
Der Schock ist groß, als der angesehene Radiologe Dr. Harald Wolf (Stefan Pohl) vor seinem eigenen Haus erschossen wird. Nicht nur, dass sich der Mann eigentlich großer Beliebtheit erfreute, was die Tat so unverständlich macht. Die Tatwaffe ist auch noch eine historische Pistole, die einige Wochen zuvor aus seiner eigenen Sammlung gestohlen wurde. Wer könnte das nur getan haben? Chefinspektorin Marion Geyer (Regina Fritsch) vom Landeskriminalamt Niederösterreich nimmt die Ermittlungen auf und wird dabei von ihrem jungen Kollegen Patrick Brandl (Thomas Prenn) von der örtlichen Polizei unterstützt. Als die beiden der Geschichte nachgehen, stellen sie fest, dass der Verstorbene Verbindungen zur rechten Szene hatte. Doch hat der Mord mit diesen Aktivitäten zu tun?
Krimi nach bekanntem Muster
Hierzulande dürften eher weniger Leute etwas mit dem Titel Landkrimi anfangen können. In Österreich erfreut sich die heimische Krimireihe, die eine Art Pendant zum deutschen Tatort darstellt und in verschiedenen Regionen spielt, aber größerer Beliebtheit, brachte es seit dem Start 2014 auf mehrere Dutzend Filme. Zuletzt lief bei uns vor einigen Monaten Schnee von gestern, wo der Mord am Umweltlandesrat aufgeklärt werden musste. Da diese oftmals aber Einzeltitel sind, es also keine wiederkehrenden Figuren gibt, hält sich der Wiedererkennungswert in Grenzen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Reihentitel hierzulande meist verschwiegen wird und die Filme auf verschiedenen Sendern laufen. Dadurch merkt man erst gar nicht, dass die zusammengehören. Und das gilt auch für Acht, der bei uns im ZDF gezeigt wird.
Dabei handelt es sich hier sogar um eine Fortsetzung. Genauer gab es vor mehr als vier Jahren bereits Vier, damals musste das Rätsel um drei Säuglingsleichen, die in einem überfluteten Keller gefunden wurden, aufgeklärt werden. Acht nimmt darauf, trotz des erneuten Zahlentitels, keinen Bezug. Vorkenntnisse braucht es also nicht. Mit Geyer ermittelt jedoch die damalige Protagonistin erneut. Erneut wird diese in die Provinz geschickt, wo sie mit der örtlichen Polizei zusammenarbeiten muss. War es damals eine junge Kollegin, ist es jetzt ein junger Kollege. Dieser Kontrast aus Stadt und Land und der Altersunterschied werden schon aufgenommen und beeinflussen die Dynamik innerhalb des Teams. Man hält sich jedoch einigermaßen damit zurück und tappt nicht in die Klischeefalle der Kompetenzstreitigkeit.
Gesellschaftliche Ambitionen
Dafür ist Acht in anderer Hinsicht nicht eben zurückhaltend, wenn es darum geht, Klischees auszugreifen. So wird bei dem Blick auf die rechte Szene und Freidenker nicht an Stereotypen gespart. Ob nun Lügenpresse, der Kampf gegen Corona-Maßnahmen oder umstürzlerische Gedanken, da wird das übliche Eigenschaftenbündel abgehakt. Hinzu kommt eine angestrebte Lockerung der Waffengesetze. Lediglich Rassismus fehlt noch zum vollständigen Bingo-Glück. Das ist ein bisschen schade, weil Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer in ihren eigenen Filmen wie Corsage und Gentle Monster sehr viel spannendere und ambivalentere Geschichten erzählt. Dafür ist im österreichischen Fernsehen wohl kein Platz.
Bemerkenswert ist dafür das Ende, das man je nach Sichtweise befremdlich oder mutig nennen darf. Auf jeden Fall verweigert es sich der üblichen Krimiauflösung. Kreutzer bringt an der Stelle auch einige Tragik hinein, dazu ein weiteres wichtiges gesellschaftliches Thema. Acht ist jedoch nicht übermäßig glaubwürdig, in der Hinsicht sollte man nicht zu viel erwarten. Das ist insgesamt zwar schon etwas besser als bei dem genannten Vorgänger und ersten Auftritt der Protagonistin. Mehr als Mittelmaß ist der zweite Einsatz aber auch nicht geworden. Einen Popularitätsschub der Reihe in Deutschland wird man so eher nicht erreichen.
OT: „Acht“
Land: Österreich
Jahr: 2025
Regie: Marie Kreutzer
Drehbuch: Marie Kreutzer
Musik: Mira Lu Kovacs
Kamera: Leena Koppe
Besetzung: Regina Fritsch, Thomas Prenn, Verena Altenberger, Stefan Pohl, Zeynep Buyrac, Hilde Dalic, Alexander Strobele, Julia Cencig
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