
Seit einigen Jahren schon hat Jack Whicher (Paddy Considine) den Polizeidienst quittiert und arbeitet seither als Privatdetektiv. Da wird er von einem alten Bekannten kontaktiert: dem Politiker Sir Edward Shore (Nicholas Jones). Dieser ist besorgt um seinen Sohn Charles (John Heffernan), der gerade erst von Indien nach London zurückgekehrt ist und von einem Mann namens Asim Jabour (Adrian Quinton) verfolgt wird. Da Shore um den guten Ruf seiner Familie besorgt ist, steht es völlig außer Frage, dass die Polizei eingeschaltet wird. Niemand soll von der Sache erfahren. Doch dann wird auf einmal Jabour tot aufgefunden und Charles steht im Verdacht, diesen ermordet zu haben. Um den Fall aufzuklären, bleibt Whicher nichts anderes übrig, als weit in die Vergangenheit zurückzureisen …
Historischer Rassismus
Lange bevor True Crime zu einem allgegenwärtigen Phänomen wurde, hatten bereits andere die Anziehungskraft realer Verbrechen erkannt. So strahlte das britische Fernsehen bereits 2011 Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House aus, das die Geschichte eines schockierenden Kindsmordes erzählte. Der TV-Film war dabei offensichtlich so beliebt, dass daraus eine ganze Reihe wurde. 2013 folgte mit Der Mord in der Angel Lane ein zweiter Teil. Dieses Mal musste der Mord an einer Jugendlichen aufgeklärt werden. Der Protagonist, einer der ersten Polizisten des 1842 gegründeten Scotland Yards, war da aber bereits als Privatdetektiv tätig. Der Fall selbst war erfunden. Und das gilt auch für Mein Fleisch und Blut, den dritten Teil der Reihe, mit dem 2014 die Reihe fortgesetzt wurde.
Die Geschichte beginnt ein wenig anders, als es die beiden Vorgänger taten. So waren diese ganz klassische Whodunits, bei denen am Anfang eine Leiche gefunden wird und herausgefunden werden muss, wer den Mord begangen hat. Zwar kommt es auch bei Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut zu einem Mord, verbunden mit der Suche nach der Tatperson. Der Fokus ist aber ein anderer. Das Publikum will wissen, was denn diese mysteriöse Vorgeschichte rund um verfolgten Charles ist. Das Schicksal des ermordeten Inders ist da eher sekundär. Das klingt schon sehr nach Rassismus. Stattdessen ist der dritte Film der Reihe aber sehr darum bemüht, einen eben solchen Rassismus anzuprangern, wenn es um die Einstellung Großbritanniens gegenüber Indien und der Menschen von dort angeht.
Mehr Gesellschaftskritik als Krimi
Tatsächlich kann man sich darüber streiten, ob das hier überhaupt noch ein Krimi ist oder nicht vielmehr eine moralistische Gesellschaftskritik. Natürlich spricht nichts dagegen, Krimis oder auch andere Genrebeiträge wie etwa Horrorfilme zu nutzen, um auch etwas über die Welt auszusagen. Man sollte aber darauf achten, dass es dann auch eine gute Balance gibt. Bei Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut schaffte man das nicht wirklich. Der Film ist eher plump in seiner Ausführung, stellt die Aussage über die Geschichte. Als Krimi ist das unbefriedigend, da man zu früh ahnt, wer es war. Aber es ist auch etwas ärgerlich, dass dem Publikum nicht zugetraut wird, selbst zu einem Schluss zu kommen. Von dem wenig realistischen Ende ganz zu schweigen.
Das heißt aber nicht, dass der Film keinen Blick wert ist. Atmosphärisch ist der Krimi mit seinem historischen Setting beispielsweise schon. Zwar übertreibt man es hier ein bisschen mit der Dunkelheit, wenn da immer wieder Szenen sind, in denen kaum noch etwas zu erkennen ist. Die Folge ist geradezu berüchtigt dafür. Stimmungsvoll ist Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut aber durchaus. Schauspielerisch passt das auch mal wieder, weshalb da schon noch genug zusammenkommt, um einen Blick riskieren zu können. Wie schon die vorangegangenen Folgen ist aber auch diese hier nicht mehr als Mittelmaß, wenngleich die Begründung immer etwas anders ausfällt. So ist die Geschichte zwar weniger verschwurbelt als beim letzten Mal, man nimmt sie durchaus ab. Dafür gibt es aber die anderen Mankos.
OT: „The Suspicions of Mr Whicher: Beyond the Pale“
Land: UK
Jahr: 2014
Regie: David Blair
Drehbuch: Helen Edmundson
Musik: Edmund Butt
Kamera: Ian Moss
Besetzung: Paddy Considine, John Heffernan, Laura Morgan, Nicholas Jones, Kate Fahy, Adrian Quinton, Ellora Torchia, Akshay Kumar
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