
In einer fernen Zukunft ist Ken (Ken Nozawa) einer der wenigen noch lebenden Menschen auf dem Planeten Erde. Aufgrund von Klimakatastrophen und Kriegen ist die Welt um ihn herum zerstört und zu einem riesigen Friedhof geworden, weshalb er seine Zeit damit verbringt, am Strand gewaltige Gräber auszuheben und Monumente aus Sand zu errichten, die an die Menschheit erinnern sollen. Gerade als Ken aufgrund seiner Einsamkeit beinahe zu verzweifeln droht, lernt er Yui (Yuyo Ayukawa) kennen. Das Mädchen spricht zwar nicht seine Sprache, doch irgendwie gelingt dennoch eine Verständigung zwischen den beiden. Mit der Zeit entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, obwohl Yui gar nicht von der Erde stammt.
Viele Jahre vor ihnen lebten Sammler wie Mitsuki (Ayaka Shimizu) und Taiyo (Yusei Yamamoto) in derselben Gegend wie Yui und Ken. Doch sie vermeiden es, sich dem Meer zu nähern, weil dies für sie den Tod bedeuten könnte. Die Suche nach Relikten der Vergangenheit ist Mitsuki jedoch irgendwann nicht mehr genug, und allen Warnungen ihres Begleiters zum Trotz beschließt sie, das Meer zu betreten.
20.000 Jahre vor der ersten Episode treffen wir auf Kaichi (Shion Yamamoto), der gemeinsam mit seiner Mutter (Yuko Yokoyama) Freunde besucht, die in der Nähe des Ozeans wohnen. Die Beziehung der beiden ist angespannt, denn während seine Mutter versucht, nach vorne zu schauen, sehnt sich Kaichi nach einer Verbindung zu seinem verschwundenen Vater. Durch Zufall gelangen dessen Aufzeichnungen in seine Hände, sodass Kaichi endlich die Möglichkeit erhält, diesen Unbekannten in seinem Leben etwas besser kennenzulernen.
Die Verschwundenen und die Hinterbliebenen
Die Insel Sado in der Präfektur Niigata im Japanischen Meer ist ein äußerst inspirierender Ort für die japanische Fotografin und Regisseurin Yokna Hasegawa. Bereits für ihre Arbeiten Ascension River sowie ihre Filme Illuminations und Dual City spielte Sado eine wichtige Rolle, weshalb sie für ihren neuen Film Cosmo Corpus dorthin zurückkehrte. In Interviews erklärte sie, dass sie einen Blick in die Zukunft werfen wollte – auf die Menschen, die überlebt haben, und auf das, was die Menschheit hinterlassen wird, wenn sie eines Tages dem Untergang geweiht ist. Cosmo Corpus, der zuletzt auf der Nippon Connection 2026 zu sehen war, ist dabei weniger ein klassischer Spielfilm als vielmehr ein Werk mit kontemplativer Struktur, das Themen wie Zeit, Erinnerung und Einsamkeit aufgreift, um letztlich zu zeigen, wie Individuen, Orte und verschiedene Zeitebenen miteinander verwurzelt sind.
Cosmo Corpus ist zugleich Hoffnungsschimmer und Requiem auf die Menschheit und die Erde. Wie viele aktuelle Werke aus dem Bereich der Science-Fiction stellt auch Hasegawa angesichts globaler Krisen die Frage, was am Ende von uns bleiben wird, woran man sich erinnern wird und ob es für das Universum überhaupt einen Unterschied macht, wenn wir eines Tages nicht mehr da sind. Dabei bezieht sie sich allenfalls indirekt auf Aspekte wie Klimawandel oder Krieg und konzentriert sich stattdessen auf philosophische Fragestellungen, die Cosmo Corpus eine interpretative Offenheit verleihen, wie man sie beispielsweise aus den Filmen Andrei Tarkowskis oder Béla Tarrs kennt. In der ersten Episode verzichtet sie sogar vollständig auf gesprochene Sprache und setzt stattdessen auf eine andere Form der Verständigung zwischen Yui und Ken, deren Gefühlswelt die Grundlage ihrer Kommunikation bildet. Währenddessen arbeitet Ken weiter an seinen Sandskulpturen, die wie Gräber oder Denkmäler wirken – Erinnerungen an Dinge, die zwar verschwunden sind, deren Andenken jedoch nicht verloren gehen darf.
Die Einsamkeit des Menschen auf der Erde
Über allem steht jedoch keineswegs allein die Erinnerung, denn die Sehnsucht nach einem Ausweg aus der Einsamkeit verbindet Menschen – selbst über verschiedene Zeiten hinweg. Kens Gräber sind Spiegel seiner tiefen Sehnsucht nach einer Verbindung zu einem anderen Wesen. Mitsuki möchte nicht länger nur Andenken einer vergangenen Zeit sammeln, ordnen und katalogisieren, denn schon lange drängt es sie nach einer Form von Zugehörigkeit, die ihre Gegenwart ihr nicht mehr bieten kann. Zuletzt begegnen wir einem jungen Mann, der orientierungslos wirkt und wie ein Geist durch seine Welt zieht, stets auf der Suche nach einem Moment, der seinem Leben Sinn verleiht, ihn sichtbar macht und ihm das Gefühl gibt, Teil dieser Welt zu sein.
Wie bereits erwähnt, lässt Hasegawa den Zugang zu ihren Figuren und deren Geschichten bewusst offen, weshalb sich Cosmo Corpus einer rein intellektuellen Annäherung entzieht. Ähnlich einer Installation in einem Museum empfiehlt sich vielmehr ein Ansatz, der die Intuition des Betrachters betont. Cosmo Corpus ist keineswegs hermetisch, auch wenn Beschreibungen oder einzelne Bilder dies zunächst vermuten lassen mögen, denn die Themen, die Hasegawa anspricht, sind universell. Am Ende steht die Sehnsucht nach Bedeutung im eigenen Leben, der Wunsch, etwas zu hinterlassen und in Erinnerung zu bleiben. Und trotz aller Dunkelheit, die immer wieder durchscheint, bleibt auch ein Funken Hoffnung.
OT: Kosumo korupusu
Land: Japan
Jahr: 2025
Regie: Yokna Hasegawa
Drehbuch: Yokna Hasegawa
Kamera: Yusuke Moriya, Yokna Hasegawa
Musik: Nozomu Matsumoto
Besetzung: Yuiko Ayukawa, Ken Nozawa, Junko Ayukawa, Yusei Yamamoto, Saki Shimizu, Yuko Yokoyama
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)





