
So richtig viel ist Ingmar Karlsson (Robert Gustafsson) nicht geblieben. Seit dem Tod seiner Frau Inger lebt er zurückgezogen in einer Kleinstadt in Südschweden. Viele soziale Kontakte hat er nicht mehr, das Verhältnis zu seiner Tochter Erika (Emelia Sallhag) ist angespannt. Nur sein Nachbar Rolf Burman (Jonas Karlsson) spricht noch regelmäßig mit ihm, worauf Ingmar gern verzichten würde. Eigentlich will Ingmar nämlich nur seine Ruhe und sich um die Rosen von Inger zu kümmern, die ihr ein und alles waren. Einfach ist das nicht, schließlich erlebt Schweden einen extrem trockenen Sommer. Das beschäftigt auch Bürgermeisterin Anette (Karin Lithman), die mit Erikas Freund Daniel (Simon Gregor Carlsson) alles versucht, um irgendwie an Wasser zu kommen. Als Ingmar einen Wasserhahn benutzt, der tief in einem Gebüsch verborgen ist, stellt er zu seiner Verwunderung fest, dass er es damit regnen lassen kann …
Ökothema ohne Ökobotschaft
Ist es besonders passend oder unpassend, Der Regenmeister während eines Sommers in die Kinos zu bringen, der in ganz Europa Höchsttemperaturen mit sich bringt, dazu noch verheerende Waldbrände? Schließlich ist das, was der schwedische Film da erzählt, ein bisschen nah dran an dem, was wir tagtäglich erleben. Zwar ist es noch nicht ganz so weit, dass wir Wassertrucks organisieren müssen, wie das in dem Film passiert. Erste Einschränkungen zum täglichen Wasserverbrauch sind aber bereits eingefordert worden. Und das dürfte nur der Anfang sein, der Ausnahmezustand droht zum jährlich wiederkommenden Alltag zu werden. Eigentlich wäre es da naheliegend gewesen, dabei auch über den Elefanten im Raum zu sprechen, den Klimawandel. Doch darauf wird völlig verzichtet, der Film ist komplett frei von einer ökologischen Botschaft.
Stattdessen sind es zwei andere Aspekte, auf die sich Regisseur und Co-Autor Hannes Holm (Ein Mann namens Ove) konzentriert. Zum einen ist da der kuriose Wasserhahn, der es regnen lassen kann. Warum das geschieht, wird nie verraten. Wer hofft, dass vielleicht irgendwann eine Erklärung erfolgt, wird enttäuscht. Der Regenmeister arbeitet mit einem magischen Realismus, dessen Mysterium ein Mittel zum Zweck ist. Und dieser ist, das Publikum zu erheitern. Schon die ersten Szenen, wenn Ingmar diese eigenartige Erfahrung macht, sind irgendwie komisch. Und auch später dient der Ausnahmewasserhahn in erster Linie dem Humor. Streckenweise wird es dabei etwas satirisch, wenn aus dem lokalen Guss eine nationale Sensation wird. An der Stelle meint man dann, dass der Film zwar keine ökologische, dafür aber eine gesellschaftskritische Absicht verfolgt.
Seltsames Stückwerk
Dieser Teil der Geschichte wird mit einem persönlichen Strang verbunden, bei dem es um den Tod von Ingmars Frau und das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Tochter geht. Mit dem Regen hat das alles gar nichts zu tun bzw. wird nur notdürftig miteinander verwoben. Der Film zerfällt da quasi in zwei Teile. Das ist nicht grundsätzlich verkehrt, solange die Einzelteile für sich genommen funktionieren. Das ist bei Der Regenmeister aber nur punktuell der Fall. So ist die Grundidee einfallsreich. Es gibt auch immer wieder unterhaltsame oder rührende Momente, auch weil Robert Gustafsson (Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand) eine Idealbesetzung für den sturköpfigen Witwer ist.
Das Drehbuch bleibt dabei aber immer eigenartiges Stückwerk. Bei dem Verhältnis zwischen Vater und Tochter kommen unterschiedlichste Punkte auf, die nicht wirklich zusammenpassen und im luftleeren Raum stehen. Zum Ende hin löst sich alles in Wohlgefallen auf, ohne dass wirklich daran gearbeitet wurde. Die Entscheidung, die Ingmar am Ende trifft, ist sowieso nicht nachzuvollziehen. Und das ist schade, weil Der Regenmeister das Potenzial für einen richtig schönen Film hatte. So bleibt aber eine Tragikomödie, die zu unentschlossen ist und sich dabei auch noch zieht, weil es nicht gelingt, die gesamte Laufzeit zu füllen.
OT: „Regnmannen“
Land: Schweden
Jahr: 2025
Regie: Hannes Holm
Drehbuch: Jonas Karlsson, Robert Gustafsson, Hannes Holm
Musik: Pernilla Andersson
Kamera: John Christian Rosenlund
Besetzung: Robert Gustafsson, Jonas Karlsson, Emelia Sallhag, Simon Gregor Carlsson, Karin Lithman
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