Ghostbusters Legacy Afterlife
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Ghostbusters: Legacy

Inhalt / Kritik

Ghostbusters Legacy Afterlife
„Ghostbusters: Legacy“ // Deutschland-Start: 18. November 2021 (Kino) // 10. Februar 2022 (DVD/Blu-ray)

Mit Geld konnte Callie (Carrie Coon) irgendwie nie so richtig umgehen. Als sie mal wieder mit der Miete im Verzug ist, heißt es dann auch Koffer packen und woanders unterkommen. Aber vielleicht gibt es ja einen Ausweg, hat ihr doch ihr Vater, der die Familie seinerzeit verlassen hat, eine kleine Farm hinterlassen. Die befindet sich zwar mitten im Nirgendwo, was ihre beiden Kindern Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (Mckenna Grace) mächtig nervt. Aber irgendwie wird sich das schon zu Geld machen lassen. In der Zwischenzeit heißt es aber erst einmal, etwas heimisch zu werden – nicht ganz einfach, galt ihr Vater doch als verrückter Eigenbrötler. Aber es gibt auch Leute, welche die drei willkommen heißen, darunter Phoebes Klassenkamerad Podcast (Logan Kim), deren Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd) sowie Lucky (Celeste O’Connor), die es Trevor angetan hat. Gleichzeitig scheint an dem Ort aber auch etwas Finsteres vor sich zu gehen …

Zurück in die Vergangenheit

Ein bisschen darf man sich bei Ghostbusters: Legacy an Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht erinnert fühlen. In beiden Fällen ging es darum, ein beliebtes Franchise wieder zurückzuholen, nachdem vorangegangene Teile mindestens kontrovers aufgefasst wurden. Bei den Geisterjägern war es die rein weibliche Ausgabe von 2016, die von nicht wenigen gehasst wurde, aus den unterschiedlichsten Gründen. Um einen derart toxischen Titel vergessen zu lassen, heißt es daher, zurück in die Vergangenheit zu reisen und direkt an die Originale anzuschließen. Im Zweifel wird dann doch wieder das ausgepackt, was schon einmal geklappt hat, in der Hoffnung, dass das Nostalgiebedürfnis des Publikums wieder für pralle Kassen sorgt.

Wobei Ghostbusters: Legacy in der Hinsicht der in sich stimmigere Titel ist. Wo die Sternenkrieger den Anschluss nur damit geschafft haben, indem so getan wurde, als wäre dreißig Jahre lang die Zeit stehengeblieben, da machen die Geisterjäger auf jeden Schritt klar, wie viel seither geschehen ist. Schon Ghostbusters II spielte 1989 damit, dass die Ereignisse aus Ghostbusters – Die Geisterjäger nur wenige Jahre später schon in Vergessenheit geraten sind. Aus den in Medien umjubelten Helden wurden traurige Nobodys, die auf Kindergeburtstagen auftreten. Beim dritten Teil reicht es nicht einmal mehr für das. Die vier Männer, die einst New York City retteten, sind Geschichte. Eine Geschichte, an die sich niemand erinnert, von einigen Nerds vielleicht einmal abgesehen. Für die sich niemand mehr interessiert.

Mehr Mensch als Geist

Ein wichtiges Motiv in dem Film ist daher, sich mit der Vergangenheit zu befassen und die eigenen Wurzeln wiederzuentdecken. Insofern ist es durchaus passend, dass Jason Reitman Regie führte und das Drehbuch mitschrieb. Schließlich war es seinerzeit sein Vater Ivan Reitman, der die ersten beiden Filme inszenierte. Dass der Filius sich in seinen Werken mehr mit der menschlichen Natur auseinandersetzt, etwa in Young Adult oder Tully, merkt man Ghostbusters: Legacy auch deutlich an. Der Schwerpunkt seiner Geschichte liegt auf den beiden Enkelkindern, die das Vermächtnis ihres Großvaters ausgraben und fortführen. Die Geister werden da sogar zur Nebensache, wichtiger ist das Verhältnis der Menschen untereinander.

Das Ergebnis ist ein bisschen zwiespältig. Wer Ghostbusters in erster Linie mit der komischen Jagd auf Gespenster verbindet, der kommt eher weniger auf seine Kosten. Der Humor ist vergleichsweise sparsam. Das Übernatürliche noch mehr: So dauert es schon sehr lange, bis sich die spirituellen Wesen tatsächlich mal blicken lassen. Es sind auch nicht sehr viele, über lange Zeit gibt es eigentlich nur eines – und das ist nicht einmal sonderlich originell. Richtig enttäuschend wird es zum Schluss, wenn Reitmann den Rückgriff auf den ersten Teil übertreibt. Zwischendurch mal ein Gastauftritt oder der eine oder andere Verweis auf früher, das kann schon sehr nett sein. Legacy wird an der Stelle aber zu einer einfallslosen Wiederholung, ganz im Stil der dritten Star Wars Trilogie.

Schönes Abenteuer, das Lust auf mehr macht

Gleichzeitig ist Ghostbusters: Legacy ein schöner Film, der immer mal wieder zu Herzen geht und einen beträchtlichen Wohlfühlfaktor beinhaltet, gerade wegen der sympathischen Figuren. Vor allem die von Mckenna Grace (Spuk in Hill House) gespielte Phoebe wird dabei zu einem emotionalen Mittelpunkt: Die nerdige Nachwuchswissenschaftlerin findet durch das Vermächtnis ihres Großvaters letztendlich zu sich selbst, findet einen Platz in einer Welt, die in ihr nur einen Freak sah. Überhaupt ist der Film sehr versöhnlich, gerade zum Ende hin. So wenig einfallsreich dieses auch ist, der eine oder andere Schluchzer wird an dieser Stelle schon durchs Kino gehen. Wer sich darauf einstellen kann, dass das hier eine andere Art Film ist, mehr familiäres Coming-of-Age statt Fantasy-Komödie, der kann sich auf ein gelungenes Abenteuer freuen. Die gefühlvolle Übergabe an die nächste Generation macht Lust auf weitere Auftritte.

Credits

OT: „Ghostbusters: Legacy“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Gil Kenan, Jason Reitman
Musik: Rob Simonsen
Kamera: Eric Steelberg
Besetzung: Mckenna Grace, Finn Wolfhard, Carrie Coon, Paul Rudd, Logan Kim, Celeste O’Connor

Bilder

Trailer

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„Ghostbusters: Legacy“ ist eine würdige, wenngleich etwas zwiespältige Rückkehr zu den beliebten Geisterjägern. Der Geisterpart kommt überraschend spät und ist gerade zum Ende hin enttäuschend einfallslos. Dafür überzeugen die Figuren: Die Geschichte um eine Familie, die sich selbst (wieder-)findet, ist schön und macht Lust auf weitere Abenteuer.
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