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Kommunist

„Kommunist“ // Deutschland-Start: 11. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Manche Dokumentarfilme versuchen, historische Figuren zu erklären. Andere wollen sie einordnen. Lutz Pehnerts Kommunist bewegt sich zwischen beiden Ansprüchen – und gerät gerade dadurch in ein Spannungsfeld, das den Film ebenso interessant wie umstritten macht. Der Regisseur begleitet den ehemaligen DDR-Staatschef Egon Krenz in seinem heutigen Leben an der Ostsee und zeichnet anhand von Gesprächen, Archivmaterial und persönlichen Erinnerungen dessen Weg zum letzten Staats- und Parteichef der DDR nach. Dabei entsteht das Porträt eines Mannes, der bis heute an seinen politischen Überzeugungen festhält und seine Rolle in der Geschichte anders bewertet als viele seiner Kritiker. 

Eine umstrittene Hauptfigur

Egon Krenz gehört zu jenen politischen Akteuren, deren Name untrennbar mit dem Ende der DDR verbunden ist. Als Nachfolger Erich Honeckers stand er nur wenige Wochen an der Spitze des Staates, bevor die Ereignisse des Herbstes 1989 die politische Ordnung hinwegfegten. Dass Pehnert ausgerechnet dieser Figur einen abendfüllenden Dokumentarfilm widmet, macht Kommunist zunächst zu einem reizvollen Projekt. 

Der Film zeigt Krenz jedoch nicht primär als historische Figur, sondern als Menschen im Hier und Jetzt. Bei Spaziergängen, Lesungen und Gesprächen erlebt man einen älteren Mann, der auf sein Leben zurückblickt und seine Geschichte erzählt. Gerade diese Konzentration auf die Gegenwart verleiht dem Film eine bemerkenswerte Nähe. Krenz erscheint nicht als Symbolfigur oder politisches Klischee, sondern als jemand, der bis heute um die Deutung seines eigenen Lebens ringt. 

Die Perspektive des Protagonisten 

Pehnert vertraut weitgehend auf die Kraft dieser Selbsterzählung. Archivaufnahmen, Beobachtungen und eine weibliche Off-Stimme strukturieren die Erinnerungen seines Protagonisten und verleihen dem Film einen ruhigen, beinahe essayistischen Charakter. Über weite Strecken entsteht dadurch ein konzentriertes Porträt, das weniger auf Enthüllungen als auf Verständnis setzt. 

Genau hier liegt jedoch auch die größte Schwäche von Kommunist. Krenz erhält viel Raum, seine Sicht auf die DDR, den Sozialismus und die politischen Umbrüche von 1989 darzulegen. Zwar werden Themen wie die Mauertoten, politische Repression und seine spätere Verurteilung wegen der Mitverantwortung für Todesfälle an der innerdeutschen Grenze angesprochen. Doch häufig bleiben seine Rechtfertigungen weitgehend unkommentiert stehen. 

Der Film setzt darauf, dass das Publikum historische Aussagen selbst einordnet. Das kann als Ausdruck von Offenheit gelesen werden. Gleichzeitig entsteht immer wieder der Eindruck, dass notwendige Widersprüche und kritische Nachfragen zu selten formuliert werden. Gerade weil Krenz zur Führungselite der DDR gehörte, hätte man sich an manchen Stellen eine deutlich schärfere Auseinandersetzung gewünscht. 

Nähe ohne klare Konfrontation 

Dabei besitzt Kommunist durchaus Qualitäten, die über bloße Zeitzeugendokumentation hinausgehen. Besonders interessant wird der Film dort, wo die Widersprüche seiner Hauptfigur sichtbar werden. Krenz erscheint weder als dämonischer Funktionär noch als missverstandenes Opfer der Geschichte. Vielmehr zeigt Pehnert einen Menschen, dessen politische Überzeugungen die historische Realität überdauert haben. 

Diese Ambivalenz macht viele Szenen sehenswert. Die Begegnungen mit Zuhörern bei Lesungen oder die Beobachtungen seines Alltags erzeugen eine beinahe beiläufige Normalität. Gleichzeitig schwingt stets das Wissen um die historische Verantwortung des Mannes mit, den man dort beobachtet. Aus dieser Spannung bezieht der Film einen großen Teil seiner Wirkung. 

Allerdings scheut Pehnert oft davor zurück, diese Reibung konsequent auszuspielen. Statt die Gegensätze zwischen persönlicher Erinnerung und historischer Bewertung stärker aufeinanderprallen zu lassen, bleibt Kommunist häufig auf der Ebene des beobachtenden Porträts. Dadurch entsteht Verständnis für die Figur, ohne dass ihre Positionen immer ausreichend hinterfragt werden. 

Ruhig erzählt, diskussionswürdig gedacht 

Auch formal bleibt der Film seinem zurückhaltenden Ansatz treu. Die Montage aus Archivbildern und aktuellen Aufnahmen ist sorgfältig gestaltet und entwickelt einen gleichmäßigen Rhythmus. Besonders die historischen Aufnahmen gewinnen in Kombination mit Krenz’ Erinnerungen eine interessante Wirkung, weil sie immer wieder die Frage aufwerfen, wie Geschichte erinnert und erzählt wird. 

Eine tiefere analytische Schärfe erreicht der Film jedoch nur selten. Statt historische Konflikte auszudiskutieren, deutet er sie häufig an. Das macht Kommunist nicht weniger sehenswert, wohl aber angreifbar. Gerade in Zeiten intensiver Debatten über Erinnerungskultur, ostdeutsche Identität und den Umgang mit ehemaligen Funktionären der DDR wird die zurückhaltende Haltung des Films zwangsläufig Diskussionen auslösen. 

Letztlich liegt darin vielleicht seine größte Stärke. Kommunist liefert keine abschließenden Antworten, sondern eröffnet einen Raum für Auseinandersetzungen. Ob man dies als produktive Offenheit oder als problematische Nachsicht bewertet, wird vermutlich stark von den eigenen Erwartungen abhängen. Interessant dürfte auch der Vergleich zum eine Woche später im Kino gestarteten Film Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung werden, in dem eine der wichtigsten Personen der DDR-Opposition zu Wendezeiten pörträtiert wird.

Credits

OT: „Kommunist“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Lutz Pehnert
Musik: Leon Zeug
Kamera: Markus Hering

Bilder

Trailer

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Kommunist
fazit
Lutz Pehnert gelingt mit “Kommunist” ein sorgfältig inszeniertes und atmosphärisch dichtes Porträt des letzten DDR-Staatschefs Egon Krenz. Der Film macht die Widersprüche seiner Hauptfigur sichtbar und regt zur Auseinandersetzung mit deutscher Zeitgeschichte an. Gleichzeitig bleibt er gegenüber seinem Protagonisten häufig bemerkenswert zurückhaltend und verzichtet an entscheidenden Stellen auf die kritische Schärfe, die sein Thema eigentlich verlangen würde.
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