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© Anne Wilk/Mark de Blok
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„Etty“ // Deutschland-Start: 21. Mai 2026 (arte)

Inhalt / Kritik

So ganz kommt die Studentin Etty (Julia Windischbauer) nicht mehr mit ihrem Leben klar. Sie ist erschöpft und überfordert, die Welt ist ihr zu viel geworden. Und so sucht sie den Psychochirologen Julius Spier (Sebastian Koch) auf, der für seine unkonventionellen Methoden bekannt ist, in der Hoffnung, dass er ihr aus dieser schwierigen Lage helfen kann. Tatsächlich fühlt sie sich besser durch diese Begegnung. Spier inspiriert sie sogar dazu, mit dem Schreiben anzufangen. Doch während es für die junge Frau langsam bergauf geht, wird es um sie herum ziemlich finster. Denn nach und nach breitet sich in dem Land der Faschismus aus. Was anfangs noch alles ganz weit weg erscheint, nähert sich immer weiter an …

Historische Geschichte, neu verpackt

Am späten Donnerstagabend lohnt es sich oft, arte einzuschalten, zumindest solange man Gefallen hat an düsteren Stoffen. Der Sender ist gerade für Fans von Krimis und Thrillern einen Blick wert. Es finden sich aber auch immer mal wieder sehenswerte Dramen und Komödien im Programm. Sonntagnachmittagsblues etwa erzählte von drei jungen Menschen, die sich eine Wohnung in Paris teilen. Vor einigen Wochen kam Die Jahreszeiten, in denen sich die Gefühle von drei Menschen über die Jahrzehnte hinweg immer wieder verändern. Das war gerade für Zuschauer und Zuschauerinnen spannend, die etwas mit komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen anfangen können. Mit Etty folgt nun ein weiterer Titel, der eine interessante Geschichte erzählt.

Diese basiert auf einem realen Vorbild. Genauer stand Etty Hillesum Pate, eine jüdische Intellektuelle aus den Niederlanden, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Anstatt aber die Geschichte als Historiendrama aufzuarbeiten, wie es naheliegend gewesen wäre, entschied sich Regisseur und Drehbuchautor Hagai Levi dafür, die historische Figur in die Gegenwart zu versetzen. Trotz dieser äußeren Veränderung hält sich Etty eng an die Vorgabe. Genauer nahm sich der israelische Serienschöpfer Tagebücher und Briefe der historischen jungen Frau und nutzte diese als Grundlage für das, was hier geschieht. Dass Inhalt und zeitliches Setting eigentlich nicht zusammenpassen, fällt dabei gar nicht auf. Das ist ja auch ein wichtiger Punkt hier: Die schrecklichen und unmenschlichen Ereignisse, die vor mehr als 80 Jahren geschehen sind, sind nicht so weit weg, wie wir das gern hätten.

Sehenswert

Die Natur der schriftlichen Vorlage führt unweigerlich dazu, dass die Serie stärker an den Figuren und deren Innenleben interessiert ist, weniger an der Handlung. Da gibt es immer wieder Passagen, in denen nicht so wahnsinnig viel geschieht. Etty hört zudem früher auf, zeigt also nicht das erschreckende Ende der Protagonist. Man braucht also schon ein wenig Geduld, um hier mitziehen zu können, zudem ein Interesse für die psychische Verfassung von Menschen – gerade in Ausnahmezeiten. Levi beschreibt einen Prozess, während dessen alles schon nach und nach schlimmer wird. Aber es ist eben ein schleichender Prozess, wo mal hier, mal dort was geschieht, die Schritte mit der Zeit in den Abgrund führen, ohne dass es zu plötzlichen Ereignissen kommt.

Das ist sehenswert, gerade auch, weil der veränderte Kontext für eine unheimliche Stimmung sorgt. Das zeitlose Geschehen ist natürlich eine klare Warnung davor, dass das, was damals geschehen ist, immer wieder geschehen könnte. Die Serie, die 20025 bei den Filmfestspielen von Venedig Weltpremiere hatte, verzichtet aber darauf, das zu einer plumpen Moralkeule umzufunktionieren. Man verlässt sich stattdessen darauf, dass die Geschichte auch so ihre Wirkung zeigt. Das tut sie auch. Etty ist ein sehenswertes Drama um eine schleichende Eskalation und darum, was dies mit einem Menschen macht. Das ist höchstpersönlich, eben weil es auf direkten Gedanken basiert, und doch zugleich universell genug, dass man hier leicht mitfühlen kann.

Credits

OT: „Etty“
Land: Frankreich, Deutschland, Niederlande
Jahr: 2025
Regie: Hagai Levi
Drehbuch: Hagai Levi
Musik: Volker Bertelmann, Raffael Seyfried, Ben Winkle
Kamera: Martijn van Broekhuizen
Besetzung: Julia Windischbauer, Sebastian Koch, Claire Bender, Leopold Witte, Bart Klever, Gijs Naber

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2025

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Etty
fazit
Basierend auf einer historischen Figur erzählt „Etty“ von einer jungen Frau, die in einem erstarkenden Faschismus ums Überleben kämpft. Dass die Vorlage Jahrzehnte vorher lebte, fällt hier erschreckend wenig auf. Die eher auf die seelische Verfassung ausgerichtete Dramaserie ist sehenswert, verzichtet dabei auf eine plumpe Moralisierung und zeigt einen schleichenden Prozess.
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