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„Einfach Nina“ // Deutschland-Start: 6. Oktober 2023 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Die Irritation ist groß bei Simone (Friederike Becht) und Martin Glasewald (Ulrich Brandhoff), als eines Tages ihr Sohn Niklas (Arian Wegener) im Kleid vor ihnen steht und sich Nina nennt. Zunächst meinen sie noch, das wäre nur eine Nummer, vielleicht auch eine Phase. Doch es ist dem Kind ernst damit. Schon immer sei sie ein Mädchen gewesen, so Nina, und habe bislang ein falsches Leben geführt. Und damit müsse endlich Schluss sein, sie wolle sich nicht länger verstecken. Während Nina selbstbewusst alle Spuren ihrer Vergangenheit zerstört, hadert vor allem Martin mit der Situation. Aber auch ihr Bruder Ben (Ludwig Samuel Ott) kommt mit all den plötzlichen Veränderungen nicht klar. Zum Glück ist da aber auch noch Opa Thilo (Michael Wittenborn), der als Einziger von Anfang an komplett hinter dem Mädchen steht …

Ein Mädchen will kein Junge sein

In den letzten Jahren wurde Transgeschlechtlichkeit zu einem viel diskutierten Thema, bei dem auf beiden Seiten mit harten Bandagen gekämpft wird. Das spiegelt sich auch im Filmbereich wieder. Zahlreiche deutsche Produktionen haben das Thema auf die eine oder andere Weise aufgegriffen. So gab es beispielsweise die Krimis Der Kommissar und der See: Narrenfreiheit, Theresa Wolff: Der schönste Tag und Polizeiruf 110: Daniel A, die darüber sprachen und sich für mehr Toleranz einsetzten. Während das dort aber jeweils ein Nebenaspekt bei der Mördersuche war, rückt die ARD-Produktion Einfach Nina das Schicksal eines Transmenschen in den Mittelpunkt. Das Plädoyer für mehr Verständnis ist jedoch ähnlich.

Das Szenario könnte manchen bekannt vorkommen. Ein Junge, der anfängt, Mädchenkleidung zu tragen und sich einen Mädchennamen gibt? Das fand sich auch in den Filmen Oskars Kleid und 20.000 Arten von Bienen, die vor einigen Monaten im Kino liefen. Wo dort anfangs aber noch Unsicherheit bei den jeweiligen Kindern herrscht, sie sich ausprobieren und auf der Suche sind nach sich selbst, da ist bei Einfach Nina der Fall klar. Die Protagonistin mag erst acht Jahre alt sein, ist aber selbstbewusst und hat entscheiden, wer sie ist. Die Eltern, vor allem der Vater, mögen auf eine bloße Phase hoffen. Dass sich das alles irgendwann legt. Aber danach sieht es zumindest in den anderthalb Stunden Laufzeit nicht aus. Nina prescht voran, der Rest hat ihr zu folgen.

Reaktionen der Familie

Regisseurin und Co-Autorin Karin Heberlein setzt sich dann auch nur bedingt mit dem Thema Transgeschlechtlichkeit auseinander. Geschlechterbilder klammert sie sowieso komplett aus. Dass Nina nun nur noch Kleider tragen will, ist beispielsweise ebenso Klischee wie die Rollenverteilung bei den Eltern. Natürlich ist es mal wieder der Vater, der nicht damit leben kann, dass der Sohn kein Sohn ist, während die Mutter einfühlsamer ist. Einfach Nina macht aus ihm auch noch einen Polizisten, so wie es bei Oskars Kleid der Fall war. Subtil ist anders. Immerhin: Mit dem Großvater gibt es noch eine positive männliche Figur. Tatsächlich ist Thilo sogar der Einzige in der Familie, der sich die Mühe macht, mal etwas genauer hinzuhören und nach Lösungen zu suchen.

Insgesamt geht es bei dem Drama, das 2022 beim Filmfest Hamburg Premiere feierte und mit einem Jahr Verspätung ausgestrahlt wird, dann auch darum, wie die Familie mit dieser Veränderung klarkommt bzw. klarkommen muss. Sonderlich kreativ ist das alles wie gesagt nicht, Einfach Nina hakt die einzelnen Punkte auf der Liste ab, anstatt selbst etwas beizutragen. Auch schauspielerisch kommt das über solide nicht hinaus, das Ensemble wird nicht so richtig gefordert. Positiv fällt auf, dass hier ausnahmsweise mal auf eine billige dramatische Zuspitzung verzichtet wird, durch die eine Aussöhnung erzwungen wird. Andererseits führt dies auch dazu, dass der Sinneswandel etwas plötzlich kommt und ohne wirkliche Begründung bleibt. So wichtig der Einsatz hier ist, ganz überzeugend ist das Ergebnis nicht.

Credits

OT: „Einfach Nina“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Karin Heberlein
Drehbuch: Angela Gilges, Karin Heberlein, Christopher von Delhaes
Musik: Ephrem Lüchinger
Kamera: Ralf Noack
Besetzung: Friederike Becht, Arian Wegener, Ulrich Brandhoff, Michael Wittenborn, Ludwig Samuel Ott

Bilder

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Einfach Nina
fazit
„Einfach Nina“ erzählt von einer Familie, die damit klarkommen muss, dass der Sohn eines Tages erklärt, er sei ein Mädchen und sei es immer gewesen. Das Drama handelt dabei vor allem von den Anpassungsschwierigkeiten der Eltern, hat zu dem Thema selbst nicht wirklich viel beizutragen.
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