
München in den 1990er-Jahren. Über viele Jahre hinweg hat der Pfanni-Unternehmer Theo Meinhardt (Tobias Moretti) mit seinen Kartoffelprodukten das Münchner Umland versorgt. Doch damit ist es vorbei, schon seit einiger Zeit steht die Firma in der Krise. Nun scheint das Ende unabwendbar zu sein, er muss sein langjähriges Münchner Werk schließen. Während er versucht, das freigewordene Gelände für ein neues Stadtquartier zu nutzen, hat sein aus den USA zurückgekehrter Sohn Marius (Klaus Steinbacher) eine andere Idee: Ihm schwebt vor, die Fabrik für Musik- und Kunstprojekte zu nutzen. Vor allem sollen dort Clubs entstehen, in denen Techno gespielt wird, eine elektronische Musikrichtung, die im Trend liegt. Dabei lernt er die aufstrebende DJ Linda Bierwirth (Jule Hermann) kennen, deren Eltern als Kartoffellieferanten von dem Ende des Werks selbst betroffen sind …
Reise in eine Vergangenheit des Umbruchs
Die älteren Münchner und Münchnerinnen werden sich daran erinnern: Das im Osten der Stadt gelegene Werksviertel war von 2003 bis 2016 das Zuhause der Kultfabrik. Von 1996 bis 2003 wiederum war das Areal als Kunstpark Ost bekannt, in dem mehrere Dutzend Clubs das Münchner Stadtleben bestimmten. Zahlreiche Konzerte fanden dort statt. Eher in Vergessenheit geraten ist, dass eben dieses Areal zuvor rein industriell genutzt wurde. Zahlreiche Unternehmen hatten sich dort angesiedelt, darunter das Stammwerk von Pfanni, welches bis heute mit seinen zahlreichen Kartoffelprodukten ein Begriff ist. Der Sprung von Püree zu Techno ist natürlich ein großer und nicht unbedingt naheliegend. Da war die Neugierde doch groß, wie München Beats diesen Übergang zeigen würde, eine ZDF-Serie, die in eben dieser Zeit spielt.
Phasenweise ist das hier dann auch eine Art Zeitporträt, bei dem das Publikum dazu eingeladen wird, eine Reise in die Vergangenheit anzutreten. Das bedeutet, dass sich die Zuschauer und Zuschauerinnen auf viele 90er-Jahre-Reliquien freuen dürfen. Das betrifft Ausstattung und Kleidung. Und natürlich betrifft es auch die Musik, wenn Lieder aus der damaligen Zeit aus den Lautsprechern hallen. Ganz authentisch ist das zwar nicht. Wenn in einer normalen Kneipe plötzlich Fade Into You von Mazzy Star erklingt, dann wissen Leute, die damals Musik gehört haben: Das kannte hierzulande niemand. Ein bisschen hat München Beats was von Cosplay. Aber irgendwie ist es doch ganz nett, sich daran zu erinnern, wie das damals so war, eine Ära, die in vielerlei Hinsicht eine Art Aufbruchsstimmung verbreitete.
Mehr persönliches Drama als Zeitporträt
Leider ist dieses Zeitporträt aber eher ein Nebenprodukt. Dann und wann wird dieser Umbruch zwar thematisiert. Doch gerade die spannenden Aspekte, wenn etwa darum gekämpft wird, dass die jungen Menschen der Stadt einen Zufluchtsort haben, wo sie unter sich sein können und Ausdrucksmöglichkeiten erhalten, werden stiefmütterlich behandelt. Stattdessen legt München Beats den Fokus auf die Figuren. Das Ergebnis ist jedoch ein wenig gemischt. Gelungen ist, wie die Serie eine Parallele zieht zwischen dem Wandel der Stadt und dem Schicksal der beiden Hauptfiguren, die jeweils nach einem Weg suchen, sich von den Eltern zu emanzipieren. So leidet Marius sehr unter dem Druck des Vaters, einem Traditionalisten, der seinem Bild von Erfolg und ehrlicher Arbeit hinterherläuft, während um ihn herum alles anders wird. Und auch Linda, die sich als DJ in einer Männerwelt durchzusetzen versucht, arbeitet daran, alte Strukturen aufzubrechen.
Was leider jedoch wenig gelungen ist: Die Serie, die auf dem Filmfest München 2026 Premiere hatte, verrennt sich dann in eine Liebesgeschichte. Die ist nicht nur überflüssig, weil sie den Themen nichts hinzuzufügen hat. Sie verkommt irgendwann auch zu einer etwas billigen Seifenoper, bei der alte Geheimnisse auf den Tisch kommen. Das ist sehr schade, weil München Beats ein wirklich sehr gutes und spannendes Thema ausgesucht hat. Dazu gibt es ein talentiertes Ensemble. Am Ende ist man aber daran nicht wirklich interessiert und macht es sich stattdessen auf einem typischen Fernsehdrama gemütlich, das ein bisschen zu austauschbar ist und nicht das Potenzial nutzt.
OT: „München Beats“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Mimi Kezele
Drehbuch: Christian Schnalke, Stefani Straka, Julie Fellmann
Musik: Christoph Zirngibl, Andreas Weidinger
Kamera: Holly Fink
Besetzung: Jule Hermann, Klaus Steinbacher, Ben Münchow, Frederic Linkemann, Marlene Morreis, Sophie von Kessel, Tobias Moretti, Michael A. Grimm, Hanna Scheibe, Mortiz Jahn
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