
Einst war Akutsu als Yakuza tätig. Doch das ist lange her, die letzten Jahre hat er allein in einer Gefängniszelle verbracht. Und selbst diese Zeit geht ihrem Ende entgegen, der in die Jahre gekommene Mann liegt im Sterben. Vorher will er aber noch einmal seine Geschichte erzählen. Sein Publikum: eine Balsam-Pflanze, die in seiner Zelle wächst. Mit ihr erinnert er sich daran, wie er vor vielen Jahren Nana und deren Sohn Kensuke kennengelernt hat. Gemeinsam lebten sie in einem Haus, in dessen Garten selbst Balsam-Pflanzen wuchsen. Es war eine glückliche Zeit für Akutsu, weshalb er gern daran zurückdenkt. Aber es war auch eine Zeit, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmte und ihn letzten Endes ins Gefängnis brachte …
Rückblick auf ein Verbrecherleben
Sie gehören natürlich fest zum filmischen Vermächtnis von Japan dazu: Titel, die von Yakuza erzählten und uns in die Unterwelt mitnehmen. Darunter waren auch immer wieder welche, die weltweit ein großes Publikum fanden, siehe etwa Hana-Bi – Feuerblume von Takeshi Kitano. Und natürlich gibt es auch zahlreiche Animes, die auf die eine oder andere Weise die fernöstlichen Gangster thematisierten. Beliebt war beispielsweise die Komödie Nisekoi, wo zwei Clans Frieden schließen wollen, indem die Kinder der Anführer miteinander verheiratet werden – zur Not gegen deren Willen. In eine ganz andere Richtung geht hingegen The Last Blossom, ein Filmdrama, welches bereits auf mehreren Festivals gezeigt wurde und inzwischen auch für eine reguläre Veröffentlichung in Deutschland angekündigt wurde – was eine sehr gute Nachricht ist.
Dabei ist das Werk recht eigenwillig. Das Grundszenario – ein Häftling führt eine Konversation mit einer Zimmerpflanze – klingt ebenfalls nach einer Komödie. Dann und wann wird das Publikum sicherlich auch schmunzeln. Zu verdanken ist das vor allem dem sarkastischen Balsam, der nicht gerade auf den Mund gefallen ist, obwohl er streng genommen keinen hat. Unbedingt gebraucht hätte es diese kuriose Rahmenhandlung gar nicht, der Protagonist hätte in The Last Blossom auch mit einem Menschen sprechen können. How to Make a Killing – Todsicheres Erbe hatte vor einigen Wochen schließlich eine ähnliche Erzählstruktur. Dort spricht ein zum Tode verurteilter Mörder mit einem Priester, was ebenfalls zu einem ständigen Wechsel zwischen der in der Gegenwart angelegten Rahmenhandlung und den chronologisch erzählten Rückblicken führt.
Ruhig und schön umgesetzt
Während der obige Film aber überwiegend der Unterhaltung diente, da ist der Anime stärker an den Figuren interessiert. Im Mittelpunkt steht dabei Akutsu selbst, der durch eine größere Ambivalenz auffällt. Auf der einen Seite ist er ruhig und zurückhaltend, ein freundlicher Mensch, der sich für andere in Not einsetzt. Doch er ist eben auch ein Verbrecher. The Last Blossom glorifiziert den Protagonisten nicht, verweigert sich der Faszination, die manche Filme den Yakuza entgegenbringen. Akutsu wird aber auch nicht einseitig verurteilt. Nach und nach erfahren die Zuschauer und Zuschauerinnen, wie es zu all dem kam, was den Mann zu seinen Taten veranlasst hat. Und auch, wie er selbst inzwischen darüber denkt, da der Blick auf die Ereignisse immer ein Blick zurück ist, es also neben Schuld und Sühne auch um Vergänglichkeit geht.
Die visuelle Umsetzung ist dabei eher schlicht. Aber sie ist passend für einen Film, der nicht das große Spektakel sucht, sondern die leisen Zwischentöne. Das Studio CLAP (Tunnel to Summer) verzichtet bei den Designs der Figuren auf die meisten Animeklischees, lediglich bei den Kulleraugen der Frauen ist das weniger geglückt. Insgesamt ist The Last Blossom ein schön anzusehendes Werk, das zwar im Schatten vieler größerer Animesproduktionen daherkommt und eher übersehen wird. Wer aber mal wieder einen poetisch-nachdenklichen Animationsfilm sehen möchte, ist hier an einer guten Adresse. Auch wenn – von der sprechenden Pflanze abgesehen – nichts wirklich hervorsticht, stimmt die Mischung.
OT: „Housenka“
Land: Japan
Jahr: 2025
Regie: Baku Kinoshita
Drehbuch: Kazuya Konomoto
Musik: Cero
Animation: CLAP
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